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Alternativmedizin

England: Aus für Homöopathie auf Rezept

Berlin - Homöopathische Arzneimittel sind in England nicht mehr verschreibungsfähig. Die British Homeopathic Association (BHA) scheiterte vor Gericht mit einer Klage gegen die neuen Leitlinien für Allgemeinmediziner, die der Gesundheitsdienst NHS im November erlassen hat. Homöopathie darf nun nicht mehr auf Rezept abgegeben werden und wird damit zur reinen Selbstzahlerleistung.

Im November hatte der chronisch klamme Gesundheitsdienst neue Richtlinien für Allgemeinmediziner veröffentlicht. Ziel waren Einsparungen in Millionenhöhe durch die Streichung von Behandlungen mit geringem Nutzen, fehlender Evidenz oder zu hohen Kosten. Dazu wurde eine „schwarze Liste“ erstellt, auf der sich auch Homöopathika wiederfinden. Ärzte dürfen diese nun nicht mehr verschreiben und sind angehalten, bisherige Folgeverschreibungen nicht mehr zu erneuern, also auslaufen zu lassen.

Dagegen hat sich die BHA zur Wehr gesetzt. Die Entscheidungsfindung beim NHS sei unfair gewesen, so die Kritik. Zwar hatte der NHS versucht, die Öffentlichkeit einzubeziehen und Patienten die Möglichkeit gegeben, Stellungnahmen einzureichen. Dieser Prozess sei jedoch derart kompliziert gewesen, dass er Bürger eher abgeschreckt habe, statt sie zur Teilnahme zu animieren. „Dass der NHS in einem öffentlichen Konsultationsprozess, der über drei Monate andauert, gerade einmal 3000 Rückmeldungen erhalten hat, zeigt sein Unvermögen, die Öffentlichkeit in wichtige Fragen der Gesundheitsversorgung einzubeziehen“, erzürnte sich die BHA-Vorsitzende Margaret Wyllie.

Außerdem habe schon vor der Verabschiedung der neuen Richtlinien eine Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch den Gesundheitsdienst stattgefunden. Obwohl 18 Arzneimittelgruppen überprüft wurden, habe der NHS sich in seiner Pressemitteilung nur auf die mangelnden Wirksamkeitsbelege bei Homöopathie bezogen. Das sei einer Vorverurteilung gleichgekommen.

Der High Court of Justice, das höchste Zivilgericht in Großbritannien, nahm die Vorwürfe ernst und eröffnete ein Verfahren. Anfang Mai wurden vier Tage lang abwechselnd Vertreter des NHS England und der BHA angehört. Ergebnis: Der Entscheidungsfindungsprozess sei „fair und ausgewogen“ gewesen, es gebe keine Anhaltspunkte für Voreingenommenheit bei den Entscheidern. Dass die Anwälte der BHA bei der Anhörung betonten, dass es „Beweise dafür gebe, dass Homöopathie in manchen Fällen wirkt“, nützte da nichts. Denn es sei nicht Aufgabe des Gericht, das zu beurteilen: „Es wäre unangemessen, wenn dieses Gericht darüber urteilte, ob Homöopathie berechtigt ist oder funktioniert“, so der Vorsitzende Richter Michael Supperstone.

Für Verbandchefin Wyllie ist das eine nicht nachvollziehbare Entscheidung: „Es ist erstaunlich, dass der Richter nicht erkennen konnte, dass es sich bei dem NHS-Statement um einen bewussten Versuch gehandelt hat, die Öffentlichkeit zu beeinflussen.“ Es scheine so, „als könnte der NHS damit davonkommen, Patienten Leistungen zu streichen, ohne sie in die Entscheidung einzubeziehen“.

Beim NHS sieht man das naturgemäß anders. „Es gibt keine klaren Belege für die Wirksamkeit von Homöopathika. Sie sind bestenfalls Placebos und ein Missbrauch der knappen NHS-Ressourcen“, so Chef Simon Stevens. „Deshalb begrüßen wir die Entscheidung des Gerichts außerordentlich.“

Auf der Liste der nicht mehr verschreibungsfähigen Präparate finden sich neben homöopathischen Produkten beispielsweise auch Omega-3-Fettsäuren und Fischöle. Diese hätten eine geringe klinische Effektivität und könnten außerdem auch durch eine ausgewogene Ernährung in ausreichendem Maße aufgenommen werden, so der NHS.

Auch Glucosamin und Chondroitin finden sich auf der Liste, genauso wie Arzneimittel wie Liothyronin gegen Schilddrüsenerkrankungen, Doxazosin und Perindopril gegen Bluthochdruck, Dosulepin und Trimipramin bei ZNS-Störungen sowie Lidocain-Pflaster Fentanyl, Tramadol/Paracetamol, Oxycodon/Naloxon gegen Schmerzen und nicht näher definierte pflanzliche Präparate.

Insgesamt will der NHS so 141 Millionen Pfund pro Jahr sparen. Anfang 2018 legte die Behörde dann nach und veröffentlichte eine Liste mit 35 kleineren Erkrankungen, für die Ärzte in Zukunft keine OTC-Präparate mehr verschreiben sollen. Dadurch sollen weitere rund 100 Millionen Pfund gespart werden. Insgesamt gibt der NHS laut eigenen Angaben jährlich 16,4 Milliarden Pfund für Arzneimittel aus.

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