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Alternativmedizin

Prinz Charles wird Homöopathie-Schirmherr

Homöo-Pate: Prinz Charles übernimmt die Schirmherrschaft über die Faculty of Homeopathy.Foto: Hugo Burnand

Berlin - Homöopathie ist ein heißes Pflaster: Positioniert man sich klar für oder gegen die umstrittene Alternativmedizin, zieht man sich umgehend den Zorn jeweils anderen Lagers zu, nicht nur in Deutschland. Hierzulande war der Streit zuletzt wieder entflammt, unter anderem sah sich Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig teils harscher Kritik ausgesetzt, weil sie als Schirmherrin für einen Homöopathie-Kongress fungierte. In Großbritannien haben die Homöopathen nun einen ungleich bekannteren Fürsprecher für sich gewinnen können: Den britischen Thronfolger Prinz Charles.

Als Mitglied des britischen Königshauses ist es quasi Teil der Existenzberechtigung, Schirmherr von allerlei Kongressen, Vereinen und Stiftungen zu sein. Schließlich verfügen die Royals – anders als eine Ministerpräsidentin wie Schwesig – über keine formelle politische Macht, ihre Aufgabe erschöpft sich in der Repräsentation. Nicht allzu oft kommt es aber vor, dass sich Mitglieder des Königshauses breiter Kritik ausgesetzt sehen, wenn sie eine Schirmherrschaft übernehmen. Dem Prince of Wales und Duke of Cornwall ging es nun aber so: Denn vor einigen Tagen verkündete die British Homeopathic Society stolz, dass Prinz Charles der neue Schirmherr der Faculty of Homeopathy wird.

Die 1844 gegründete Gesellschaft ist eine der ältesten Homöopathie-Organisationen der Welt. 1950 hat das britische Parlament die von ihr ins Leben gerufene Faculty of Homeopathy zu einer quasi-öffentlichen Einrichtung ernannt, die für die Aus- und Weiterbildung von homöopathischen Ärzten sowie die Qualitätssicherung homöopathischer Arzneimittel zuständig ist. „Es ist eine riesige Ehre für uns, in dem Jahr, in dem wir unseren 175. Geburtstag feiern, die Unterstützung seiner königlichen Hoheit, des Prinz of Wales, zu erhalten“, so Dr. Gary Smith, Präsident der Fakultät. „Ich freue mich darauf, mit Mitgliedern, Freunden und Unterstützern der Fakultät weiter daran zu arbeiten, Homöopathie sowohl in der Öffentlichkeit als auch in Fachkreisen zu fördern und das Bewusstsein für dieses medizinische System zu stärken.“

Doch im Vereinigten Königreich waren nicht alle so erquickt über die Zuneigung Seiner Hoheit. Die Argumente im Homöopathiestreit sind in Großbritannien auf beiden Seiten dieselben wie in hierzulande. Anders als in Deutschland sind homöopathische Arzneimittel im britischen Gesundheitssystem NHS aber seit November 2017 nicht mehr verschreibungs- und erstattungsfähig. Homöopathie sei „bestenfalls ein Placebo und ein Missbrauch der knappen Ressourcen des NHS“, hatte dessen Direktor die Entscheidung damals begründet.

Prinz Charles wiederum hält davon nicht viel. Er setzt sich seit Jahrzehnten öffentlich für die Homöopathie ein und musste sich dafür schon einiges an Kritik gefallen lassen. Vor allem die eingehende Anamnese und ausführliche Beratung bei homöopathischen Ärzten lobte er in der Vergangenheit und kritisierte den übermäßigen Gebrauch von Antibiotika und anderen chemischen Arzneimitteln in seinem Land.

„Betrachtet man Prinz Charles‘ lange Liebesaffäre mit der Homöopathie, dann ist dieser Schritt nicht überraschend“, merkt Prof. Dr. Edzard Ernst an, Professor für Alternativ- und Komplementärmedizin und einer der profiliertesten Homöopathiegegner. „Die Frage ist eher, ob das irgendetwas an dem Niedergang der Homöopathie in diesem und einigen anderen Ländern ändert und ob das die Urteile von Dutzenden von unabhängigen Organisationen ändert, die in der jüngsten Vergangenheit bescheinigt haben, dass es sich um eine reine Placebo-Therapie handelt.“ Andernorts wird noch drastischere Kritik vorgetragen: Der Thronerbe zeige damit, „dass er keinen Respekt für die Wissenschaft hat“, schreibt die Medizinerin Dr. Leyla Sanai in einem Gastkommentar für den Spectator und geht noch einen Schritt weiter. Prinz Charles propagiere homöopathische Behandlungen, während seine „Untertanen“ im chronisch unterfinanzierten und unterbesetzten NHS oft monatelang auf „echte“ medizinische Behandlungen warten müssen. Das sei nichts anderes als Marie Antoinettes berüchtigter Satz „Dann sollen sie doch Kuchen essen“.

Das Königshaus wiederum verteidigt die Entscheidung seines Regenten in spe. Charles „glaubt daran, dass sichere und effektive Komplementärmedizin eine wichtige Rolle in Gesundheitssystemen spielen kann, solange diese Ansätze in konventionelle Therapien integriert werden“, so eine Sprecherin. Dabei handele es sich um „eine Haltung, zu der er nach jahrelangen Gesprächen mit Experten aus vielen verschiedenen Gebieten der Medizin gelangt ist“.

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