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Alternativmedizin

Österreich: Homöopathie unter Druck

Berlin - Der Streit um Sinn und Unsinn der Homöopathie ist keine deutsche Eigenheit: Auch in Großbritannien, Frankreich und der Schweiz sowie jetzt auch in Österreich wird über Globuli & Co. diskutiert. In den vergangenen Wochen hat die Debatte dort wieder an Fahrt aufgenommen, nachdem die Medizinische Universität Wien die Homöopathie aus den Lehrplänen schmiss und aus den Reihen der Patientenbeauftragten heftige Kritik laut wurde.

Erstattungsfähig sind homöopathische Arzneimittel in Österreich zwar nicht, ähnlich weit verbreitet wie in Deutschland sind sie dennoch. Und ähnlich umstritten. So hatte erst am vergangenen Wochenende die Entscheidung der Medizinischen Universität Wien für Diskussionen gesorgt, mitten im Semester alle Lehrveranstaltungen zu Homöopathie aus dem Curriculum zu streichen. Betroffene Studenten wurden informiert, dass die restlichen Veranstaltungen in diesem Semester abgesagt wurden.

Die Medizinische Universität müsse sich als ein internationales Aushängeschild der österreichischen Medizin „von unwissenschaftlichen Verfahren und Scharlatanerie klar distanzieren“, wie Universitätsrektor Professor Dr. Markus Müller gegenüber der österreichischen Zeitung „Der Standard“ sagte. Er habe diesen Schritt schon seit längerem erwogen; als dann kürzlich beim Rektorat mehrere Beschwerden von Studierenden eingingen, sei die Entscheidung endgültig gefallen. Es hätten sich die Hinweise gemehrt, dass die Inhalte der ursprünglich als kritische Beschäftigung mit der Homöopathie konzipierten Veranstaltung nicht mehr mit dem Bekenntnis der Universität zur evidenzbasierten Medizin vereinbar waren.

Neben der Absage der Lehrveranstaltungen an der Uni wurde auch das Ende der Ambulanz für komplementärmedizinische Methoden am Wiener Allgemeinen Krankenhaus beschlossen: Deren Leiter, der Internist Professor Dr. Michael Frass, geht im kommenden Jahr in den Ruhestand, der Betrieb der Ambulanz soll dann eingestellt werden. Frass war es auch, der besagte Veranstaltungen an der Uni unterrichtete. Die beiden Mediziner waren wegen des Themas schon mehrfach aneinandergeraten. So hatte der Rektor Frass untersagt, eine Verbindung zwischen der Ambulanz und der Medizinischen Universität herzustellen.

Doch damit nicht genug. In der Debatte um die Absage der Lehrveranstaltung und die Schließung der Ambulanz meldeten sich dann noch zwei Patientenanwälte – das österreichische Pendant zu den deutschen Patientenbeauftragten – zu Wort. Denn in mehreren Kliniken des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) werden nach wie vor komplementärmedizinische Behandlungen angeboten. Sigrid Pilz, Patientenanwältin der Stadt Wien, verlangt deshalb eine Aufklärungspflicht: „Die Ärzte, die homöopathische Therapien anbieten, müssen ihre Patienten darauf aufmerksam machen, dass es keine wissenschaftliche Evidenz für Homöopathie gibt und damit auch keine Wirksamkeit erwiesen ist“, sagte sie ebenfalls dem Standard. Man dürfe der Unwissenheit der Patienten nicht nachgeben.

Pilz‘ Kollege Gerald Bachinger, Patientenanwalt in Niederösterreich, stimmte ein: „Laut Krankenanstaltengesetz dürfen nur medizinisch anerkannte Verfahren angeboten werden – das ist bei Homöopathie definitiv nicht der Fall“, sagt er und verweist auf das nach Fläche größte und nach Bevölkerung zweitgrößte Bundesland, wo die öffentlichen Kliniken lediglich evidenzbasierte Behandlungen anbieten würden. Das wünsche er sich auch für Wien. Pilz wiederum geht noch einen Schritt weiter: Man könne die Patienten kaum unterstützen, wenn Ärzte zwar aufklären, aber Apotheken weiterhin ohne Erklärung abgeben. Sie fordert deshalb ein Verkaufsverbot für unwirksame Präparate oder mindestens einen verpflichtenden Aufdruck, dass es sich bei Globuli nicht um Arzneimittel handele und deren Wirksamkeit nicht belegt sei.

Widerspruch erhält sie dafür vom Pharmaverband Pharmig. Generalsekretär Alexander Herzog fordert Aufklärung statt Verbote: „Vorrangig muss die Information über die Produkte sein. Das schafft die Basis, auf der jeder einzelne selbst entscheiden kann, ob und welche frei erhältlichen Produkte aus der Apotheke er zum Erhalt oder zur Verbesserung seiner eigenen Gesundheit einnehmen möchte.“ Die Nachfrage nach homöopathischen Mitteln zeige „eine gewisse Affinität von Teilen der Bevölkerung zu diesem komplementärmedizinischen Angebot“. Herzog: „Ob Schulmedizin oder Komplementärmedizin, Aufklärung und Information sind in beiden Fällen wichtig, um Menschen darin zu stärken, ihre Gesundheit selbstbestimmt zu managen.“

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