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Uni Mainz

Grams-Vortrag: Hahnemann-Gesellschaft macht mobil

Berlin - Da helfen auch keine Globuli: Hinter den Kulissen eines für morgen geplanten Vortrages zum Thema Homöopathie an der Universität Mainz geht es rund. Die Hahnemann-Gesellschaft wollte beim Uni-Präsidenten erwirken, dass der Auftritt der Ärztin und Homöopathie-Kritikerin Natalie Grams gestrichen wird. Der Vortrag findet wie geplant um 19 Uhr statt.

„Alternativmedizin – Wirklich eine Alternative?“ Diese Frage stellt Grams morgen Abend. Im Publikum sitzen dann Gäste, die dazu eine klare Meinung haben: „Die Vorträge von Frau Grams sind immer tendenziös-manipulativ“, sagt Dr. Ulrike Fröhlich, die im Vorstand der Hahnemann-Gesellschaft ist. Sie hat via Facebook von der Veranstaltung gehört und sofort Mitstreiter informiert. Zu diesen gehört auch Susann Buchheim-Schmidt, MTA, Apothekerin und Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Klassische Homöopathie aus Mainz.

„Ich gehe zu dem Vortrag und habe rund 35 Ärzte im Umkreis Mainz, Wiesbaden und Frankfurt informiert. Ich habe sie gebeten, dazuzukommen, um ein sachgerechtes Gegengewicht zu bilden“, sagt Fröhlich. Sie hofft, dass morgen Abend auch Patienten kommen, die sie ebenfalls angeschrieben hat. Patienten, die pro Homöopathie sind.

Der Name Grams ist in der Homöopathen-Szene ein rotes Tuch. Eine Verräterin, geradezu. Die Ärztin veröffentliche 2015 das homöopathiekritische Buch „Homöopathie neu gedacht – Was Patienten wirklich hilft“. Im Rahmen der Recherchen war die praktizierende Homöopathin zur entschiedenen Gegnerin mutiert. In Zeitungsartikeln wird sie schon mal als „Nestbeschmutzerin“ oder „Ketzerin“ bezeichnet. Die Angst der Hahnemann-Gesellschaft: Jemand, der morgen in den Vortrag kommt und vielleicht wenig bis gar keine Ahnung von Homöopathie hat, könnte ebenfalls zum Gegner werden.

Das möchte Fröhlich vermeiden. „Das Niveau der Veranstaltung stört mich. Es hat keine wissenschaftliche Grundlage, wird jedoch so nach außen kommuniziert. Ein Laie kann nicht erkennen, dass Frau Grams keine Sachkompetenz hat. Das können wir nicht durchgehen lassen“, erklärt die Ärztin. „Uns ist das Pro und Contra wichtig. Die Hahnemann-Gesellschaft wird sich immer engagieren, wenn so etwas auf akademischem Boden stattfindet. Wenn Frau Grams ihre Vorträge in Kleinbistros oder an der Volkshochschule macht, haben wir nichts dagegen.“

Protest gegen die Veranstaltung hat die Hahnemann-Gesellschaft am vergangenen Freitag beim Präsidenten der Universität Mainz eingelegt, die Antwort kam heute von der Pressestelle. Der Vortrag wird stattfinden. „Ich habe ihn auf diese Lobby-Veranstaltung hingewiesen. Ich habe an der Uni Mainz studiert, wir haben eine super fachliche Ausbildung mit Naturwissenschaften und wissenschaftlichem Denken genossen, wir sind offen für Forschung und wissenschaftlichen Diskurs, aber das können wir nicht durchgehen lassen.“

Fröhlich hatte deshalb den Uni-Präsidenten aufgefordert, die Veranstaltung abzusagen. Nun schwächt sie diese Forderung ab. „Wir wollen den Vortrag nicht verhindern, er kann stattfinden. Wir haben eine offene Podiumsdiskussion vorgeschlagen, um dem Publikum beide Sichtwesen zu präsentieren. Ich habe mich als Expertin zur Verfügung gestellt, das wurde abgelehnt.“ Es wird vermutlich ein turbulenter – und interessanter Abend. Egal, auf welcher Seite der Globuli man steht.

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