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Wechselwirkung

Arzneimittel und Sonne: Das kann passieren

Berlin - Hautrötungen, Blasen und Pigmentverschiebungen können die unangenehmen Folgen von Sonnenbädern sein. Durch Arzneimittel können Hautreizungen begünstigt werden. Wer den Sommer unbeschwert im Freien genießen will, sollte vorab seine Dauermedikation unter die Lupe nehmen.

Einige Arzneimittel – topisch und systemisch anwendbar – können die Haut lichtempfindlicher machen. Zugrunde liegen photoallergische und phototoxische Reaktionen. Wobei letztere meist ohne Senibilisierungsphase unmittelbar nach der Sonnenexposition auftreten können. Die Hautreaktionen sind dabei auf die Bereiche begrenzt, die der Sonne ausgesetzt sind.

Photoallergische Reaktionen können jedoch erst bei wiederholter Sonnenexposition auftreten. Der auslösende Wirkstoff bindet in der Haut an Proteine und bildet Antigene, die bei erneuter Aussetzung zu einer Reaktion führen. Die Symptome können nicht nur an den Hautstellen auftreten, die der Sonne ausgesetzt waren, sondern am ganzen Körper.

Eine Photosensibilisierung ist unter folgenden Wirkstoffen möglich:

  • Antibiotika aus der Gruppe der Gyrasehemmer, Tetrazykline oder der Sulfonamide wie zum Beispiel Doxycyclin oder Ciprofloxacin.
  • Diuretika wie Hydrochlorothiazid, Furosemid oder Triamteren und Xipamid stehen ganz oben in der Liste der Auslöser. Sie erhöhen die Lichtempfindlichkeit in geringem Maße, werden aber häufig verordnet.
  • Antidepressiva und Antipsychotika wie Amitriptylin oder Promethazin können die Haut ebenfalls lichtempfindlicher machen.
  • Entzündungshemmer wie Diclofenac, Ibuprofen, aber auch Naproxen oder Piroxicam können zu starken photochemischen Hautreaktionen führen. Das gilt vor allem, wenn sie regelmäßig und in hohen Dosen eingenommen werden.
  • Antiepileptika wie Valproinsäure, Carbamazepin, Lamotrigin oder Phenytoin besitzen ein besonders hohes Potential.
  • Antiallergika wie Diphenhydramin und Loratadin.
  • Hormonpräparaten, die Estrogene oder Progesteron enthalten.
  • Arzneimittel zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Amiodaron, Ramipril, Captopril, Enalapril oder auch Nifedipin können Auslöser für allergische Reaktionen sein.
  • Johanniskraut ist der wohl bekannteste Auslöser für eine Photosensibilierung. Das enthaltene Hypericin kann zum sogenannten Hypericismus führen. Jedoch ist mittlerweile umstritten, ob die bei Depressionen verabreichten Dosen ausreichen, um wirklich zu Beschwerden zu führen.
  • Salben und Cremes mit Corticosteroiden, Isotretinoin oder Methoxalen können in Kombination mit starker UV-Strahlung gefährlich sein.

Starke Rötungen, Blasenbildung, Ausschlag oder Schuppung können die Folgen sein. Langfristig kann eine Fehlpigmentierung der Haut mit hellen (Hypopigmentierung) oder dunklen (Hyperpigmentierung) Flecken auftreten. Diese photochemischen Reaktionen werden durch die langwelligere UVA-Strahlung ausgelöst. Sie kann im Gegensatz zur UVB-Strahlung auch durch Glas und Kleidung in die Haut eindringen. Dort werden komplizierte chemische Reaktionen in Gang gesetzt, denn die Arzneistoffe vermögen Photonen aus der UV-Strahlung zu absorbieren. Dadurch gelangen sie kurzzeitig in einen angeregten energetischen Zustand. Wird dieser wieder verlassen, wird die überschüssige Energie in Form von Wärmeenergie abgegeben. Dieser Hitzeüberschuss führt zu Hautreizungen und Hautschäden.

Ob eine solche Reaktion entsteht, hängt von den Eigenschaften der Haut und des Wirkstoffes ab. So spielen Hautdicke, Körpertemperatur und Behaarung eine Rolle. Beim Wirkstoff fallen die chemischen und physikalischen Eigenschaften wie pH-Wert oder Lipophilie ins Gewicht. Aber auch die Art der Applikation sowie die Wirkstoffkonzentration und die verwendeten Hilfsstoffe können entscheidend sein.

Um Hautreaktionen zu vermeiden, sollten die Auslöser am besten gemieden werden. Bei Medikamenten ist ein einfaches Absetzen aber nicht möglich, vor allem wenn es sich um eine Dauermedikation handelt. In Rücksprache mit dem Arzt kann womöglich die Dosis auf ein Minimum reduziert werden. Betroffene sollten die Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr meiden und immer einen hohen UV-Schutz auftragen oder Kleidung mit einem ausgewiesenen UV-Schutz tragen.

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