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Potsdam

Paketbombe in Apotheke – erste heiße Spur

Berlin - Monatelang gab es keine heiße Spur im Fall des flüchtigen DHL-Erpressers von Berlin und Brandenburg. Im vergangenen Dezember hatten aufmerksame Mitarbeiter der Königin Luise Apotheke in Potsdam eine Paketbombe entdeckt. Die Altstadt wurde abgeriegelt, der Weihnachtsmarkt teilweise evakuiert, die Bombe entschärft. Jetzt haben die Ermittler eine gute Nachricht.

Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke teilte mit, dass es eine aktuelle Spur gibt. Die Ermittler haben einen Verdächtigen im Visier. Die Untersuchungen sind laut Mörke „sehr personalintensiv“. Details will er derzeit noch nicht preisgeben, das Ermittlungsverfahren sei langwierig. Inhaber Jens Wiesenhütter sagt: „Bei mir hat sich leider niemand von der Polizei gemeldet. Wir haben die Neuigkeiten aus der Presse erfahren. Ich finde es schön, dass es eine heiße Spur gibt.“ Sein Team leidet immer noch unter den Auswirkungen, die die DHL-Lieferung vor mehr als einem halben Jahr auslöste. „Es geistert natürlich immer noch in den Köpfen herum. Einige Kollegen waren in psychologischer Betreuung, andere wollten lieber arbeiten, um damit fertig zu werden.“ Bereits einige Jahre davor war die Luisen Apotheke überfallen worden. „Der Täter stand damals mit vorgehaltener Pistole in der Apotheke.“

Am 1. Dezember vergangenen Jahres war in der Nähe des Potsdamer Weihnachtsmarktes in der Königin Luise Apotheke eine Paket abgegeben worden. Der Filialleiter entdeckte in dem 40 x 50 Zentimeter großen Paket verdächtige Drähte und Technik und alarmierte die Polizei. Der Staatsschutz des Landeskriminalamts nahm die Untersuchungen auf und richtete die Ermittlungsgruppe „Luise“ mit 25 Beamten ein. Die Ermittler entdeckten in dem Paket, das von DHL geliefert wurde, einen sogenannten Polenböller, Batterien, eine Metalldose gefüllt mit Nägeln und einen mit QR-Code verschlüsselten Erpresserbrief. Der unbekannte Täter forderte zehn Millionen Euro in der digitalen Währung Bitcoin.

Schnell stellte sich heraus, dass die Paketbombe zündfähig gewesen war, sie wurde von Experten begutachtet und anschließend durch einen ferngesteuerten Roboter mittels Hochdruck-Wasserstrahl entschärft. „Es war eine Sprengvorrichtung, die bei einer Umsetzung erhebliche Gefahr für Leib und Leben bedeutet hätte“, sagte Brandenburgs Innenstaatssekretärin Katrin Lange nach dem Vorfall im Innenausschuss des Landtags. Kurz nach dem Vorfall stand fest: Nicht der Apotheker und seine Mitarbeiter oder der Weihnachtsmarkt waren Ziel der Erpressung, sondern der Paketlieferdienst DHL steht im Mittelpunkt der Millionen-Forderung.

Nach dem Vorfall ging in Deutschlands Apotheken wochenlang die Angst um. In der Vorweihnachtszeit werden so viele Pakete wie sonst nie im Jahr verschickt, der Potsdamer Fall weckte die Wachsamkeit bei vielen Kollegen. So alarmierte die Eschen-Apotheke in Köln am 12. Dezember vergangenen Jahres die Polizei. Eine unbekannte Frau war mittags in die Apotheke gekommen, habe ein Paket auf dem HV-Tisch abgestellt und die Offizin wortlos verlassen.

Die Mitarbeiter waren in Angst, deponierten das verdächtige Paket im Innenhof des Hauses und riefen die Polizei. Diese sperrte den Bereich um die Apotheke weiträumig ab und forderte Entschärfer des Landeskriminalamts an. Nach drei Stunden gab es zum Glück Entwarnung, in dem Paket befanden sich nur medizinische Unterlagen und Kalender.

Möglicherweise handelt es sich bei dem Potsdamer DHL-Erpresser um denselben Mann oder dieselbe Frau, die am 12. Januar in einer Bankfiliale in Berlin-Steglitz eine verdächtige Versandtasche mit einer Zündvorrichtung und vermutlich Schwarzpulver aus Feuerwerkskörpern deponiert hat. Auch bei dem Brief und einer selbstgebastelte Bombe, die am 29. März in der Handwerkskammer in Berlin-Kreuzberg entdeckt wurden, gehen die Ermittler davon aus, dass es sich um eine Tat des DHL-Erpressers handelt.

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