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Lieferdienst

Ex-Awinta-Mann übernimmt Pillentaxi

Berlin - Das Botenkonzept Pillentaxi plant den Neustart unter neuer Führung. Zum Jahresbeginn hat der ehemalige Awinta-Vertriebschef Michael Walter das Ruder von Lena und Dominik Riemer übernommen. Walter will Pillentaxi zu einem „Lieferheld für Apotheken“ machen und Größen wie Amazon Paroli bieten.

Pillentaxi wurde 2010 von einem Kölner Apotheker und einer Medizinstudentin gegründet. Bislang konnten die Kunden Medikamente online bei teilnehmenden Apotheken bestellen und bekamen die Produkte dann nach Hause geliefert. Auffälligstes Merkmal sind die Autos für den Botendienst mit einer großen Pille auf dem Dach oder der Heckscheibe. Es handelt sich eher um ein Marketingkonzept als eine Kooperation.

Walter will Pillentaxi weiterentwickeln und vor allem Apotheken in Großstädten ein besonderes Angebot machen. Ziel ist eine Plattform, auf der Apotheken ihren Botendienst quasi auslagern können. Der Inhaber bucht die Ausfahrt der Arzneimittel dabei wie eine Dienstleistung. „Quasi ein Foodora im Gesundheitsmarkt oder Lieferheld für Apotheken“, erklärt Walter.

Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Versanderlaubnis der Apotheke. „Für die Kunden wird es sich aber wie der normale Botendienst anfühlen“, erklärt Walter. Pillentaxi soll nach seinem Anspruch nämlich die Apotheke vor Ort stärken. Allerdings wird von den Teilnehmern auch etwas verlangt: In einem Zeitfenster von zwei bis vier Stunden muss das Arzneimittel abholbereit in der Apotheke sein. Denn die Auslieferung am selben Tag ist Walter zufolge heute eine unabdingbare Voraussetzung, damit so ein Konzept von den Verbrauchern angenommen wird.

Das Konzept wird zunächst auf verschreibungspflichtige Arzneimittel beschränkt sein. Im zweiten Schritt könnten die Top 100 oder Top 200 OTC dazu kommen, erklärt Walter. Das Pillentaxi holt das Rezept beim Kunden ab, fährt damit zur Apotheke und liefert dann die Arzneimittel aus. In der Zwischenzeit kann falls nötig eine Kommunikation zwischen Apotheke und Patient stattfinden. Eine App soll den Bestellvorgang vereinfachen und beschleunigen, später sollen auch mögliche Zusatzverkäufe angezeigt werden.

In der App kann der Kunde seine Stamm-Apotheke auswählen. Ist er selbst unterwegs, kann er sich die nächste Pillentaxi-Apotheke anzeigen lassen. Einen Gebietsschutz wird es wohl auch künftig geben. Erste Ansprechpartner sind natürlich die derzeit knapp 70 teilnehmenden Apotheken. Den Homepage-Service will Walter dagegen künftig nicht mehr anbieten.

In dieser Plattform-Variante kann das Konzept natürlich nur in Großstädten oder Ballungsgebieten funktionieren. Eine Flächendeckung ist nicht das Ziel von Pillentaxi. Apotheken auf dem Land können weiterhin die Marke nutzen und sich das markante Botenauto besorgen. Etwa Mitte des Jahres soll ein an die Warenwirtschaft angeschlossener Botendienstservice dazukommen. Den Awinta-Mann in sich kann Walter nicht verleugnen.

Da Walter selbst Kölner ist und das Konzept einst in der Domstart gestartet ist, soll hier irgendwann im ersten Quartal der Startschuss fallen. Für die Teilnahme zahlen die Apotheken eine Gebühr, die konkrete Höhe steht Walter zufolge noch nicht fest. Von den Kunden sollen die Apotheken dann ihrerseits eine Gebühr für den Botendienst verlangen, das ist aber nur eine Empfehlung und bleibt letztlich dem Inhaber überlassen.

Die Riemers haben Pillentaxi leichten Herzens an Walter abgegeben – man habe sich auf Anhieb gut verstanden. Lena Riemer ist jetzt als Ärztin tätig, ihr Mann Dominik in einer Apotheke beschäftigt. Für die Betreuung von Pillentaxi habe einfach die Zeit gefehlt. Angeblich hatten auch ein Großhändler sowie eine Apothekenkooperation Interesse an dem Konzept bekundet. Letztlich machte Walter das Rennen. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Walter hat eine Ausbildung als Industriekaufmann bei Coca Cola gemacht und war dort Ende der 90er-Jahre Vertriebsbeauftragter. Danach wechselte er für sechs Jahre in das Vertriebsteam des Pharmaherstellers Boehringer Ingelheim. Noch näher an die Apotheke rückte er 2005 als Geschäftsstellenleiter beim Softwarehaus ProMedisoft. Nach dem Zusammenschluss mit der VSA war er ab 2010 bei Awinta Regionalverkaufsleiter und von 2013 bis Mitte 2015 Vertriebsleiter. Danach war er mit seiner Firma Addivo selbstständig mit Fokus „Digitalisierung in und rund um die Apotheke“.

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