Navigation
Risiko für die Impfstoffentwicklung?

Erste Mutationen bei SARS-CoV-2

Erste Mutation: Chinesische Forscher entdeckten beim neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 zwei verschiedene Stränge, mit unterschiedlicher Aggressivität.Foto: shutterstock.com/creativeneko

Berlin - Während Wissenschaftler händeringend nach ersten Behandlungsoptionen suchen, scheint sich das neuartige Coronavirus bereits zu verändern. Dies könnte vor allem in Hinblick auf einen möglichen Impfstoff zu Problemen führen – die Entwicklung ist bereits in vollem Gange, vor 2021 werden die Kandidaten jedoch nicht einsatzbereit sein.

Zwei verschiedene Virus-Stränge entdeckt

Chinesischen Wissenschaftlern zufolge ist SARS-CoV-2 bereits mutiert: Sie konnten feststellen, dass sich mittlerweile zwei unterschiedliche Stränge des Virus verbreiten und nachweisen lassen – ein sogenannter „L-Typ“ und ein „S-Typ“. Demnach sei der L-Typ der aggressivere von beiden: Etwa 70 Prozent der Infizierten weltweit seien von diesem Typ betroffen. Dieser hat sich vermutlich aus dem harmloseren S-Typ gebildet und weiterentwickelt. Diese Mutation sei vermutlich auch für die schnellere Verbreitung verantwortlich.

Mutationen nicht zwingend gefährlich

Experten des Robert Koch-Instituts (RKI) merken jedoch an, dass die Mutation eines Virus normal sei und nicht zwangsläufig bedeutet, dass das mutierte Virus eine größere Gefahr für Menschen darstellt und neue Eigenschaften entwickelt. Auch der britische Forscher Stephen Griffin stimmt dem zu: Gegenüber dem „Telegraph“ erklärt er, dass sich das Virus erst einmal an den Menschen als neuen Wirt anpassen müsse.

Einfluss auf die Impfstoffentwicklung möglich

Mutationen erschweren grundsätzlich die Suche nach Therapieoptionen, da die neu entstehenden Stränge anders reagieren können als die ursprünglichen. Vor allem in Hinblick auf die Entwicklung eines Impfstoffes könnte es jedoch problematisch werden: Denn dieser könnte nur für einen der beiden Typen entwickelt werden.

CureVac arbeitet an Impfstoff

Unter anderem bemüht sich das Biotech-Unternehmen CureVac, einen Impfstoff gegen das Virus Sars-CoV-2 zu entwickeln. „Wir arbeiten mit Hochdruck an dieser Sache“, sagt CureVac-Vorstand Florian von der Mülbe. Alle Abteilungen fokussierten sich momentan auf dieses Thema. Forscherteams weltweit wollen einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 entwickeln. In Tübingen wählen derzeit CureVac-Mitarbeiter den geeignetsten Impfstoff-Kandidaten für eine klinische Studie mit Probanden aus. Denn bevor ein Impfstoff auf den Markt kommt, muss seine Sicherheit und Wirksamkeit am Menschen gezeigt werden. „Wir hoffen, im Frühsommer mit der klinischen Erprobung beginnen zu können“, sagt von der Mülbe.

Klinische Studien erforderlich

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass erste Impfstoff-Tests an Menschen in drei bis vier Monaten beginnen
könnten. Ein zertifizierter Impfstoff für weitreichenden Einsatz stehe aber wohl erst in 18 Monaten zur Verfügung. „Generell ist die Entwicklung von Impfstoffen ein langwieriger Prozess, bei dem allein die klinischen Prüfungen mehrere Jahre in Anspruch nehmen“, sagt Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) im hessischen Langen, dessen Kernaufgabe die Überprüfung und Zulassung von Impfstoffen ist. Im Kampf gegen das Coronavirus berät es zudem Unternehmen bei der Impfstoff-Entwicklung.

Beschleunigte Prüfungen möglich

„In Fällen wie jetzt beim Sars-CoV-2 und nachdem die WHO den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen hat, haben wir als Regulatoren die Möglichkeit, Impfstoff-Projekte bevorzugt zu behandeln und bei aller gebotenen Sorgfalt schnelle Entscheidungen zu treffen“, sagt Cichutek. Schon in wenigen Monaten könnte mit klinischen Prüfungen der Phase 1 von Coronavirus-Impfstoffen in Deutschland begonnen werden – sofern die erforderlichen präklinischen Daten dies erlaubten. In dieser Phase geht es vor allem um die Sicherheit der Impfstoffe und um ihre Fähigkeit, das Immunsystem zu einer spezifischen Abwehrreaktion anzuregen.

Förderung für Impfstoff-Entwicklung

Ende Januar erteilte die internationale Impfstoffkooperation CEPI den Tübingern die Zusage für eine Förderung von 8,3 Millionen US-Dollar (rund 7,5 Millionen Euro), um einen Impfstoff gegen das Coronavirus zu finden, herzustellen und in Studien zu prüfen. CEPI ist eine öffentlich-private Allianz, das Bundesministerium für Bildung und Forschung ist Gründungsmitglied. Weltweit unterstützt CEPI mehrere ähnliche Initiativen. Das Unternehmen setzt für einen Impfstoff auf den natürlichen Botenstoff mRNA, wobei „m“ für „messenger“ (Bote) und RNA für Ribonucleinsäure (ribonucleic acid) stehen. Der Botenstoff kommt in jeder menschlichen Zelle vor. Von der Mülbe beschreibt das Vorgehen seines Unternehmens so: „Der Botenstoff enthält den Steckbrief des Feindes, den wir dem Körper übergeben.“ Damit wisse das Immunsystem, dass nach den Informationen auf dem Steckbrief gesucht werden müsse, und der Körper könne seine Abwehrmechanismen anwenden.

CureVac bekam dafür die genetische Information des neuartigen Coronavirus, die bereits wenige Wochen nach Bekanntwerden des Erregers ermittelt wurde. Darin stecken alle Informationen, die das Virus für seine Vermehrung braucht – auch für die Herstellung jener Bestandteile, auf die der Körper nach einer Impfung mit der Bildung von Antikörpern und anderen Abwehrstoffen reagiert. Das Coronavirus nutzt ein Protein in seiner Hülle, um in menschliche Zellen einzudringen. Auf dieses Protein konzentrieren sich die Impfstoff-Entwickler. Die Bauanleitung für das Hüllprotein von Sars-CoV-2 verpacken die CureVac-Forscher in Nanopartikel, die die mRNA in die Zellen liefern. Körperzellen bilden dann das Hüllprotein und präsentieren es auf ihrer Oberfläche, woraufhin das Immunsystem mobilisiert wird.

Auch in China arbeitet die Schanghaier Tonji Universität gemeinsam mit dem Unternehmen Stermirna Therapeutics an einem mRNA-Impfstoff, wie die Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Ein Team der Münchner Universität arbeitet in Kooperation mit einer Gruppe um den Virologen Stephan Becker von der Universität Marburg an einem Impfstoff. Sie nutzen als Transporter für das Hüllprotein ein Virus, das Menschen nicht krank macht. Es dringt nach der Impfung in Zellen ein und bildet das Hüllprotein, das vom Immunsystem erkannt wird. Die Konstruktion des Impfvirus und erste Produktionsschritte seien voraussichtlich bis Ende März abgeschlossen, sagte Becker kürzlich.

APOTHEKE ADHOC Debatte

zur Übersicht

Richtiges Desinfizieren kann leben retten.

Aktuelle Termine

Aktuelle Termine zu Veranstaltungen, Messen, Kongressen, Ausbildung und Seminaren.

Zu den Terminen