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Helios-Apotheke: 240 km Arbeitsweg

Berlin - Das Helios-Klinikum in Pforzheim schließt zum 30. September seine Klinikapotheke. Acht Mitarbeitern wurde jetzt betriebsbedingt gekündigt. Sie bekamen das Angebot, künftig in Rottweil zu arbeiten. Das bedeutet allerdings einen täglichen Arbeitsweg von 240 Kilometern.

„Momentan können wir noch nicht sagen, welche Mitarbeiter nach Rottweil wechseln möchten, dies prüft derzeit jeder einzelne für sich individuell“, sagt eine Sprecherin der Helios Servicegesellschaft Süd.

Die Klinikapotheke muss geschlossen werden, da das Gebäude desolat ist: „Sie müsste von Grund auf renoviert werden, um den heutigen Qualitätsanforderungen an Klinikapotheken zu entsprechen“, so die Sprecherin. „Zum Beispiel ist die Gebäudesubstanz mangelhaft und die technische Ausstattung unzureichend. Mit der Übernahme der Klinik durch Helios im Jahr 2014 trat dies bereits erstmals deutlich zutage, deshalb wurde damals auch unmittelbar die Zytostatikaherstellung nach Rottweil verlagert.“ Die Apotheke besteht seit dem Neubau des Pforzheimer Klinikums Anfang der 1960er-Jahre.

Derzeit beliefert die Apotheke in Rottweil elf Standorte des Klinikkonzerns in der Region und versorgt insgesamt 1750 Betten. „Deshalb lag es für uns nahe,Rottweil auch die Belieferung von Pforzheim zu übergeben“, sagt die Helios-Sprecherin. Die Rottweiler Apotheke hat derzeit 17 Mitarbeiter.

Der Klinikkonzern setzt auf die Bündelung seiner Arzneimittelversorgung. Im Sommer 2016 eröffnete die erste externe Krankenhausapotheke. Vom Standort in Wahlstedt aus, 45 Kilometer von Kiel entfernt, versorgt eine neue Niederlassung zehn firmeneigene Häuser mit zusammen 2500 Betten. Helios versorgte bundesweit im Jahr 2017 5,3 Millionen Patienten. Die Fresenius-Tochter kommt auf 35.000 Betten, 74.000 Mitarbeiter, die in 111 Akut- und Rehabilitationskliniken und 89 medizinischen Versorgungszentren arbeiten.

Die Zahl der Klinikapotheken ist seit Jahren rückläufig: Gab es in den 1990er Jahren mehr als 600 Krankenhausapotheken, sank die Zahl 2013 unter 400. Die aktuellsten Zahlen stammen aus 2017, demnach gibt es 377 Krankenhausapotheken. Die Zahl der Krankenhausapotheker ist in den vergangenen Jahren leicht gestiegen, 2015 gab es rund 2000, derzeit sind es rund 2200. Hintergrund der rückläufigen Zahlen von Krankenhausapotheken sind vor allem Krankenhausfusionen. Die Zahl der Kliniken ist ebenfalls: rückläufig. Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) gab es 1991 noch 2411 Kliniken, 2013 waren es nur noch 1996 Häuser. Die Zahl der Betten sank im gleichen Zeitraum von rund 666.000 auf 501.000. Im Gegenzug stieg die Zahl der Fälle von 14,6 Millionen auf 18,8 Millionen. Die Verweildauer sank von 14 auf 7,5 Tage.

Zuletzt sorgte das Thema Klinikapotheken im vergangenen Jahr für Aufmerksamkeit. Nach dem Fall des Krankenpflegers Niels H., dem Mord in 97 Fällen zur Last gelegt wird, legte die damalige Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) einen Gesetzesentwurf vor. Damit zog Niedersachsen Konsequenzen aus der Mordserie, künftig sollen in allen Krankenhäusern sogenannte Stationsapotheker arbeiten. Ähnliche Mordserien wie im Fall Niels H. sollen dadurch schneller enttarnt, Menschenleben gerettet werden.

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