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Einsparpläne

Klinikapotheke trotz Protest geschlossen

Berlin - Um die Kosten des angeschlagenen kommunalen Ortenauer Klinikverbundes zu senken, wird jetzt die Sparkeule ausgepackt. Betroffen ist auch die Zentralapotheke am Standort Lahr. Trotz des Widerstandes am Lahrer Klinikum hat nun der Krankenhausausschuss des Kreistages endgültig beschlossen, die Klinikapotheke aufzulösen. Fortan soll die Arzneimittelversorgung von Offenburg aus erfolgen. Der Oberbürgermeister von Lahr will sich allerdings nicht geschlagen geben.

Drei Stunden lang soll sich der Krankenhausausschuss des Kreistages beraten haben. Obwohl Landrat Frank Scherer laut Bericht der Lahrer Zeitung deutlich machte, dass dem Kreistag daran gelegen sei, die flächendeckende medizinische Versorgung auch in Zukunft sicherstellen zu wollen, fiel die Entscheidung für die Zusammenlegung der Apotheken eindeutig aus. Mit 16 Ja- und sieben Gegenstimmen wurde sie beschlossen.

Der Oberbürgermeister von Lahr, Wolfgang G. Müller, kämpfte zwar vor dem Ausschuss um die Apotheke und beantragte die Verschiebung der Entscheidung. Er soll sich unter anderem darauf berufen haben, dass die Kommunikation zwischen Chefärzten und Apothekenpersonal noch nicht abschließend geführt sei. Ein Gespräch in seinem Büro bei einer Tasse Kaffee mit dem Geschäftsführer des Ortenauer Klinikums, Christian Keller, sehe er nicht als ausreichende Information an. Sein Antrag hatte aber keine Chance und wurde laut einem Bericht der Lahrer Zeitung mit neun zu zwölf Stimmen abgewiesen.

Nur wenige Tage zuvor hat der Gemeinderat von Lahr bei einer Sitzung einstimmig gefordert, die Klinikapotheke in Lahr zu erhalten. Die Bedenken aus Lahrer Sicht sind groß: „Die Schließung der Apotheke wird nach unserer Auffassung eine Standortschädigung des Lahrer Klinikums, eine Einschränkung seines Entwicklungspotenzials und eine Qualitätsminderung der Patientenversorgung nach sich ziehen. Gleichrangige hochspezialisierte Zentralversorgungshäuser wie die beiden Häuser der Zentralversorgung im Ortenaukreis können nur mit einer je eigenen Apotheke vollwertig funktionieren“, heißt es in der Resolution des Gemeinderats. Es wird befürchtet, dass das Lahrer Klinikum ohne die Apotheke, die immerhin 1,5 Millionen Euro Gewinn jährlich machen soll, in die roten Zahlen rutschen könnte.



Nicht nur die örtlichen Politiker, sondern auch die Chefärzte des Klinikums Lahr-Ettenheim sollen laut Zeitungsberichten vor einer Schließung der Lahrer Apotheke gewarnt haben. Demnach soll Müller bei der Gemeinderatssitzung aus einem Brief zitiert haben, in dem die Mediziner den Erhalt der Zentralapotheke fordern.

Auch die leitende Klinikapothekerin Elisabeth Kempf sträubte sich gegen die Zusammenlegung und die faktische Schließung der Klinikapotheke am Standort Lahr. „Unsere gewachsenen, gut funktionierenden Strukturen werden nun zum Bauernopfer“, sagte sie gegenüber APOTHEKE ADHOC. Statt unprofitable Häuser des Verbundes zu schließen, werde die gewinnbringende Klinikapotheke in Lahr wegrationalisiert, um den Anschein von Einsparungen zu wahren. Dabei seien gestellten Einsparungen nicht nur maßlos überzogen. Die Fusion würde auch die Versorgung der Patienten schwächen.

Nach der Entscheidung des Krankenhausausschusses hat der Oberbürgermeister angekündigt, nun rechtlich untersuchen zu lassen, ob der Ausschuss überhaupt für diese Entscheidung zuständig war. Das erklärte er gegenüber der Lahrer Zeitung im Anschluss an die Sitzung. Während die restlichen Einsparpläne nochmals vom Kreistag beraten und erst dann endgültig beschlossen werden, soll die Zusammenlegung der Klinikapotheken nicht nochmals am 25. Juli bei einer Sitzung des Kreistages debattiert.

Am meisten bluten muss wohl der Standort Gengenbach. Werden die Einsparpläne tatsächlich beschlossen, müssen dort die Orthopädie und Innere Medizin an andere Häuser abgeben werden. Die Notaufnahme wird geschlossen. Im Kehler Klinikum soll HNO-Belegabteilung dicht machen und später auch die Gynäkologie. Die Allgemeinchirurgie wird an den Standort Achern verlegt. Um den Klinikverbund zukunftssicher aufzustellen, hat der Krankenhausausschuss außerdem ein Gutachten für die langfristige Klinik-Konzeption auf den Weg gebracht.

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