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Versandhandel

Ist er der erste Amazon-Apotheker?

Berlin - Der Einstieg des Versandriesen Amazon in den deutschen Apothekenmarkt nimmt konkrete Züge an: Nach Informationen von APOTHEKE ADHOC wurden die Münchener Bienen-Apotheken als Kooperationspartner gewonnen. Der US-Konzern will einen Lieferdienst für Arzneimittel aufziehen – mit Apotheken vor Ort als Exklusivpartner. Details zum Pilotprojekt in München sind noch nicht bekannt, die Tinte auf den Verträgen soll aber bereits trocken sein.

Bekannt ist, dass Amazon den Premiumdienst „Amazon Prime“ um Gesundheitsprodukte und Arzneimittel erweitern möchte. Die Ware wird für Prime-Kunden und ab einem Bestellwert von 20 Euro noch am selben Tag ausgeliefert. Spediteure fahren am Vormittag bestellte Ware zwischen 18 und 21 Uhr aus. Bei „Prime Now“ wird in den Metropolen München und Berlin bereits innerhalb von zwei Stunden ausgeliefert. In der Hauptstadt wurden gerade zwei Lebensmittelhändler als erste externe Partner unter Vertrag genommen.

Auch Apotheken will Amazon unter Vertrag nehmen; diese sollen die bestellte Ware zum Umschlagplatz der Amazon-Logistiker liefern. Angesprochen wurden sowohl Apotheken vor Ort als auch Versender. In München wurden dem Vernehmen nach die Bienen-Apotheken für das Projekt gewonnen. Die Mini-Kooperation verfügt in der bayerischen Landeshauptstadt nach einer Spaltung Ende 2015 aktuell über 15 Apotheken. Die Bienen-Apotheken arbeiten besonders eng zusammen, vom Einkauf bis hin zur Personalplanung.

Kopf des Zusammenschlusses ist Apotheker Michael Grintz, der selbst vier Bienen-Apotheken führt. Die mutmaßlich vor dem Start anstehende Kooperation mit Amazon wollte er auf Nachfrage nicht kommentieren: „Dazu will und werde ich nichts sagen“, so Grintz. Ein hartes Dementi klingt anders.



Zumindest Berührungsängste zum Versandriesen hat Grintz nicht. Über seine Bienen-Apotheke Laimer Platz firmiert er auf bei Amazon als „Apohealth – Gesundheit aus der Apotheke“. Dabei handelt es sich aber um die „normale“ Konstellation, bei der Händler ihre Ware über Plattform verkaufen.

Wie die Zusammenarbeit im Rahmen von Amazon-Prime aussehen könnte, dazu will Grintz sich natürlich auch nicht äußern. Die logistische Herausforderung dürfte jedenfalls nicht unerheblich sein. Ob einzelne Apotheken die Abwicklung in der vom Konzern vorgegebenen Zeit tatsächlich stemmen könnten oder ein weiterer Logistikpartner – zum Beispiel ein Großhändler – eingebunden wird, ist unklar. Je nach Konstellation kommt auch die Frage des Apothekenrechts mehr oder weniger dringend auf den Tisch – Stichwort: Fremdbesitzverbot. Entscheidend sind hier die Details der Verträge mit Apotheken.

Amazon jedenfalls hat München in den Fokus genommen. Der Konzern baut an der A94 im Osten der Stadt in einem Gewerbgebiet. Das neue Lager entsteht am Hüllgraben in Daglfing, auch wenn der Bau noch nicht offiziell bestätigt ist.



Für Apotheken ist München traditionell ein schwieriges Pflaster: Die guten Standorte, Center und Pflegenheime sind verteilt, alteingesessene Familien haben einzelne Stadtteile fest in der Hand. Aufgrund der immer weiter steigenden Mieten haben es Neuankömmlinge schwer. Auch Franchisekonzepte wie DocMorris oder Easy-Apotheken konnten sich hier nicht durchsetzen.

Die Bienen-Apotheken haben als einzige Kooperation in München eine nennenswerten Verbreitung erreicht, wobei auch hier etliche Standorte gewechselt haben. Grintz hat die Kooperation in den 1990er-Jahren gründete, zusammen mit seiner Studienkollegin Angela Maier. Sie betreibt heute drei Bienen-Apotheken in Sendling, Miesbach und am Candidplatz.

Ursprünglich hatte Grintz mit anderen prominenten Apothekern aus München einen zentralen Einkauf auf die Beine stellen wollen, doch als die Filialisierung erlaubt wurde, verloren die Partner das Interesse. So übernahm Grintz den bereits gegründeten Firmenmantel und widmete ihn um zur eigenen Systemzentrale.



So begann das Ausschwärmen. Einen Experten für Gewerbeimmobilien an Bord, konnten sich die Bienen zahlreiche Standorte sichern. Die Systemzentrale schließt seit 2007 Verträge mit allen möglichen Dienstleistern, unterstützt bei Verhandlungen mit dem Großhandel und Herstellern und liefert Marktanalysen und Marketingkonzepte. Hartnäckig hält sich seit Jahren das Gerücht, Phoenix sei bei den Bienen-Apotheken mehr als nur Top-Lieferant.

In Sachen „innovative Lieferkonzepte“ hat Grintz schon den ein oder anderen Vorstoß unternommen. Der geplante Beratungsbus blieb zwar in der Garage, doch bei dem Bestelldienst Ordermed hatte sich Grintz gleich zu Beginn den Gebietsschutz für ganz München gesichert. Amazon wäre der nächste Schritt in diese Richtung.

Auch andere Apotheker haben bereits Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert. Ob sich ein Expressdienst mit Arzneimitteln allerdings tatsächlich wirtschaftlich lohnt, wird angesichts der geringen Margen bezweifelt. Die Versandapotheke Aponeo hat in Berlin finanziell nicht die besten Erfahrung mit dem Lieferservice an einem Tag gemacht. Gespräche mit Amazon hat Inhaber Konstantin Primbas schon vor drei Jahren abgesagt, auch der Webshop beim Internetriesen ist aus seiner Sicht nicht allzu lukrativ.

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