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Interview Michael Grintz (Bienen-Apotheke)

„Ich bin zu Amazon gegangen“

Berlin - Michael Grintz ist der erste Apotheker, der mit Amazon Prime Now zusammenarbeitet. Kunden können online OTC-Arzneimittel vorbestellen, Grintz konfektioniert in seiner Bienen-Apotheke die Sendung, ein Amazon-Fahrer liefert aus – alles innerhalb einer Stunde. Mit APOTHEKE ADHOC sprach Grintz über seine Rolle im System, den Vorwurf seiner Kollegen und wie er mit Amazon Geld verdienen will.

ADHOC: Sie sind der Amazon-Apotheker. Stolz?
GRINTZ: Es ist ja nicht so, dass Amazon mich angerufen und gefragt hat, ob ich mitmachen möchte. Deswegen ärgere ich mich ein bisschen über den Vorwurf, ich sei der Steigbügelhalter. Als vor 18 Monaten bekannt wurde, dass Amazon mit Prime Now nach Deutschland kommt, habe ich aktiv gefragt, ob es Interesse an der Zusammenarbeit mit einer Münchener Apotheke gibt. Seitdem liefen die Gespräche. Die räumliche Nähe hat das Ganze begünstigt: Mit meiner Bienen-Apotheke in der Parkstadt-Schwabing bin ich gewissermaßen Nachbar vom Deutschlandsitz von Amazon.

ADHOC: Können Sie verstehen, dass Kollegen unwohl bei dem Gedanken ist?
GRINTZ: Das ist ein ganz seriöses Geschäft. Ich mache nichts anderes, als jede andere Apotheke auch, nur eben konsequenter umgesetzt mit einem großen Partner. Logistik und Marketing auf diesem Level könnte ich alleine nie erreichen.

ADHOC: Dafür bezahlen Sie Amazon. Wird pauschal abgerechnet oder umsatzabhängig?
GRINTZ: Ich nutze den Lieferservice von Amazon und dafür zahle ich eine Gebühr. Wie sich diese berechnet, ist vertraglich geregelt. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich das nicht öffentlich breit trete. Wichtig für mich: Jeder einzelne Umsatz ist für mich wirtschaftlich. Denn in der Preisgestaltung bin ich komplett frei. Und ich biete ganz normale „Münchener Apothekenpreise“, genau wie in meiner Offizin.

ADHOC: Und Sie glauben nicht, dass Amazon irgendwann lieber eine Discount-Apotheke als Partner haben möchte oder Ihnen die Liefergebühren aufdrückt?
GRINTZ: Das weiß ich nicht. Wenn so etwas kommen würde, wäre ich eben nicht mehr Prime-Apotheke.

ADHOC: Hat Amazon auch nach Rx-Arzneimitteln gefragt?
GRINTZ: Das stand nie zur Diskussion. In der „Prime Now“-Logik wäre das heute technisch gar nicht darstellbar. Solange das E-Rezept nicht kommt, wird das nicht möglich sein. Ich habe nur 15 Minuten Zeit. Das klingt immer so dramatisch, aber ehrlich: Wer lässt einen Kunden in der Apotheke eine Viertelstunde warten? Die Konfektionierung der Ware ist nichts anderes.

ADHOC: Das kommt auf den Umfang an.
GRINTZ: Und der kann von Amazon gesteuert werden. Wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt etwa nicht genug Fahrer frei sind, kann man Prime Now vorübergehend nicht nutzen. Auch ich kann den Kundenstrom drosseln. Das Bestellfenster ist dann einfach geschlossen.

ADHOC: Und wie viele Bestellungen hatten Sie bislang?
GRINTZ: Dazu möchte ich keine Angaben machen. Aber die Entwicklung ist erfreulich. Wir haben das Ganze gestern Abend um 19 Uhr freigeschaltet. Zwischen 19 und 20 Uhr sind die ersten Bestellungen eingegangen.

ADHOC: Wie muss man sich die Abwicklung in Ihrer Apotheke logistisch vorstellen?
GRINTZ: Wir betreiben seit Jahren Versandhandel, im Grunde ist das nichts anderes. Die Bestellung kommt über die App auf einem mobilen Endgerät an. Wir können auf diesem Weg auch direkt mit dem Kunden kommunizieren, sei es über Wechselwirkungen oder weil ein Produkt nicht oder nicht in der gewünschten Menge vorrätig ist. Wenn es keine Rückfragen gibt, konfektioniert ein geschulter Mitarbeiter die Ware und bestätigt in der App, dass die richtigen Produkte in der Tüte sind. Zählen dazu apothekenpflichtige Arzneimittel, wird die Sendung auf jeden Fall von einem Apotheker kontrolliert und freigegeben. Dann wird die Tüte ins Abholregal gelegt.

ADHOC: Wie viele Abholplätze haben Sie?
GRINTZ: Im Moment acht, ich kann im Regal aber natürlich beliebig viele Felder als „Abholplatz“ definieren. Ich weiß noch nicht, was genau auf mich zukommt.

ADHOC: Wird die Tüte übergeben oder hat der Amazon-Fahrer Zugriff auf das Regal?
GRINTZ: Das Abholregal ist in der Anlieferzone im Backoffice der Apotheke. Der Fahrer weiß, dass zum Beispiel in Abholfach A3 eine Tüte für ihn liegt.·Er scannt das Fach und die Tüte. Stimmt alles überein, liefert er die Tüte aus. Natürlich ist immer ein Mitarbeiter der Apotheke zugegen und datenschutzrechtlich alles so organisiert, dass der Fahrer keinen Einblick in Rezepte oder ähnliches hat. Sie müssen sich das vorstellen wie eine DHL-Retoure.

ADHOC: Amazon schreibt, die Kunden könnten sich zu ihrer Bestellung auch in den 15 Bienen-Apotheken vor Ort beraten lassen. Aber Prime Now läuft nur über Ihre Apotheke am Laimer Platz, richtig?
GRINTZ: Wenn jemand mit einer Frage zu einem Arzneimittel in eine Apotheke kommt – ob Bienen-Apotheke oder nicht –, wäre es doch ungeschickt, ihm zu sagen: Gehen Sie mal dahin, wo Sie das bestellt haben. Die Bienen-Apotheken profitieren, weil Amazon-Kunden auf sie aufmerksam gemacht werden. Aber es stimmt, dass es bei den Bestellungen eine gewisse Zentralisierung gibt. Ob das Ganze künftig auf mehrere Apotheken ausgeweitet wird, weiß ich nicht. Die Entscheidung liegt bei Amazon.

ADHOC: Sie haben keinen Gebietsschutz?
GRINTZ: Es gibt keine Exklusivität. Theoretisch kann das jede Apotheke versuchen. Aber es ist logisch, dass Amazon nicht mit 1000 Apotheken zusammenarbeiten möchte. Bei mir gab es übrigens schon acht Anfragen, wie man da mitmacht, darunter eine Apothekenkooperation. Und bevor Sie fragen, den Namen werde ich nicht nennen. Voraussetzung für einen Start ist aber sowieso, dass Amazon in der Region Prime Now anbietet. Und das ist derzeit nur in München und Berlin der Fall.

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