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Spahn will mit Apothekern diskutieren

Berlin - Beim diesjährigen Deutschen Apothekertag (DAT) will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) das große Geheimnis lüften. Wie geht es weiter mit dem im Koalitionsvertrag zugesagten Rx-Versandverbot? Mehr noch: Spahn will nicht nur „von der Kanzel“ verkünden, sondern auch mit den DAT-Delegierten über seine Pläne diskutieren. Den Detmolder Apotheker Gunnar Müller ließ Spahn wissen, dass er bereit ist, Fragen zu beantworten.

Müller von den Basisapothekern in Westfalen-Lippe hatte zuvor an Spahn eine E-Mail mit der Bitte geschrieben, trotz des engen Zeitfensters für seine Stippvisite beim DAT doch etwas Zeit für eine Aussprache mit den Delegierten zu reservieren. Daraufhin meldete sich Spahn Ministerbüro telefonisch in der Detmolder Sonnen-Apotheke. Schließlich ist Spahn bekannt dafür, dass er nicht nur über Social Media auf viele Anfragen reagiert. Ein Mitarbeiter Spahns teilte mit, dass Spahn bereit sei, auch Fragen zu beantworten – innerhalb des von der veranstaltenden ABDA vorgegebenen Formates. Lange Zeit war laut ABDA nicht klar, ob es Spahn überhaupt zur DAT-Eröffnung am 10. Oktober nach München schaffen würde. Mittwochvormittags kommt in Berlin das Kabinett zusammen.

„Da die bislang am Eröffnungstag des diesjährigen DAT vorgesehene politische Diskussionsrunde aus bekannten Gründen möglicherweise nicht zustande kommen wird, schlagen wir vor, diesen Tagesordnungspunkt sowie die Bereitschaft von Minister Spahn, sich Fragen zu stellen, zu nutzen und die Voraussetzungen dafür – insbesondere für die Delegierten – zu schaffen, Fragen an Herrn Minister zu stellen – innerhalb des von ihm zur Verfügung gestellten Zeitfensters“, schrieb jetzt Müller an ABDA-Präsident Friedemann Schmidt.

Das sollte wohl möglich sein, bricht die ABDA beim diesjährigen DAT sowieso mit den traditionellen Ritualen der Eröffnung: Die sonst üblichen Grußworte fallen aus. Weder Münchens Bürgermeister Dieter Reiter noch Bayern Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) werden zur Begrüßung zu den DAT-Delegierten sprechen. Gerade Humls Auftritt wäre wenige Tage vor der bayerischen Landtagswahl am 14. Oktober von Interesse gewesen. Schließlich beteuert die Ministerin, dass sie und die Bayerische Staatsregierung anders als Spahn ohne Einschränkung hinter dem Rx-Versandverbot steht.

Im jetzt veröffentlichten Interview mit der Apotheken Umschau sagte Spahn, dass er fairen Wettbewerb einem Rx-Versandverbot vorziehen: „Es kann doch nicht sein“, sagte Spahn der Umschau, „dass Apotheken, die aus dem EU-Ausland rezeptpflichtige Medikamente nach Deutschland versenden, Rabatte geben können und nicht an die deutsche Arzneimittelpreisverordnung gebunden sind. Ich halte deshalb das Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2016, das diesen Versandhandel möglich macht, im Ansatz für falsch. Aber wir müssen jetzt damit umgehen.“ Seine konkreten Pläne offenbart Spahn auch der Umschau noch nicht, betont jedoch: „Ich möchte alles versuchen, um einen fairen Wettbewerb herzustellen. Wenn das nicht gelingt, nehmen wir ein generelles Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Medikamente in den Blick.“

Einer Forderung des GKV-Spitzenverbands, das Fremd- und Mehrbesitzverbot aufzuheben und damit in Deutschland Apothekenketten zu erlauben, erteilt Spahn eine klare Absage: „Das ist absolut kein Thema! Die Apotheke vor Ort bleibt wichtiger Bestandteil unserer Versorgung. Und das verträgt sich nicht mit Investoren, die nur nach der Rendite schauen. Genauso wie der Hausarzt ist der Apotheker vor Ort Teil von Heimat. Darauf können wir nicht verzichten.“

Deutlich mehr Tempo fordert Spahn von der Gesundheitsbranche beim Thema Digitalisierung: „Genauso wie den Ärzten sage ich auch den Apothekern: Die Digitalisierung können wir nicht aufhalten. Entweder wir gestalten den digitalen Wandel, oder wir erleiden ihn. Bürger, Versicherte, Patienten wollen zurecht digitale Angebote, weil sie das Leben leichter machen – auch in Gesundheitsfragen.“ Spahn sieht die Gefahr, deutsche Qualitätsstandards könnten verloren gehen: „Wir können diese Angebote im Rahmen unserer Strukturen entwickeln, mit unserer Idee von Datensicherheit und von Qualität. Sonst kommen sie eben aus China, aus den USA oder Israel. Ich möchte, dass das aus Deutschland kommt und unsere Ärzte und Apotheker das aktiv mitgestalten.“

Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH) begrüßte Spahns Aussagen zur öffentlichen Apotheke in der aktuellen Apotheken Umschau. „Die Apotheke vor Ort ist auch in Zukunft für eine flächendeckende und wohnortnahe Arzneimittelversorgung nicht wegzudenken“, so Jörg Wieczorek, Vorsitzender des BAH. Zurecht brächten daher 70 Prozent der Bevölkerung den Apothekern ein hohes Vertrauen entgegen – so das Ergebnis einer repräsentativen Befragung des BAH-Gesundheitsmonitors.

Unerlässlich sei es zudem, die Arzneimittelversorgung angesichts der soziodemografischen Veränderungen weiterzuentwickeln. Von besonderer Bedeutung sei hierbei die Selbstmedikation mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln. Die Apothekenpflicht gewährleistet laut Wieczorek die fachkundige Beratung von Patienten durch den Apotheker: „Gerade in Zeiten des zunehmenden Ärztemangels sollten wir die Kompetenz der Apotheker stärker nutzen. Dazu gehört auch, ihre gesellschaftliche Rolle als heilberufliche Berater und Lotsen im Gesundheitswesen zu verfestigen. Weitere Entlassungen von Arzneimitteln – beispielsweise zur Behandlung von Heuschnupfen oder Migräne – aus der Verschreibungs- in die Apothekenpflicht sind dafür ein wichtiger Beitrag.“

Im Hinblick auf die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes, wonach ausländische Versandapotheken nicht an die für deutsche Apotheken geltende Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln gebunden sind, hofft Wieczorek auf eine baldige praktikable Lösung. In diesem Sinne fordert er, wieder gleiche Preise für alle Marktbeteiligten zu ermöglichen: „Die Gleichpreisigkeit für verschreibungspflichtige Arzneimittel ist absolut notwendig, damit für alle Apotheken, Krankenkassen und Verbraucher dieselben Rahmenbedingungen gelten. Nur so sichern wir die Apotheken vor Ort. Die Politik muss jetzt handeln.“

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