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Lieferengpässe

Ibuprofen: BASF fällt bis Jahresende aus

Berlin - Der Engpass bei Ibuprofen wird wohl schlimmer als gedacht. BASF, einer von sechs Rohstofflieferanten weltweit, kann nach eigener Einschätzung voraussichtlich erst Ende des Jahres seine Produktion wieder aufnehmen. Eigentlich sollte die Anlage in Texas nach dem Ausfall Anfang Juni bereits im September wieder ans Netz gehen.

Die Reparatur der BASF-Anlage im texanischen Bishop zog sich länger hin als angenommen. Die Arbeiten, die in direktem Zusammenhang mit der Abstellung im Juni stehen, seien mittlerweile abgeschlossen, sagt ein Konzernsprecher. Seitdem habe man „bedeutende Fortschritte bei der Inspektion und Reparatur der Anlage gemacht“. Grund für den Produktionsstopp war ein technischer Fehler: Ein Bauteil, das für den Ablauf des Produktionsprozesses wichtig ist, war reparaturbedürftig.

Die Anlage wieder in Betrieb zu nehmen und die Kunden mit Ibuprofen zu beliefern, habe „höchste Priorität“. Doch mit der Reparatur ist es laut BASF nicht getan. Die Fabrik soll noch „gründlich“ inspiziert werden. Ziel sei es, „künftig eine sichere und zuverlässige Belieferung unserer Kunden sicherzustellen“, so der Sprecher. „Wir setzen höchste Priorität auf eine sichere und zuverlässige Produktion von Ibuprofen, insbesondere in einem Markt, der eine stabile und kontinuierliche Produktion von hochwertigen Wirkstoffen erfordert.“

Der Konzern hat ein Spezialkommando eingestellt, das jede Ecke der Fabrik unter die Lupe nehmen soll: „Zum jetzigen Zeitpunkt hat unser Projektteam am Standort einen bedeutenden Teil der Anlage überprüft, zu der insgesamt 25 Kilometer Rohrleitungen und über 150 Geräte und Bauteile gehören“, sagt der Sprecher. „Wir erwarten, die Inspektion der Anlage Ende September abschließen zu können.“

Aufgrund der ausführlichen Kontrolle verschiebt sich der Termin der Wiederinbetriebnahme jedoch deutlich. Erst nach Abschluss der Inspektion will BASF konkretere Angaben zur Wiederaufnahme der Produktion machen und einen definitiven Zeitplan vorlegen. „Nach unserer jetzigen Einschätzung gehen wir davon aus, dass wir Ende 2018 mit dem Anfahren unserer Ibuprofen-Anlage beginnen werden“, kündigt der Sprecher an.

Während der Betrieb in Texas ruht, erweitert BASF eigenen Angaben zufolge auch die Produktion. „Diese können wir erst in Betrieb nehmen sobald unsere reguläre Ibuprofen-Produktion wieder angefahren ist.“ Die neuen Kapazitäten sollen helfen, die gestiegene Nachfrage nach Ibuprofen zu bedienen. Wie viel Wirkstoff in Texas hergestellt wird, will BASF nicht kommentieren. Mit kleinen Ausnahmen wurden alle Juni-Lieferungen laut Konzernsprecher erfüllt. Die restlichen Vorräte wurden anteilig an Kunden „in einer angemessenen Art und Weise vergeben“.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Chemiekonzern beschlossen, die Kapazitäten in Bishop zu erweitern, um die wachsende Nachfrage nach dem Wirkstoff bedienen zu können. Eigentlich sollte die erweiterte Anlage in Texas im ersten Quartal die Produktion aufnehmen. In welcher Größenordnung sich der Ausfall auf den deutschen Markt auswirkt, ist bislang nicht bekannt. In Ludwigshafen selbst kann die Produktionslücke nicht geschlossen werden, weil die hier geplante erste World-Scale-Produktionsanlage für Ibuprofen in Europa erst 2021 den Betrieb aufnehmen soll.

BASF produziert Ibuprofen seit September 1992 in Bishop, Texas. Der Standort war schon im vergangenen August von Produktionsausfällen betroffen, deren Folgen hierzulande während der Grippesaison 2017/18 zu spüren waren. Grund dafür war der Hurricane „Harvey”, der zu Stromausfällen und in deren Folge dann zu den Produktionsausfällen führte. Das Werk ist mit einer Kapazität von 5000 Tonnen pro Jahr einer der führenden Produzenten von Ibuprofen weltweit. Rund ein Sechstel des globalen Bedarfs kommt aus Bishop, wo der Wirkstoff seit September 1992 hergestellt wird.

Die anderen fünf Ibuprofen-Produzenten des Wirkstoffes (Active Pharmaceutical Ingredient, API) für den Weltmarkt sind derzeit Hubei Granules-Biocause und Shandong Xinhua aus China, Solara und IOLPC aus Indien sowie SI Group aus den USA. Die Marktanteile sind annähernd gleich verteilt, was für die Auslastung der gesamten Kapazitäten spricht. Jede der sechs Fabriken produziert zwischen 10 und 20 Prozent des gesamten Weltmarkts.

BASF ist nicht der erste Ibuprofen-Lieferant, bei dem die Produktionsstrecken über längere Zeit stillstehen. 2012 gingen bei Albemarle im Werk in Orangeburg, South Carolina, aufgrund eines Stromausfalls die Lichter komplett aus. Am Standort, an dem 300 Mitarbeiter beschäftigt sind und der jährlich rund 5200 Tonnen Ibuprofen liefert, musste in der Folge die Elektrizität umfassend erneuert werden. Später lag die Produktion noch zweimal kurzfristig wegen Bränden still. Seit 2014 gehört die Fabrik zur SI Group, die gerade vom Finanzinvestor SK Capital Partners übernommen wurde und im zweiten Halbjahr mit Addivant fusioniert werden soll.

In China sind die Hersteller derzeit mit neuen Umweltauflagen konfrontiert. Hubei Granules-Biocause, ein Joint Venture des chinesischen Herstellers Biocause und des indischen Konkurrenten Granules, betreibt seit 2007 im zentralchinesischen Jingmen eine Fabrik mit einer Kapazität von rund 4800 Tonnen Ibuprofen pro Jahr. Für das laufende Jahr sind alle Kapazitäten vergeben, erst 2019 werden wieder Bestellungen angenommen.

Shadong Xinhua betreibt in Zibo im Nordosten des Landes eine Fabrik, in der 190 Mitarbeiter ausschließlich Ibuprofen herstellen. Die gesamte Produktion vor 3000 Tonnen pro Jahr wird allerdings in die USA verkauft – der chinesische Hersteller hatte sich für das Werk 2003 mit dem US-Konzern Perrigo zusammengetan, der seinerseits als Lohnhersteller zahlreiche Pharmafirmen mit fertigen Produkten beliefert.

Die beiden größten Werke für Ibuprofen finden sich in Indien: Die im Jahr 2000 errichtete Fabrik von IOLPC findet sich in Barnala an der Grenze zu Pakistan. Das Werk liefert seit 2007 für den Weltmarkt und kommt nach einer Erweiterung der Kapazitäten aktuell auf 6200 Tonnen pro Jahr.

Das Werk von Solara in Puducherry, südöstlich von Bangalore, wurde bereits 1986 eröffnet und kommt ebenfalls auf rund 6000 Tonnen. Der ursprüngliche Lohnhersteller Shasun ging 2015 im Generikahersteller Strides auf. Im vergangenen Jahr wurde das Geschäft mit pharmazeutischen Ausgangsstoffen unter neuem Namen ausgegründet.

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