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Datenskandal

Vitabook schließt sich Facebook-Boykott an

„Es reicht“, lässt sich Vitabook-CEO Markus Bönig zitieren. Sein Unternehmen tut es großen Konzernen gleich und beendet sein Engagement auf Facebook.Foto: APOTHEKE ADHOC

Berlin - Vitabook zieht Konsequenzen aus dem Datenskandal um Facebook und löscht sein Profil. Das Digitalunternehmen aus dem niedersächsischen Jesteburg tut es damit einer wachsenden Zahl großer Konzerne gleich, die sich von den umstrittenen Praktiken des sozialen Netzwerks distanzieren wollen.

„Es reicht“, lässt sich Firmenchef Markus Bönig zitieren. Der Schutz persönlicher Daten sei für das Unternehmen „ein unumstößliches Gebot“. Deshalb habe man sich zum Boykott von Facebook entschieden. „Mit diesem Schritt geht Vitabook weiter als andere Unternehmen“, heißt es in einer Mitteilung, denn es „kehrt Facebook endgültig den Rücken“.

Bönig teilt die Meinung von EU-Justizkommissarin Vera Jourová, dass der Skandal „ein Weckruf für uns alle sein sollte“. Letztlich gehe es „um die Grundfeste unserer Demokratie“. Vitabooks eigenes Geschäftsmodell ist auf das Vertrauen der Kunden in die Sicherheit ihrer Daten angewiesen: Das Unternehmen wirbt explizit damit, dass man die volle Kontrolle über die eigenen Gesundheitsdaten habe, die man auf ein digitalen Konto sammeln und organisieren kann.

Vitabook schließt sich damit vielen Großunternehmen von Autohersteller Tesla, über den Firefox-Konzern Mozilla bis zur Commerzbank an. Der Lautsprecherhersteller Sonos hat angekündigt, eine Woche lang weder auf Facebook, noch auf Google, Instagram oder Twitter werben zu wollen. Aus Sicht vieler Marketingexperten nutzen die Konzerne damit die Chance, die sich durch den Skandal bietet, um sich von Facebook unabhängiger zu machen.

Viele Unternehmen seien äußerst unzufrieden mit den Bedingungen, unter denen sie ihre Werbung auf Facebook platzieren können, zögerten jedoch bisher aufgrund der Marktmacht des Netzwerks, Konsequenzen daraus zu ziehen. Dabei sorgt insbesondere die Intransparenz des Internetriesen für Unmut: Er stelle den Werbetreibenden kaum verlässliche Informationen zu Kontext und Wirksamkeit der Anzeigen zur Verfügung.

Der Skandal kam ins Rollen, nachdem bekannt wurde, dass sich die Firma Cambridge Analytica unerlaubten Zugang zu privaten Daten von rund 50 Millionen Facebook-Profilen verschafft hatte und diese für den Präsidentschaftswahlkampf von Donald Trump nutzte. Mit zögerlichem und umstrittenem Krisenmanagement hatte die Facebook-Führung die Kritik in der Folge noch befeuert.

Unternehmensboykotte treffen Facebook an einer empfindlichen Stelle, denn rund 98 Prozent der Konzernumsätze werden durch den Verkauf von Werbeplätzen generiert. Dem Wall Street Journal zufolge versucht der Konzern nun hinter den Kulissen, Großkunden zu beruhigen und ihnen zu versichern, dass die Daten ihrer Kunden sicher seien.

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