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Medikationsplan

Vitabook: Ärzte sollen Apotheker aktivieren

Berlin - Markus Bönig mischt im Apothekenmarkt seit Jahren mit. 2011 hat der Unternehmer das Bestellportal Ordermed vorgestellt, zwei Jahre später folgten seine „elektronische Medikationskarte“ sowie Aponow und „Klick A“. Jetzt will der Kaufmann einen ganzheitlichen Ansatz anbieten. Vitabook heißt das neue Projekt, das dank E-Health-Gesetz zum Durchbruch werden soll: Die Apotheken sollen den Service finanzieren und so Ärzte und Kunden an sich binden.

Mit dem E-Health-Gesetz sollen Versicherte ab 2016 Anspruch auf einen Medikationsplan erhalten, wenn sie mindestens drei Arzneimittel gleichzeitig verordnet bekommen. Bönig findet den Ansatz gut; seiner Meinung nach haben die Ärzte aber nicht genügend Kapazitäten, um die Aufgabe alleine zu meistern. Er will daher über Vitabook die Apotheker ins Spiel bringen.

Ein zentraler Bestandteil des Portals ist der Medikationsplan. Ärzte verteilen einen Fragebogen, den der Patient oder der Apotheker ausfüllen sollen. „Um einen vernünftigen Medikationsplan hinzubekommen, geht es nicht ohne den Patienten“, sagt Bönig. Die Analyse von Wechselwirkungen sollen Pharmazeuten übernehmen: „Wir wollen den Apotheker mit seinem pharmazeutischen Sachverstand zwischen Arzt und Patient“, sagt Bönig. Für den Check nutzt Vitabook die ifap-Datenbank des Softwarekonzerns CompuGroup Medical (CGM). Das Ergebnis wird in Vitabook hinterlegt und kann auch ausgedruckt werden.

„Mediziner sollen die Plattform nutzen, um den Medikationsplan des Patienten überprüfen und bei den Krankenkassen abrechnen zu können“, sagt Bönig. Die Apotheker, für die im Gesetz keine Rolle und damit keine Vergütung vorgesehen ist, sollen dank Vitabook nicht nur ihren Aufwand minimieren, sondern auch die Kunden binden können.



Über die Plattform sollen Patienten nämlich nicht nur ihren Medikationsplan verwalten können, sondern auch Arzttermine vereinbaren und Überweisungen anfordern können. Außerdem werden sie an die Einnahme der Medikamente sowie das nächste Folgerezept erinnert – das dann auf Wunsch direkt in die jeweilige Stammapotheke geht.

Für 99 Euro im Monat kann eine Apotheke zwölf Monate lang bei Vitabook, Ordermed, Medikationskarte und Aponow mitmachen. Außerdem werden eine monatliche Support-Gebühr von 19 Euro sowie ein Packungs-Transaktionspreis von 50 Cent für Rx-Arzneimittel fällig. Für bis zu vier Apotheken kostet das Angebot 199 Euro monatlich. Die Support-Gebühr beträgt 39 Euro. Bei beiden Verträgen wird eine einmalige Gebühr von 499 Euro fällig.

Vitabook ist für Mediziner kostenfrei. Die Ärztenetzwerke finanzieren laut Bönig beispielsweise Marketingunterlagen, Flyer, Aufkleber und Karten. „Die Finanzierung ist fair auf beide Heilberufe verteilt“, findet Bönig.



Vitabook ist seit Februar auf dem Markt. Seitdem tourt Bönig durch Deutschland und stellt das Konzept bei Medizinern, Ärztenetzwerken, Kliniken und Apotheken vor. Er versteht das Angebot als „Gesundheitskonto des Patienten“. Bei Vitabook können außerdem Dokumente wie Befunde und Röntgenbilder, Unverträglichkeiten und Resistenzen sowie der Impfstatus gespeichert werden. Außerdem gibt es einen Bereich, der die Notfalldaten enthält; diese können per QR-Code ausgelesen werden.

In der Plattform sind laut Bönig alle deutsche Praxen und Apotheken hinterlegt. Auf die Daten hätten nur der Patient sowie die von ihm legitimierten Heilberufler Zugriff, so Bönig. Patienten können laut Bönig auch ihre Versichertenkarte mit Vitabook verknüpfen: Versicherungs- und Versichertenummer sind die Login-Daten. Um die Marke Vitabook bekannt zu machen, werden blaue Aufkleber verteilt, die auf die Karte geklebt werden sollen.

Im Oktober will Bönig mit drei Ärztenetzwerken starten. Die Namen will er noch nicht verraten. Bisher wurden mit 17 Kliniken Verträge abgeschlossen. Für Krankenhäuser bietet Bönig auch einen sogenannten Implantatausweis an, der die gesetzlich geforderten Angaben zum Hersteller und verantwortlichen Arzt sowie Röntgenbilder und den Entlass-Brief enthält. Die Daten können ebenfalls bei Vitabook hinterlegt werden.



Formal ist das Projekt bei der Firma Ordermed angesiedelt und mit den Leistungen des Bestellportals vernetzt. Derzeit machen 500 Apotheken mit. An dem Unternehmen mit Sitz in Buchholz in der Nordheide sind neben Bönig die Vermögensverwaltung 7x7invest sowie Privatpersonen wie der Rechtsanwalt Dr. Frank Ochsendorf aus Hamburg oder der Unternehmensberater und Theologe Ehrenfried Conta Gromberg beteiligt. Ordermed beschäftigt 21 Mitarbeiter.

Insgesamt wurden über zwei Millionen Euro investiert. Das Portal wird vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWI), dem Innovationszentrum Niedersachsen, dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium sowie dem Niedersächsisches Zentrum für Biomedizintechnik, Implantatforschung und Entwicklung (NIFE) gefördert.

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