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Machon: Kräuterlikör und Easy-Apotheke

Berlin - Weil seine neue Easy-Apotheke nicht zur bayerischen Standespolitik passte, legte Apotheker Christian Machon Ende März seinen Vorstandsposten in der Bayerischen Landesapothekerkammer (BLAK) nieder. Als Vorbild dient ihm Kammerpräsident Thomas Benkert gleichwohl: Machon hat jetzt seinen eigenen Kräuterlikör „Birkwild“ kreiert. Auf die Idee gebracht habe ihn Benkert, der früher zu Weihnachten einen Kräuterlikör unter anderem an Politiker verschenkt habe. Das will Machon demnächst auch tun.

„Das war eine coole Idee“, so Machon. Es sei doch gut, wenn man als Apotheker zu besonderen Anlässen etwas aus der eigenen Apotheke verschenken könne. Auch CSU-Politikerin Dorothee Bär, Bundestagsabgeordnete seines Wahlkreises, habe schon eine Flasche Kräuterlikör von Benkert erhalten. Jetzt kam Bär zur Präsentation des Birkwild-Kräuterlikörs von Machon. Den 35-prozentigen Likör hat der Apotheker aber nicht alleine gemixt. Seit vielen Jahren verbindet den Apotheker aus Hendungen eine enge Freundschaft mit dem Brenner und Edelbrandsommelier Mathias Gerstner aus Trappstadt. Im bürgerlichen Beruf ist Gerstner eigentlich Banker. Nebenher betreibt der Geldmanager aber noch ein Feinkostgeschäft.

Im Jahr 2014 wurde der Gedanke geboren, einen hochwertigen Kräuterlikör auf Biobasis zu entwickeln. Ein Jahr später starteten die beiden mit den ersten Versuchen. „Alles Handarbeit“, so Machon. Zusammen mit der Kräuterpädagogin Evi Treuting wurden verschiedene Kräuter ausgewählt, die sich im Likör wieder finden sollten. Vorrangig im Naturschutzgebiet Altenburg im östlichen Landkreis Rhön-Grabfeld wurden die Pflanzen handverlesen und getrocknet. 52 verschiedene Kräuter, Wurzeln, Beeren und Gewürze werden im „Birkwild“ gemixt: Tannenspitzen, Kamille, Schlüsselblume, Lindenblüten und Brennesselblüten gehören unter anderem zur Mixtur.

Das Kräuterbrauen dauert seine Zeit: „74 Tage braucht die Produktion“ so Machon. Das Hobby fordert die Macher. Machon: „Alle paar Wochen kommen wir zusammen und setzen die nächste Produktion an.“ 400 Flaschen wurden inzwischen hergestellt. Und die Nachfrage in der Region ist groß, seit Birkwild auf regionalen Handwerkermessen vorgestellt wurde. 26,50 Euro kostet der halbe Liter.

Namensgeber ist das Birkhuhn. Davon gibt es nur noch sehr wenige Exemplare in Deutschland. „Die Rhön ist eines der letzten außeralpinen Gebiete, in denen das Birkhuhn beheimatet ist“, so Machon. Derzeit gebe es dort kaum mehr als 25 Tiere dieser Art im Unesco-Biosphärenreservat. Heute gilt die Rhöner Population als akut vom Aussterben bedroht. Der Birkwild-Likör soll auf die seltenen Tiere aufmerksam machen.

Ins Kreuzfeuer der Kritik war Machon zuletzt wegen der Eröffnung einer Easy-Apotheke in Bad Neustadt/Saale geraten. Es folgten Diskussionen, ob sich das immer noch vorhandene Discountimage für einen Kammervorstand geziemt. Schließlich zog Machon die Konsequenzen und legte sein Amt als Kammervorstand im Frühjahr nieder.

Im unterfränkischen Unsleben betreibt Machon mit der Kreuz-Apotheke und in Mellrichstadt mit der Hainberg-Apotheke zwei klassische Apotheken. Die Easy-Apotheke am neuen Standort begründete der Apotheker so: „Das passt hier hin.“ 20 Meter entfernt liegt ein Kaufland-Supermarkt und gleich neben ihm ein Sportgeschäft mit großer Babyabteilung. Außerdem habe ihm bei der Größe der Apotheke die Zusammenarbeit mit Easy die Gründung erleichtert. Seine dritte Apotheke ist 300 Quadratmeter groß. „Mit der Kooperation im Rücken war die Ausstattung der Apotheker sehr viel einfacher zu stemmen“, so Machon damals.

Als freier Apothekeninhaber treffe er täglich wirtschaftliche Entscheidungen, rechtfertigte sich Machon in einem Brief an die Kammer. Die Freiheit, neben seinen beiden Apotheken eine weitere zu eröffnen und sich in dieser Beschränkungen einer Kooperation zu unterwerfen, gehöre für ihn dazu. Seine Entscheidungen basierten auf der Situation vor Ort.

Nicht beabsichtigte habe er damit, die politische Arbeit der BLAK zu erschweren und eventuell Werbeträger einer Firma oder einer wirtschaftlichen Organisation zu werden. Machon war seit 2010 im Vorstand der Apothekerkammer tätig und ist auch in der bayerischen Kommunalpolitik kein Unbekannter. Der Apotheker ist Mitglied in der CSU und pflegt ein gutes Verhältnis zu Bär. Die Abgeordnete ist derzeit parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, mit Ambitionen auf noch einflussreichere Posten. Auch zur SPD-Arzneimittelexpertin Sabine Dittmar hat Machon gut Kontakte.

Seine Kreuz-Apotheke liegt im nördlichen Bayern im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld in kleinen Unsleben. Der Ort zählt nur rund 950 Einwohner. Damit betreibt Macho womöglich gemessen an der Einwohnerzahl die kleinste Apotheke in Deutschland. Machon ist tief verwurzelt mit seinem Heimatort. Die Kreuz-Apotheke hat er nach seinem Studium in Würzburg und der Promotion 2003 von seinem Vater übernommen. Er beschäftigt dort fünf Mitarbeiter. In Unsleben ist Machon ein vertrautes Gesicht. Das liege auch daran, dass seine Mutter früher als Bürgermeisterin der Gemeinde tätig war. 2007 erweiterte Machon und übernahm in Mellrichstadt die Hainberg-Apotheke, die er seit 2015 als Hauptapotheke führt.

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