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Interview Dr. Thomas Trümper (Phagro)

„Diese Übernahme wird Auswirkungen haben“

Berlin - Die Übernahme von Ebert+Jacobi durch die Noweda verschiebt die Machtverhältnisse im Pharmagroßhandel. Vor allem die privaten Großhändler müssen sich jetzt neu sortieren. APOTHEKE ADHOC sprach mit dem Phagro-Vorsitzenden Dr. Thomas Trümper über die Folgen für den Markt, mögliche Auswirkungen auf die Apotheken und warum auch die Politik die Zeichen der Zeit erkennen sollte.

ADHOC: Wie bewerten Sie die Übernahme von Ebert+Jacobi?
TRÜMPER: Zunächst finde ich nicht ganz unwesentlich, dass von solchen Übernahmen immer die Mitarbeiter der Unternehmen mit ihren Familien betroffen sind. Das sollte man nie vergessen. Bei Familienunternehmen ist es den Verantwortlichen meist besonders wichtig, dass alles in geordneten Bahnen verläuft. Ralph-D. Schüller bleibt zumindest für einige Zeit Geschäftsführer und auch die Mitarbeiter erhalten meines Wissens eine Beschäftigungsgarantie. Da ist wohl eine Lösung gefunden worden und das beruhigt.

ADHOC: Und was bedeutet die Übernahme für den Markt?
TRÜMPER: Es stimmt einen schon nachdenklich, wenn mit von der Linde, Kapferer und nun Ebert+Jacobi die drei größten privaten Großhändler ihr Geschäft veräußern. In Diskussionen mit Apothekern höre ich oft, die Großhändler hätten andere Einnahmen oder irgendwelche „schwarzen Kassen“, so dass die gesamte Marge eigentlich an die Apotheke weitergegeben werden könne. Diese drei Fälle zeigen, dass es nicht so ist.

ADHOC: Sind die Apotheker Schuld?
TRÜMPER: Ich hoffe, dass von dieser Entwicklung ein Signal in den Markt geht, dass man den Großhandel nicht überfordern darf. Und gleichzeitig ein Signal an die Politik: Ist wirklich alles so geregelt, dass der Markt funktionieren kann.

ADHOC: Sie reden vom Oligopol?
TRÜMPER: Ein deutlicher Konzentrationsprozess ist wahrnehmbar. Wenn alle drei genannten Firmen einen Marktanteil von 2 bis 3 Prozent hatten, ist das zusammengenommen schon ein relevanter Teil. Ich möchte mir kein Urteil erlauben, ob eine Konsolidierung sinnvoll ist oder nicht, aber sie wird Auswirkungen haben.

ADHOC: Auswirkungen auf die Apotheken?
TRÜMPER: Wie in den anderen Fällen übernimmt eine Genossenschaft das Geschäft. Deshalb glaube ich nicht, dass es negative Auswirkungen auf die Apotheken haben wird.

ADHOC: Wäre das anders, wenn Phoenix, Gehe oder Alliance eingestiegen wären?
TRÜMPER: So war das nicht gemeint. Genossenschaften sind ein Garant, dass sie im Sinne der Apotheken handeln. Das sollte und kann man jedoch von allen erwarten, jeder im Markt achtet den Kunden. Bedenklicher ist die Entwicklung für den Wettbewerb: Je weniger Handelnde es gibt, um so mehr muss man sich um den Wettbewerb sorgen.

ADHOC: Glauben Sie, dass der private Großhandel noch eine Zukunft hat?
TRÜMPER: Das kann ich nicht beurteilen. Aber der Marktanteil ist mit 7 Prozent immer noch relevant. Umso wichtiger wird es für die Beteiligten, gemeinsam zu handeln, wie sie es in der in der Vergangenheit getan haben. Grundsätzlich können sich auch Firmen in einer Nische am Markt behaupten.

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