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Von 14 auf 5 Tage

Diskussion über kürzere Quarantänezeiten

Aktuell wird diskutiert, ob die momentan empfohlenen Quarantänezeiten zu lang sind.Foto:Cryptographer/shutterstock.com

Berlin - Wie lange soll ein Mensch im Zusammenhang mit dem Coronavirus zuhause bleiben? In der Diskussion dazu geht vieles drunter und drüber. Zuletzt präzisierte der Berliner Virologe Professor Dr. Christian Drosten seine Vorschläge für den Umgang mit Corona-Infizierten und Verdachtsfällen.

In der letzten Ausgabe des NDR Podcasts berichtete Drosten über den Umgang mit Quellclustern. „Ich empfehle hier das Vorgehen wie bei der Einzelisolation: Fünf Tage Isolierung, danach Testung.“ Er empfehle die kurze Zeit von fünf Tagen, weil in Quellclustern die meisten Infizierten zu einem einzigen Zeitpunkt infiziert worden seien. In die Diskussion um die Verkürzung der Quarantäne- und Isolationsfristen kommt nach seinem Vorschlag des viel Bewegung.

Isolierung, Quarantäne, Cluster

Die Begriffe gehen manchmal durcheinander und werden nicht immer richtig verwendet. Eine Isolierung oder Isolation betrifft nach Angaben des Gesundheitsministeriums Menschen, die infiziert sind und das Virus ausscheiden. Quarantäne hingegen bezieht sich demnach auf diejenigen, die Kontakt zu Infizierten hatten - und möglicherweise infiziert sind. Mit der Quarantäne soll vermieden werden, dass sie während der Inkubationszeit ungewollt andere Menschen anstecken. Cluster sind bestimmte Gruppen von Menschen, in denen sich viele Leute mit dem Virus infiziert haben könnten. Das kann beispielsweise bei Familienfesten und in Unternehmen der Fall sein.

Der Ansatz von Christian Drosten

Drosten hat einen Vorschlag zu dem Thema gemacht. Für infizierte Patienten empfiehlt er Folgendes: „Ab dem Zeitpunkt der Diagnose geht der Patient noch fünf Tage in Heimisolierung. Dann erfolgt eine Testung und bei niedriger Viruslast eine Aufhebung der Isolierung.“ Dies gelte natürlich nur bei milden Fällen mit geringem Risiko der Verschlechterung. Bei einem bloßen Verdacht auf eine Infektion, also wenn jemand keine Symptome hat und noch nicht getestet wurde, sieht die Sache anders aus. „Hier macht man 14 Tage Quarantäne und wartet auf die Entwicklung von Symptomen“, sagt Drosten.

Derzeit laufe auf EU-Ebene eine Diskussion, ob man diesen Zeitraum auch auf zehn Tage reduzieren könne. „Ich denke, das geht. Ich kann mir auch vorstellen, dass man sogar noch ein paar Tage weiter reduzieren kann, zum Beispiel auf sieben Tage. Man kann ausrechnen, welchen Anteil derjenigen Personen, deren Infektion während der 14-tägigen Quarantäne ausbricht, man dann verpasst. Wie viele verpasste Infektionen man zulassen will, ist eine politische Entscheidung. Denn man kann nicht jede Infektion verhindern und muss es aus epidemiologischen Gesichtspunkten auch nicht, wenn nur das Ziel ist, die exponentielle Ausbreitung zu unterbinden“, sagte Drosten.

Auch andere Wissenschaftler befürworten eine Verkürzung der Quarantäne. „Ja, ich bin ebenfalls der Meinung, dass die Quarantänezeit deutlich kürzer als 14 Tage sein darf und sollte. Wie lange genau hängt davon ab, wieviel Sicherheits- bzw. Gewissheits-Bedürfnis die Behörden haben“, sagt Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Das gelte aber nur für asymptomatische Kontaktpersonen.

Aktuelle Regelungen

Das RKI verweist auf seine Website. Demnach kommt es bei einer Covid-19-Infektion auf die Schwere des Krankheitsverlaufs an. Bei einem schweren Krankheitsverlauf können die Kranken nach mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit und frühestens zehn Tage nach Symptombeginn aus der Isolierung entlassen werden – wenn zusätzlich ein negativer PCR-Test vorliegt. Bei leichten Verläufen braucht es den negativen PCR-Test nicht, sondern die Kranken können nach 48 symptomfreien Stunden und frühestens zehn Tagen wieder unter Menschen. Und bei einer Infektion ohne Symptome soll die Isolierung frühestens zehn Tage nach Erstnachweis des Erregers aufgehoben werden. Anders sind die Regeln bei einer Quarantäne. Die wird angeordnet, weil jemand ansteckungsverdächtig ist, ohne selber krank oder krankheitsverdächtig zu sein. Dabei empfiehlt das RKI, 14 Tage lang Zuhause zu bleiben.

Quarantänezeit aus Sicht der Politik

Die Bundesregierung hält sich derzeit noch bedeckt. Ihr Sprecher Steffen Seibert verwies am Freitag darauf, dass für die Regierung derzeit die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) gelten. Wenn es wegen neuer Erkenntnisse neue Empfehlungen gebe, würden diese auch vom RKI ausgehen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist offen für Überlegungen, die Quarantäne in Corona-Verdachtsfällen von derzeit 14 Tagen zu verkürzen. Auch die gesundheitspolitischen Sprecherinnen der SPD-, FDP- und Grünenfraktion plädierten für eine Verkürzung der häuslichen Absonderung.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Christine Aschenberg-Dugnus, sprach sich ebenfalls für eine lediglich fünftägige Quarantäne aus. Damit erhöhe man die Akzeptanz in der Bevölkerung und entziehe „zugleich den Verschwörungstheoretikern und Corona-Leugnern den Boden“, sagte sie der „Welt“. Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche sagte: „Für die breite Masse der Bevölkerung kann es sinnvoll sein, bei Verdacht auf einen Kontakt mit einer infizierten Person zunächst in eine verkürzte Quarantäne zu gehen und diese mit einem negativen Test abzuschließen.“

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Karin Maag, verwies auf eine Prüfung zu dem Thema: Bund und Länder hätten das Bundesgesundheitsministerium und das Robert Koch-Institut (RKI) damit beauftragt, „die vorhandene Studienlage zur Quarantäne auszuwerten – und dann im Austausch mit den europäischen Partnern einen Bericht vorzulegen“. Auf dieser Basis werde dann entschieden, ob eine verkürzte Quarantäne angeraten werden könne.

Nach Ansicht des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder muss die Frage nach der Quarantäne-Dauer bei Corona-Verdachtsfällen muss nach Ansicht von der Wissenschaft beantwortet werden. „Entscheidend sind gesicherte medizinische Erkenntnisse“, sagte der CSU-Chef am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in München. Die bayerische Staatsregierung führe intensive Gespräche mit Virologen in Bayern. „Damit wollen wir uns langfristig auf die Gefährdungslage im Herbst vorbereiten und die Teststrategie flexibel weiterentwickeln.“ Er sei grundsätzlich dafür, den Kurs größtmöglicher Vorsicht beizubehalten. „Wir wägen immer ab, sagen aber klar: in Bayern gilt Safety first.“

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