Nachtdienstgedanken

Wo bleiben die Erkälteten?

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Berlin -

Der Herbst steht vor der Tür – auch wenn die letzten warmen Tage einen anderen Eindruck erwecken. Dennoch hat Sarah Sonntag in diesem Notdienst wenig zu tun. Während sich in den vergangenen Jahren um diese Zeit bereits viele erkältete Kunden in der Apotheke tummelten, bleiben diese bisher aus. Der Apothekerin bereitet das Kopfzerbrechen.

Husten, Schnupfen, Halsschmerzen – wer kann das schon brauchen?! Wenn wir ehrlich sind – niemand. „Naja, außer vielleicht die Apotheke“, meint Fantaschale Max zu Sarah. Denn wenn die Umsätze der Erkältungssaison wegbrechen, kann das gravierende Auswirkungen haben. Schließlich lebt die Apotheke unter anderem von der Erkältungssaison.

„In den vergangenen Wochen ist es tageweile extrem ruhig gewesen“, berichtet Sarah. Trotz der vorübergehend kalten Tage blieb der Ansturm aus. Einerseits freut sie sich natürlich über die Gesundheit der Menschen. Doch es wäre gelogen zu sagen, dass es ihr keine Sorgen bereitet. „Das Geschäft mit Erkältungspräparaten macht normalerweise viel Umsatz – vor allem nach der alljährigen Flaute im Sommerloch.“

Doch in diesem Jahr ist alles anders. Corona hat die Apothekenwelt ganz schön aufgemischt. Es gab Phasen, in denen der Andrang so extrem war, dass Überstunden an der Tagesordnung standen – weit über das normale Pensum hinaus. Danach folgte vielerorts ein Trauerspiel: Die Offizin blieb leer, die Menschen zu Hause.

Mittlerweile hat sich das Geschäft wieder etwas eingependelt und zumindest teilweise zur Normalität zurückgefunden. Doch eins fällt in den vergangenen Wochen zunehmend auf: Die Erkälteten fehlen! „Ist ja klar, Maskenpflicht und Hygienemaßnahmen schützen nun mal nicht nur vor Corona, sondern auch vor allen anderen Erregern“, meint Sarah.

Als vor ein paar Tagen ein Kunde nach Halsschmerztabletten fragte, musste Sarah kurz auf die Suche gehen. Denn die Ware stand noch nicht wie üblich in den Regalen, die normalerweise bereits auf die Erkältungssaison ausgerichtet sind. Auch die Bevorratung hat in diesem Jahr nicht wie üblich stattgefunden. „Ich war fast ein bisschen überrascht über den Kundenwunsch“, gesteht sie. „Die Erkältungskunden kann ich bisher an beiden Händen abzählen.“

„Bleibt abzuwarten was uns in den kommenden Monaten erwartet“, meint die Apothekerin nachdenklich. „Entweder es bleibt so ruhig – oder aber wir bekommen die volle Breitseite mit Erkältung, zweiter Corona-Welle und Grippesaison auf einmal ab.“ So oder so – die Apotheken halten die Stellung und versuchen sich irgendwie auf das Unvorhersehbare vorzubereiten.

 

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