Repetitorium Neuroleptika

Clozapin: Rauchstopp unter Aufsicht

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Berlin -

Alkohol und Zigaretten sind die wohl am häufigsten konsumierten Suchtmittel. Wer beispielsweise mit dem Rauchen aufhören will, sollte auf seine Dauermedikation achten. Denn der Plasmaspiegel von einigen Arzneimitteln wie Clozapin kann bei einem Rauchstopp ansteigen und Nebenwirkungen verursachen.

Fall: Eine junge Frau möchte Nikotinpflaster kaufen. Den guten Vorsatz mit dem Rauchen aufzuhören, habe sie bisher gut durchgehalten. Jetzt fühlt sie sich aber seit einigen Tagen doch unruhig, klagt über Schwindel und Schläfrigkeit. Sie vermutet einen Nikotinentzug und möchte die Beschwerden lindern.

Da die Frau an Schizophrenie erkrankt ist, besteht ihre Dauermedikation seit einem Jahr unter anderem aus dem Neuroleptikum Clozapin. Ihr aktueller Gesundheitszustand habe sich erst einige Wochen nach dem Rauchstopp eingestellt.

Analyse: Die Plasmakonzentration von einigen Arzneistoffen – wie zum Beispiel Clozapin – ist bei Rauchern geringer als bei Nichtrauchern. Rauchen beschleunigt den Abbau des Neuroleptikums. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) wie Benzo(a)pyren aus dem Tabakteer induzieren Cytochrom-P450 und das Isoenzym CYP1A2. Clozapin wird fast ausschließlich über die Leber abgebaut – hauptsächlich über CYP1A2. Wahrscheinlich genügen bereits sieben bis zwölf Zigaretten pro Tag, um eine maximale Enzyminduktion zu erreichen.

Die Anregung des Isoenzyms klingt jedoch nicht sofort mit dem Absetzten des Zigarettenkonsums ab, sondern erst nach mehreren Wochen bis Monaten. Wer über einen langen Zeitraum geraucht hat, hat erst nach einiger Zeit mit einer erhöhten Plasmakonzentration von bis zu 70 Prozent von Clozapin zu rechnen.

Wird CYP1A2 nicht mehr durch PAK aktiviert, verlängert sich die Eliminationshalbwertszeit des Neuroleptikums. Mit steigender Konzentration des Wirkstoffs verstärken sich auch die Nebenwirkungen. Patienten beschreiben vor allem eine Sedierung und motorische Unruhe. Es kann eine Intoxikation durch den Rauchstopp auftreten. Zusätzliche Symptome können Lethargie, Halluzinationen, verschwommenes Sehen, Tachykardie oder Atemdepression sein.

Clozapin ist der erste Vertreter der atypischen Neuroleptika und dient der Behandlung therapieresistenter Psychosen. Vor allem bei Schizophrenie kommt es zum Einsatz, wenn andere Therapien nicht ansprachen oder nicht vertragen wurden. Die Dosis ist individuell einzustellen. Dabei sollten die Patienten die niedrigste therapeutisch wirksame Menge an Arzneistoff erhalten. Das Medikament wird zu Beginn der Therapie eingeschlichen bis die therapeutische Dosis erreicht ist. Vor Therapiebeginn sollte das Blutbild der Patienten kontrolliert werden, da Clozapin eine Agranulozytose verursachen kann. Auch Herzerkrankungen sollten vor einer Behandlung ausgeschlossen werden. Soll die Therapie beendet werden, ist die Wirkstoffmenge schrittweise zu reduzieren.

Die antipsychotische Substanz unterscheidet sich von den klassischen Neuroleptika. Der Wirkstoff wirkt bevorzugt auf den D4-Rezeptor und hat nur eine geringe Affinität zu anderen Dopaminrezeptoren. Clozapin besitzt starke anti-alpha-adrenerge, anticholinerge, antiserotinerge und antihistaminerge Eigenschaften. Die Substanz wirkt sowohl gegen die Plus- wie auch die Minus-Symptomatik der Schizophrenie und verursacht weniger extrapyramidale Reaktionen als die klassischen Neuroleptika.

Kommunikation: Die Kundin ist an ihren behandelnden Arzt zu verweisen. In Eigenregie sollte die Behandlung von Clozapin nicht weiter in dem gewohnten Rahmen stattfinden. Der Wirkstoff muss in Rücksprache mit dem Arzt angepasst werden. Eine schwerwiegende Intoxikation kann sonst die Folge sein. Dann muss die Patientin umgehend eine Magenspülung erhalten oder mit Aktivkohle behandelt werden. Atmung und Herz-Kreislauf-System müssen in diesem Fall überwacht werden.

Therapie: Da nur PAK die Enzyminduktion beeinflussen und nicht Nikotin, ist eine Nikotinersatztherapie nicht notwendig und würde die Beschwerden nicht lindern. Die Patientin muss Rücksprache mit dem Arzt halten und die Clozapin-Dosis reduzieren. Unter medizinischer Aufsicht sollte die Tagesdosierung während vier Tagen um etwa 10 Prozent reduziert werden. Innerhalb einer Woche ist eine Verringerung der Clozapin-Einnahme um etwa 40 Prozent zu erreichen.

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