Neue Retax-Welle

Rezeptur-Retax: „Kassen wollen Apotheken schaden“

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Berlin -

Die Retaxation von hergestellten Fiebersäften in der Apotheke Hulb in Böblingen war kein Einzelfall, andere Apotheken melden ähnliche Fälle. Dr. Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands (DAV), spricht von einer regelrechten Retaxwelle.

„Es ist schon wirklich ein perfides Spiel, das die Krankenkassen da betreiben“, so Hubmann. Dabei sei es gerade der Sparwahn der Kassen, der für die Engpässe bei Fiebersäften verantwortlich sei. „Da wir unsere kleinen Patientinnen und Patienten und deren Eltern inmitten einer Erkältungswelle nicht unversorgt nach Hause gehen lassen wollten, haben wir die Fiebersäfte oft selbst hergestellt – und damit Kindern und Eltern schnell und umkompliziert weitergeholfen. Monate später erreichen uns nun Briefe, insbesondere der IKK Classic, in denen Beträge in Höhe von 20 oder 30 Euro nicht ausgezahlt werden können, weil wir vergessen haben ein Kreuz zu setzen oder die Dosierung nicht richtig angegeben haben“, so Hubmann.

Für ihn ist klar: „Dieses Verhalten beweist nicht nur, wie weit weg die Kassen-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter von der täglichen Versorgung sind. Es zeigt auch, wie wenig Menschlichkeit und Wertschätzung in den rund 100 Krankenkassen dieses Landes vorhanden ist.“

Hubmann hofft, dass der Bundestag nun ein Verbot von Nullretaxationen ins Lieferengpass-Gesetz (ALBVVG) schreibt: „Schon während unseres Protesttages haben wir auf die Absurdität der Nullretaxationen hingewiesen und sind damit bei einigen Politikerinnen und Politiker auf Verständnis gestoßen. Das aktuelle Beispiel der Fiebersaft-Retax-Welle aus dem IKK-Lager hilft uns bei unserer Argumentation ein gutes Stück weiter: Denn jede:r vernünftige Gesundheitspolitiker:in erkennt, dass es hier nicht mehr um eine anständige, gute Versorgung geht, sondern nur darum, den Apotheken zu schaden.“

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