Pharmahandelskonzerne

Pinger bittet Aktionäre um Geduld

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Stuttgart -

Schlechte Zahlen, schlechtes Image, keine Innovationen: Auf der Hauptversammlung von Celesio in Stuttgart herrscht allgemeine Ernüchterung. Mit den Fehlern des alten Managements wird zur Stunde abgerechnet, aber auch dem neuen Konzernchef Markus Pinger und seinen Vorstandkollegen bläst eiskalter Wind entgegen. Die möglichen Umzugspläne wurden ebenso kritisch aufgenommen wie die Dienstwagen der Vorstände und die Kontrollfunktion des von Großaktionär Haniel kontrollierten Aufsichtsrates. Pinger bat die Aktionäre um langen Atem bei der Restrukturierung des Konzerns: 2012 gehe es vor allem darum, die negative Ertragsentwicklung zu stoppen, erst danach könnten die neuen Apotheken- und Logistikkonzepte getestet und in die breite Praxis eingeführt werden.

 

Bis 2007 sei der Konzern 20 Jahre lang kontinuierlich gewachsen; danach habe sich die Entwicklung aber in das Gegenteil verkehrt, so Pinger. Das Vorsteuerergebnis habe sich seitdem mehr als halbiert, insgesamt hätten Firmenwerte in Höhe von fast 700 Millionen Euro abgeschrieben werden müssen. Allzu oft hätten die erwarteten Gewinne nach unten revidiert werden müssen. „Alle Versuche, jenseits des Kerngeschäfts zu wachsen, führten nicht zum Erfolg.“

Pinger will deshalb das Kerngeschäft wieder in den Vordergrund stellen. Insbesondere der Aufbau eines europäischen Apothekennetzwerks sei „nicht von heute auf morgen“ zu bewerkstelligen. Langfristig habe dieses „strategische Schlüsselprojekt“ aber große Chancen und Innovationskraft: Im Vergleich zum Kauf oder der Neueröffnung von Apotheken müsse Celesio weniger Geld investieren; daher sei dies ein Konzept für profitables Wachstum. Auch die regionale Expansion in aussichtsreiche Wachstumsmärkte habe in den kommenden Jahren einen festen Platz auf der Wachstumsagenda.

 

 

„Wir haben viel noch Arbeit vor uns, um die Ergebnisentwicklung kurzfristig zu stabilisieren und langfristig wieder profitables Wachstum zu erreichen“, so Pinger. „Es wird kein leichter Weg sein und es werden weitere Herausforderungen auf uns warten. Um diese zu bewältigen, braucht dieses Unternehmen Ruhe und auch die notwendige Zeit.“

Die geplanten Verkaufsprozesse seien „in der Summe sehr komplex und beanspruchend“ – zumal man im Interesse der Unternehmen und ihrer Mitarbeiter die „richtigen Investoren“ finden wolle. „Deshalb wollen wir uns nicht unter Zeitdruck setzen.“ Man liege aber gut im Plan: Sowohl Movianto als auch Pharmexx und DocMorris sollen innerhalb der kommenden zwölf Monaten an den Mann gebracht werden.

Momentan geht Pinger davon aus, dass der Käufer der Versandapotheke auch die Marke kaufen will. Die Marke wird daher mit angeboten; für die übrigen Aktivitäten unter dem Namen DocMorris werden laut Pinger Lösungsansätze evaluiert. Die Rechte der Markenpartner sollen unberührt bleiben. In Kürze soll der Verkaufsprozess gestartet werden; strategische Investoren sollen ebenso in der Breite angesprochen werden wie Finanzinvestoren.

 

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