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Österreich

Apotheker und Konditor landen Überraschungserfolg

Berlin - Eigentlich war es nur ein kleines Vergnügen, das sich Apotheker Dr. Gerhard Falkensammer da gegönnt hat: Zusammen mit einem Freund hat er aus den Haustropfen seiner Apotheke Pralinen entwickelt und verkauft die nun in seiner Offizin. „Eigentlich ein ganz kleines Projekt“, wie er sagt. Doch die Kunden reißen ihm seine „FalKiss“ aus der Hand. Er hat unerwartet einen Hit gelandet.

Falkensammer tüftelt gern. „Es ist ein Hobby von mir, im Labor zu arbeiten“, sagt der Pharmazeut aus dem österreichischen Wels. Und das Hobby ist schon seit langem Teil seines Berufs: Schon seit 20 Jahren verkauft er in seiner Falken-Apotheke selbst gemischte Magentropfen, eine Bittertinktur mit 13 Inhaltsstoffen, am besten anzuwenden „bei Verdauungsproblemen vor oder nach der Mahlzeit und auf Reisen auch dann, wenn Sie nicht sicher sind, was Sie gegessen haben“, wie er auf seiner Apothekenseite erklärt.

Und manchmal findet zusammen, was zusammen gehört: Sein Freund Helmut Hipfl ist nämlich Konditor. „Ich habe mit ihm immer gern Pralinen gegossen. Irgendwann kamen wir auf die Idee, dass wir doch meine Haustropfen zu Pralinen machen könnten.“ Ganz so leicht war das dann aber doch nicht. Die ersten Testpralinen vermochten den Freundeskreis noch nicht zu verzaubern. „Die Tropfen sind doch schon sehr bitter“, erklärt Falkensammer. „Deshalb haben wir noch mehrere Monate getüftelt, bis wir die richtige Rezeptur gefunden hatten. Jetzt arbeiten wir mit einem Gramm Haustropfen pro Praline. Das ist gar nicht so wenig, die Bitternote kommt immer noch gut durch, ist aber nicht zu stark.“

Jetzt brauchten sie nur noch jemanden, der das Naschwerk in Menge produziert. Da kam Helmut Wenschitz ins Spiel, lokal bekannter Maître Chocolatier aus Allhaming. Er machte ein marktfähiges Produkt aus der Hobbyerfindung. Vor allem auf den Vertriebsweg legt er dabei Wert. „Ich habe den beiden geraten, den Verkauf vorerst auf Apotheken zu beschränken“, erzählte er einer lokalen Zeitung. „Denn Kunden haben zu Apothekern ein hohes Vertrauen, und der Slogan ,gesundes Naschen‘ gibt dem ganzen die richtige Bedeutung.“

Und der Slogan verfehlte seine Wirkung offensichtlich nicht – wohl nicht zuletzt auch deshalb, weil besagte Lokalzeitung über das Konfekt als „die gesündeste Praline der Welt“ berichtete. Und so wurde die Produkteinführung kurz vor Weihnachten auch zu einem unerwartet durchschlagenden Erfolg. „Wir hatten zur Vorstellung mit vielleicht zehn interessierten Besuchern gerechnet“, erzählt Falkensammer. „Am Ende waren es dann eher 30 bis 40.“

Und der Erfolg riss nach dem ersten Tag nicht ab. „Wir kommen kaum hinterher mit dem Einpacken, mittlerweile gehen mir die Verpackungen aus.“ Großes Marketing ist also gar nicht notwendig – trotzdem versucht Falkensammer nach eigenen Angaben „alles einzuhalten, was es an Vorgaben gibt“. Denn auch wenn die Schokopralinen eine gesunde Wirkung haben, sind sie kein Medizinprodukt. „So schreiben wir beispielsweise nicht Heilkräuter, sondern nur Kräuter.“ Und selbst der Begriff Magentropfen kommt gar nicht vor, offiziell ist nur die Rede von Haustropfen. „Eigentlich ist das für die Pralinen sogar ein Vorteil, denn so kann ich sie sogar ein bisschen bewerben.“

Erhältlich sind die Falkiss-Pralinen bisher nur in Falkensammers Apotheke und in Hipfls Backatelier, beide in Wels, zum Preis von 5,90 Euro. Ob das Projekt noch größer aufgezogen wird, ist noch offen. „Ich habe das nicht gemacht, um andere Apotheken hier in den Schatten zu stellen, sondern aus reiner Freude an dem Projekt“, betont Falkensammer. Und auch wenn es zeitlich eigentlich passen würde, hat er das Weihnachtsgeschäft mit seinen Pralinen gar nicht im Visier – ausgerechnet wegen des unerwarteten Erfolgs. „Ich muss erstmal warten, bis die neuen Verpackungen aus Deutschland kommen. Wahrscheinlich wird das vor Weihnachten sowieso nichts mehr.“

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