Impfzentrum mit Ärzt:innen gegründet

Apotheker: Boosterzentrum ist mein Plan B

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Berlin -

Apotheker:innen dürfen gegen Covid-19 impfen. Allerdings sind zahlreiche Fragen zur praktischen Umsetzung weiter offen. Roman Bastian ist ein geschulter Impf-Apotheker und bietet seinen Kund:innen Auffrischimpfungen an – in Kooperation mit zehn Ärzt:innen gründete er kurzerhand ein Boosterzentrum.

Bastian steht, was Covid-19-Impfungen in der Apotheke angeht, „in den Startlöchern“. Der Inhaber der Apotheke am Markt in Krefeld absolvierte die Schulung zur Grippeimpfung und könnte direkt loslegen. Denn wer einen entsprechenden Kurs belegt hat, darf theoretisch jetzt alle Menschen über 18 Jahren impfen – das Gesetz zur Stärkung der Impfprävention gegen Covid-19 wurde am Freitag von Bundestag und Bundesrat beschlossen und am Samstag im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Damit ist es bereits in Kraft.

Knapp 200 Impfungen am Sonntag

Da die Pandemie schnelles Handeln erfordert und die Schlangen vor den Impfzentren der Stadt lang sind, wollte Bastian nicht länger warten. Der Apotheker ging auf eine Arztpraxis zu und fragte, ob man nicht gemeinsam ein Boosterzentrum aufbauen wolle. Immer mehr solcher Einrichtungen entstehen auf private Initiative hin durch Apotheker:innen. Die Idee von Bastian kam gut an. Er fand mehrere praktizierende Ärzt:innen und Pensionär:innen, die mitmachen wollten. Die Räume waren die nächste Herausforderung. „Wir sind seitens der Stadt nicht gut unterstützt worden“, sagt er. „Das Rathaus nebenan steht leer.“ Aber man habe darauf verwiesen, dass die Stadt mit den beiden vorhandenen Impfzentren gut genug aufgestellt sei.

Doch vor den Impfstationen bildeten sich lange Warteschlangen, so der Apotheker. Wichtig sei ein niederschwelliges Angebot, dass etwa Senior:innen nicht erst mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Impfzentrum fahren müssten. Er bemühte sich, die freien Büroräume hinter seiner Apotheke zu mieten. Mit Erfolg. Zehn Tage nach der Idee wurden die ersten Patient:innen geimpft – am Samstag waren es 142 Menschen, am Sonntag 198. „Wir geben peu à peu mehr Termine frei.“

Auch zwischendurch gebe es genug freie Kapazitäten für Kurzentschlossene. „30 Prozent kommen im Vorbeigehen.“ Verimpft werden die Impfstoffe von Moderna und Biontech im Verhältnis 20:1. „Die Kontingentierung von Comirnaty macht uns auch Probleme.“ Deshalb erhielten alle Personen über 30 Jahren vor allem Spikevax. Zwar gebe es mitunter Diskussionen, aber „die meisten verstehen es.“ Wer seine Spritze erhalten habe, könne direkt das digitale Impfzertifikat mitnehmen.

Mangel an MFA

Roman ist für die Organisation und Logistik verantwortlich. Drei seiner Apothekenangestellten helfen mit und ziehen etwa die Spritzen auf. Geimpft wird durch eine von zehn Ärzt:innen. Dazu kommen zehn MFA, die etwa für die Anamnese zuständig seien. Da es zu wenig Fachpersonal gebe, habe das Zentrum einen Tag in der Woche geschlossen. Perspektivisch sollen auch Erst- und Zweitimpfungen angeboten werden. Mit dem Fokus auf Boosterimpfungen wolle man einerseits die Impfquote erhöhen und zudem kein Risiko eingehen, etwa dass jemand die Impfung schlecht vertrage.

Bastian ist auch in dieser Hinsicht geschult, beim Grippeimpfungs-Seminar war erste Hilfe ein Teil der Veranstaltung. Doch er hält sich zunächst noch zurück und kooperiert mit den Ärzt:innen. Mit dem am Samstag veröffentlichten „Gesetz zur Stärkung der Impfprävention gegen Covid-19“ sollen auch Apotheken sowie Tier- und Zahnärzt:innen impfen können. Die Bundesapothekerkammer (BAK) soll gemeinsam mit der Bundesärztekammer (BÄK) ein Muster-Curriculum für die erforderlichen Schulungen der Apotheker:innen erarbeiten.

Dem Vernehmen nach soll das Papier in dieser Woche vorliegen. „Verbindliche Aussagen“ ließen „sich zum jetzigen Zeitpunkt unsererseits noch nicht treffen“, sagt ein BÄK-Sprecher auf Anfrage. „Nachdem das Gesetz am 10. Dezember beschlossen wurde, wird sich die Bundesärztekammer ihren im Gesetz geforderten Aufgabenstellungen widmen.“ Die Abda hatte sich in ihrer Stellungnahme gewünscht, das Curriculum ohne BÄK entwickeln zu können, auch um den gesetzten Termin halten zu können. Immerhin: Man arbeite „unter Hochdruck“ an dem Curriculum, heißt es von der Abda.

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