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Ausbildungskosten

PTA-Schülerin: Drei Nebenjobs – und dann zur Uni

Berlin - Den Einstieg in die Apotheke hat sich Bianca Stadlmann* hart erkämpft. Ihre Familie war finanziell schlecht gestellt – die Tochter zur PTA-Ausbildung zu schicken, kam für die Eltern nicht infrage. Die Abiturientin fälschte die nötige Unterschrift und zeigte, dass sie sich selbst finanzieren kann – mit drei Nebenjobs. Und dann hängte sie sogar noch ein Pharmaziestudium dran, auch das war nur mit viel Fleiß möglich.

Wenn sich Stadlmann etwas in den Kopf setzt, ist sie nicht zu stoppen: „Seit ich zwölf Jahre alt bin, wollte ich Pharmazie studieren“, erinnert sie sich. Bereits während der Schule half sie in der Apotheke des Heimatortes aus. Da die Eltern sich intensiv um den kranken Bruder kümmern mussten, fand sie in der Offizin ein zweites Zuhause. „Der Apotheker hat sich damals um mich gekümmert.“

Nach dem Abitur wollte sie zunächst eine PTA-Ausbildung beginnen. Doch die Eltern hatten andere Pläne. Statt für Schulgeld aufkommen zu müssen, wünschten sie sich ihre Tochter als finanzielle Stütze. Doch Stadlmann gab nicht nach und fälschte bei den Aufnahmeunterlagen der PTA-Schule die elterliche Unterschrift. „Ich hatte keine andere Wahl.“ Der Schwindel sei erst aufgeflogen, als die Forderung des Schulgeldes per Post kam, sagt sie.

Mit drei Nebenjobs hielt sich Stadlmann während der Ausbildung über Wasser. 300 Mark waren für die Miete fällig, 250 für das Schulgeld. „Dienstags und samstags jobbte ich in einer Apotheke, schrieb Etiketten, fasste Tee ab und erledigte Botendienste.“ Am Wochenende half sie in einer Bäckerei einer Freundin aus, am Abend kellnerte sie. „Das war schon eine anstrengende Phase.“

* Name von der Redaktion geändert

Zum Lernen blieb nicht viel Zeit. Aber: „Aufgeben kommt für mich nicht in Frage“, sagt sie. Der Lehrstoff sei ihr nicht schwergefallen. Der Austausch mit Schulfreunden habe aber unter den Nebenjobs gelitten. „Es gab kaum freie Momente, um sich mit anderen zu treffen. Ich war sehr ruhig und kam bei den anderen glaube ich etwas seltsam rüber.“ Nach der Schule sei sie meist direkt in die Apotheke oder nach Hause zum Lernen gegangen.

Nach dem Abschluss war sie bis 2006 in Apotheken tätig. Ohne Nebenjob kam sie auch als ausgebildete Fachkraft nicht aus. „Ich habe damals mit 1148 Euro netto nicht viel verdient und deshalb weiter gekellnert“, sagt sie. Trotz Wechsel in eine andere Apotheke mit besserer Bezahlung entschloss sie sich 2008 zum Pharmaziestudium. „Ich musste solange warten, damit ich das elternunabhängige Bafög erhalte.“

Nebenher zur Uni stand sie dienstags und donnerstags in der Apotheke. „Ich bin an meine Grenzen gekommen, da mir die Zeit zum Lernen gefehlt hat.“ Dennoch meisterte Stadlmann ihr Studium zwei Semester unter der Regelstudienzeit. „Ich bin sehr ehrgeizig“, sagt die Approbierte, die heute Teilzeit in einer Apotheke arbeitet. Richtig still halten kann Stadlmann nicht – zusätzlich ist sie als Vertretungsapothekerin unterwegs und gibt Schulungen. „Die Zeit als PTA-Schülerin hat mich eben geprägt.“

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