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Parfümerieketten

Douglas als Kosmetikapotheke

Berlin - Duften, Schminken, Heilen: Die neue Douglas-Chefin Tina Müller will für die größte europäische Parfum- und Kosmetikkette jetzt das ganz große Rad drehen. In den Läden und Online-Shops soll die Gesundheit Einzug halten und zwar in Form von medizinischen Beauty-Marken, Dermokosmetik sowie Nahrungsergänzungsmitteln.

„Wir werden in Zukunft mehr ausprobieren“, verspricht Müller. Welche Marken am Ende in die Regale eingeräumt werden und inwiefern der Beratungsbedarf durch das Personal abgedeckt werden kann, ist bislang offen. Dass der Konzern auch vor apothekenexklusiver Kosmetik nicht halt macht, zeigte sich schon 2016: Damals hatte Douglas bereits Dermokosmetik des französischen Herstellers Pierre Fabre ins Sortiment genommen. Dass es bis heute bei Avène blieb, hängt laut Branchenkennern damit zusammen, dass keine Geschäftsbeziehungen mit L’Oréal oder Beiersdorf riskiert werden sollen. Mit Quickcap von Orthomol ist auch ein Nahrungsergänzungsmittel bei Douglas zu finden.

Zuletzt konnte der Konzern europaweit seine Umsätze auch durch Zukäufe auf 1,14 Milliarden Euro kräftig steigern (15 Prozent im ersten Quartal 17/18), aber in Deutschland läuft das Geschäft schleppend. Das will die ehemalige Marketingchefin von Opel mit einer neuen Produktphilosophie ändern: Weg vom Massenmarkt und von Rabattaktionen, hin zu Exklusivität und eine Einbindung von Kosmetik in den Healthcare-Bereich.

Neben den in den kommenden Monaten geplanten Veränderungen beim Logo, den Ladeninventaren und Fassaden will die gelernte BWL- und VWL-Frau noch mehr trendige Marken aus den USA bei Douglas positionieren. Darüber hinaus will Müller auch selbst Trendmarken entwickeln, allerdings auch hier im Luxussegment und nicht in der Kategorie der billigen Eigenmarke.

Die Schönheitskur für die über 2500 Läden und 17 Online-Shops startet in Deutschland Ende April, Anfang Mai. Dabei sollen Standortvorteile genutzt werden: Im feinen Hamburger Stadtteil Eppendorf soll das neue Format mit dermatologischer Hautpflege getestet werden, auf der Düsseldorfer Königsallee soll der Schwerpunkt auf Luxus- und Pflegeprodukten liegen und auf der Frankfurter Zeil auf Kosmetikbehandlungen.

Die Douglas-Chefin bekräftigt, dass die Restrukturierungen und Neuerungen auch der erfolgreichen Entwicklung der Drogerieketten dm und Rossmann geschuldet sind. Die haben ihre Kosmetik- und Gesundheitsproduktlinien in den vergangenen Jahren erfolgreich ausgebaut. Zusätzlich drängt mit der französischen Kette Sephora, einer Tochter des Luxuskonzerns LVMH (Dior, Louis Vuitton), ein neuer Wettbewerber auf den Markt, der vor allem bei jungen Kundinnen gut ankommt.

Und auch im Internet wächst die Konkurrenz. Neben bereits etablierten Händlern wie Parfumdreams und Flaconi will noch in diesem Monat der Online-Modehändler Zalando ins Beauty-Geschäft einsteigen. Der zunehmende Wettbewerb liegt laut der Unternehmensberatung A.T. Kearney am erwarteten Marktwachstum: Um 8 Prozent sollen die Umsätze pro Jahr steigen – getrieben durch Vorlieben der jungen Generation, der sogenannten Millennials.

Zu ihrer Lust, mehr auszuprobieren, gehören für Müller auch Überlegungen, in Berliner Filialen testweise einen Make-up-Service für Nachtschwärmer anzubieten. Ihre Experimentierfreude hatte sie auch schon Ende November angekündigt: Da standen für sie Flug- und Bahngäste im Mittelpunkt, denen man künftig entweder in einem Beauty-Waggon während der Zugfahrt oder im Lounge-Bereich am Flughafen beim Verschönern und Entspannen helfen wollte.

Umgesetzt ist davon noch nichts, jetzt startet erstmal die Restrukturierung der Stores und Online-Shops in Deutschland. Müller bringt ausreichend Branchenkenntnis aus dem Beautysegment mit, denn vor ihrer Opel-Zeit hat sie für L'Oréal, Wella und Henkel gearbeitet. Vor zwei Jahren war sie als Aufsichtsrat für Stada im Gespräch.

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