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Apotheken-EDV

Der Lauer-Fischer-Deal

Berlin

Die Übernahme des bislang apothekereigenen Softwareanbieters Lauer-Fischer durch die CompuGroup Medical ist ein markanter Einschnitt in den Markt: Der führende Anbieter von Arztsoftware in Deutschland sichert sich direkten Zugang zu den Apotheken. Für die CompuGroup ist der Deal folgerichtig, über die Beweggründe zum Verkauf auf Seiten des ARZ Haan kann vorerst nur spekuliert werden. Vermutlich war es der Preis.

Das Timing der Bekanntgabe war jedenfalls bezeichnend: Vorgestern am späten Nachmittag erschien die erste kurze Mitteilung, Nachfragen beim Softwarehaus wurden danach eher ausweichend beantwortet. Gestern war weder in der Lauer-Zentrale in Fürth noch in Haan jemand zu erreichen, in Bayern und NRW war Feiertag.

In der Branche wird darüber spekuliert, ob das ARZ den Erlös für die eigene Bilanz benötigte. Weil die Finanzbehörden eine Firmenwertabschreibung auf den 1998 gezahlten Kaufpreis von damals rund 80 Millionen D-Mark als zu hoch einstuften, muss das Unternehmen Steuern nachzahlen. Wie viel das ist, wird sich nach dem Urteil von Anfang des Jahres erst im Abschluss für 2011 zeigen.

Das ARZ dementiert solche Spekulationen entschieden: „Der Verkauf hat nichts mit dem Urteil des Finanzgerichts zu tun. Wir mussten Lauer-Fischer nicht verkaufen“, betonte ein Sprecher gegenüber APOTHEKE ADHOC. Man wolle sich vielmehr auf die Kernkompetenz Rezeptabrechnung konzentrieren, denn der Apothekenmarkt erodiere ohnehin. Allerdings sei auch der Kaufpreis interessant gewesen.

Das ist zurückhaltend ausgedrückt. Nach dem Deal ist das Rechenzentrum etwaigen finanziellen Sorgen fürs Erste enthoben: 52,5 Millionen Euro zahlt der neue Eigentümer für Lauer-Fischer, weitere 20 Millionen winken insgesamt in den kommenden beiden Jahren. Ein besseres Angebot - da ist sich die Branche sicher - hätte das Rechenzentrum nicht mehr erhalten. Verhandelt wurde seit 2007.


Dass der Kaufpreis hoch gegriffen ist, gab sogar CompuGroup-Finanzvorstand Christian Teig zu. Die Summe sei aber nötig gewesen, um den Deal abzuschließen, erklärte er gestern gegenüber Analysten. Und man habe sehr lange darauf hin gearbeitet, auch im Apothekenmarkt Fuß zu fassen. Eine Apothekensoftware sei für die Gruppe der letzte fehlende Link zur Marktabdeckung gewesen, so Teig. Insgesamt arbeiten 380.000 Ärzte, Zahnärzte und Kliniken mit der Software des Konzerns, der im vergangenen Jahr in Deutschland und im Ausland rund 312 Millionen Euro umsetzte.

Tatsächlich hatte CompuGroup schon vor Jahren mit dem Softwareanbieter Pharmatechnik verhandelt, aber Firmenchef Dr. Detlef Graessner wollte damals nicht verkaufen. Die Ironie dabei: Mit Hermann Schallenmüller ist heute ein ehemaliger Pharmatechnik-Mann bei der CompuGroup für den Vertrieb zuständig. Schallenmüller, der auch lange für die Münchener VSA tätig war, sagt aber, an dem Deal nur am Rande beteiligt gewesen zu sein. Fest steht, dass die neuen Besitzer mit ihm einen ausgewiesenen Fachmann im Bereich Apotheke haben.

Von der Vertikalisierung will die CompuGroup künftig profitieren: Der Konzern verspricht sich vor allem Synergieeffekte in der Softwareentwicklung. Komponenten aus der Praxissoftware seien ebenso wichtig und nützlich für Apotheken, sagte Teig. Konkrete Projekte sollen jetzt geprüft werden.

Mit rund 4000 Anwendern und einem Marktanteil von rund 20 Prozent sieht Teig Lauer-Fischer auf Augenhöhe mit den Konkurrenten Pharmatechnik und der Phoenix-Tochter ADG. Awinta liegt demnach mit rund 27 Prozent Marktanteil in Front. Unter neuer Führung will Lauer-Fischer jetzt aufs Gas treten. Allerdings werde man nicht bei den Marktführern, sondern vor allem bei kleineren Anbietern auf Kundenjagd gehen, kündigte Teig an. Ziel bei allen Beteiligungen sei immer ein zweistelliges Wachstum, der Apothekenmarkt biete derzeit sogar eine breitere Basis. Gerade im Bereich Homecare und Pflege sieht Teig großes Wachstumspotenzial für Apotheken in Deutschland.

Lauer-Fischer hatte im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 50 Millionen Euro und einen Gewinn vor Steuern von 6,2 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Gesamtumsatz von ARZ Haan lag bei 87,4 Millionen Euro, der Vorsteuergewinn bei 4,5 Millionen Euro. Nach Steuern stand ein Minus von 3,9 Millionen Euro; zusammen mit dem aufgelaufenen Verlustvortrag von 7,7 Millionen Euro führte dieser zu einer negativen Bilanzsumme von 11,6 Millionen Euro.

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