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Nahrungsergänzungsmittel

Zwei Apotheker produzieren für Veganer

Berlin - Vegane und vegetarische Lebensstile liegen im Trend, auch die Nachfrage in der Apotheke zu entsprechenden Präparaten ist hoch. Die Kunden sind oftmals sehr belesen und wünschen sich eine kompetente Beratung. Doch nicht immer sind Apothekenmitarbeiter umfassend informiert und manchmal fehlen auch entsprechende Produkte. Diese Nische entdeckten zwei Apotheker für sich: „Warum nicht selbst etwas anbieten?“, dachten sich Mario Ganster und Dr. Till Schumacher. Die Idee für die „Arzneimittelmanufaktur“ (AMM) war geboren.

Veganer und Vegetarier leiden oft an einem Vitamin B12-Mangel, da die Substanz in einer für den Menschen verfügbaren Form fast nur in tierischen Lebensmitteln vorkommt. Dies führt dazu, dass Betroffene mit Supplementen nachhelfen müssen. Aus dem Berufsalltag wissen Ganster und Schumacher, dass die Nachfrage nach passenden Präparaten hoch ist. „In der Apotheke fehlen hochwertige Vitamin B12-Präparate“, bemängelt Ganster, der zwei Apotheken in NRW betreibt. „Veganer wollen qualitativ hochwertige Produkte kaufen. Sie suchen zwar in der Apotheke, werden dort aber nicht fündig. Deshalb gehen sie dann zu Amazon“, so Ganster. Schumacher leitet eine seiner beiden Apotheken. Er ergänzt: „Die Ansprüche der Kunden ändern sich mit der Zeit. Als Apotheker muss man mitgehen, sonst verliert man.“

Als die Pharmazeuten gemerkt hatten, dass sie den Kunden nichts Adäquates anbieten konnten, hatten sie einen „Aha-Moment“: Hier mussten sie ansetzen und die Nische füllen. „Das erste Produkt ist als Rezeptur in der Apotheke entstanden“, erzählt Schumacher. Als dieses vegane Vitamin B12-Spray regen Zuspruch bei den Kunden erfahren hatte, gingen die Apotheker einen Schritt weiter. Sie gründeten die Firma „Arzneimittelmanufaktur“, die unabhängig von der Apotheke agieren sollte. Die AMM ist ein gemeinsames Projekt dreier: Schumacher, der klassische Pharmazeut, entwickelt die Produkte; Ganster übernimmt die kaufmännischen Aufgaben und pflegt die Kontakte zu Heilpraktikern sowie Ärzten. Hinzu kam Thomas Grimm, der Optik und Image der AMM aufbaute und sich um Marketing und Kommunikation kümmert.

Den Fokus der Produktpipeline haben die Apotheker auf Vitamin B12, Homocystein und Vitamin D gelegt. Das Motto laute: „Möglichst rein und immer ehrlich“. Denn die meistens Produkte seien vegan und enthielten so wenig Hilfsstoffe wie möglich. Wieso „ehrlich“? „Die Kunden wollen ehrliche Empfehlungen haben, sie suchen Ehrlichkeit. Als Apotheker ist man dafür prädestiniert“, sagt Ganster. Ehrlichkeit auch deshalb, weil nicht jeder Kunde Nahrungsergänzungsmittel (NEM) und damit ihr Produkt brauche. „Die Anwendung von NEM muss, ähnlich wie Medikamente, vorher bedacht werden.“ Nur dann seien sie sinnvoll.

Vitamin B12 ist wichtig für die Zellteilung und Blutbildung sowie die Funktion des Nervensystems. Ein Mangel kann zu Stimmungsschwankungen, Gedächtnisstörungen, Leistungsminderungen führen. Grund dafür sind nicht nur vegane und vegetarische Ernährung, sondern auch unter anderem Lebererkrankungen, Magenschleimhautentzündung, Schwangerschaft und Stillzeit. Aber auch medikamentös kann er induziert sein. Es ist bekannt, dass bei langfristiger Einnahme von Protonenpumpenhemmern oder Metformin zu einem B12-Mangel führen können.

Die bioaktiven Formen von Vitamin B12 sind Methylcobalamin und Adenosylcobalamin. Jede andere Form von Vitamin B12 kann der Körper nicht direkt aufnehmen, er muss sie vorher in verwertbaren Formen umwandeln. „Die gängigen Vitamin B12-Präparate sind qualitativ nicht gut“, moniert Schumacher. Ihm zufolge enthalten die auf dem Markt erhältlichen Produkte zu 98 Prozent Cyanocobalamin und zwei Prozent Hydroxocobalamin, das eine Vorstufe der biologisch aktiven Formen darstellt. Der Abbau der Cyano-Gruppe sei eine Herausforderung für den Körper, was mit einer Bildung von freien Radikalen einhergehe. „Bei unseren Produkten wird die aktive Form dem Organismus direkt zugeführt. Das ist ein Vorteil“, so Schumacher. Apotheken könnten einige der Produkte über den Großhändler Sanacorp beziehen.

Neben NEM wollen die beiden Apotheker künftig auch eine Kosmetikserie auf den Markt bringen. Derzeit befände sich diese in der Entwicklung. Ziel sei auch hier eine Zusammensetzung, die mit wenigen Hilfsstoffen auskomme und auf allergene Substanzen verzichte. Apotheker Ganster bezeichnet die seit 2016 bestehende Firma als Start-up. „Wir sind davon überzeugt, dass wir das Richtige tun“, kommentiert Schumacher.

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