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Interaktionen und Nebenwirkungen: Analgetika Teil 1

Auch bei diversen Schmerzmitteln sind Neben- und Wechselwirkungen stets zu beachten. Foto: APOTHEKE ADHOC

Berlin - Analgetika spielen in der Selbstmedikation und bei der Behandlung chronischer Schmerzen eine große Rolle. Die einzelnen Wirkstoffgruppen sind unterschiedlich gut für einzelne Schmerzarten geeignet. Jeder Arzneistoff hat seine ganz eigenen Neben- und Wechselwirkungen, einen Auszug derer behandelt dieser erste Teil. Im Teil 2 dreht sich alles um Kontraindikationen und die Missbrauchsrisiken.

Nebenwirkungen und Überdosierung

NSAID: Alle NSAID können gastrointestinale Beschwerden wie Magenschmerzen auslösen. Gerade bei ASS ist mit einer erhöhten Blutungsneigung zu rechnen, diese kann bis zu acht Tage nach Absetzen des Arzneimittels anhalten. Unter der Gabe von NSAID kann es ebenfalls zum Anstieg der Leberwerte kommen, insbesondere bei Diclofenac wurden Anstiege der Leberenzyme beobachtet. Bei dauerhafter Einnahme oder starken Überdosierungen können gastrointestinale Blutungen und Magenschleimhautentzündungen auftreten. Darüber hinaus können Hautausschläge und Urtikaria auftreten. Unter der Einnahme von COX-2-Hemmern wurden vermehrt kardiovaskuläre Ereignisse beobachtet.

Paracetamol: Das Analgetikum ist weitestgehend gut verträglich. Kommt es nach der Einnahme zu Symptomen wie Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Blässe, so können dies Anzeichen einer Überdosierung sein. Paracetamol darf seit mehreren Jahren nur noch in Packungsgrößen mit maximal zehn Gramm reinem Wirkstoff freiverkäuflich vertrieben werden. Das Analgetikum wurde vermehrt bei Suizid-Versuchen eingenommen. Ab einer Einnahme von mehr als zehn Gramm Paracetamol ist mit relevanten Leberschädigungen zu rechnen. Die Abgabe von mehreren Packungen sollte deshalb unterlassen werden. Bei einer starken Überdosierung kommt es zu Leberzellnekrosen und folglich zum Leberversagen. Als Antidot bei einer Vergiftung wird N-Acetylcystein (ACC) eingesetzt. Bei Kleinkindern liegt die letale Dosis mitunter schon bei einem Gramm Paracetamol.

Metamizol: Eine seltene, jedoch schwerwiegende Nebenwirkung von Metamizol ist die Agranulozytose. Aufgrund der hohen Verordnungszahlen (über 200 Millionen DDD im Jahre 2018) tritt die Nebenwirkung im relevanten Ausmaß auf. Das typische Symptom-Trias beinhaltet Fieber, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Patienten sollten bei der Verordnung darauf sensibilisiert werden.

Opiode: Diese Wirkstoffe besitzen ähnliche Nebenwirkungen: Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen, Mundtrockenheit und Appetitlosigkeit gehören zu den häufigsten gastrointestinalen Nebenwirkungen. Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schläfrigkeit, Verwirrung, Angst, Euphorie sowie Dysphorie gehören zu den häufigsten zentralen Nebenwirkungen. Darüber hinaus kann es zu Miosis, Atemdepression und Herz-Kreislauf Problematiken kommen. Bei einer dauerhaften Opiod-Einnahme kommt es zu einer Toleranzentwicklung, sodass Betroffene immer höhere Dosen zur Schmerzlinderung benötigen. Eine Möglichkeit diesen Teufelskreis zu durchbrechen ist die sogenannte Opioid-Rotation. Hierbei wechselt der behandelnde Arzt auf ein anderes Opioid. Um eine gleiche Wirkung zu erreichen, muss die bestehende Opioid-Medikation in Morphin-Äquivalente umgerechnet werden. Opiode besitzen zum Teil eine geringe therapeutische Breite, sodass Überdosierungen schnell zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen wie einem verlangsamten Herzschlag, flacher Atmung und allgemeiner Somnolenz führen können. Die Dosierung von Opioiden muss dem Alter angepasst werden. Zum besseren Verständnis können Apotheker und PTA die Priscus-Liste zu Hilfe nehmen.

Wechselwirkungen

NSAID: Alle Wirkstoffe dieser Art zeigen Wechselwirkungen mit anderen blutverdünnenden Stoffen wie Phenprocoumon (Marcumar) oder Rivaroxaban (Xarelto). Bestimmte Antidiabetika sollten nicht mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln kombiniert werden. Bei gleichzeitiger Einnahme von ASS mit Sufonylharnstoffen (Glibenclamid, Glimepirid) können Hypoglykämien entstehen. Bei gleichzeitiger Einnahme von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (Citalopram, Paroxetin, Fluoxetin, Sertralin) kann das allgemeine Blutungsrisiko steigen. NSAID können die Nephrotoxizität von Ciclosporin steigern. Tacrolimus kann durch NSAID aus der Plasmaeiweißbindung verdrängt werden. Die gleichzeitige Einnahme oraler Glukokortikoide steigert das Risiko gastrointestinaler Ulzera. Eine weitere wichtige Wechselwirkung ist der sogenannte Dreifachhammer: Wird ein ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Rezeptor-Subtyp-1-Antagonisten (AT1-Antagonisten) mit einem Diuretikum und einem NSAID kombiniert, so kann dies zu akutem Nierenversagen führen.

Paracetamol: Wird der Wirkstoff gleichzeitig mit Arzneimitteln eingenommen, die als Induktoren des Cytochrom-P450-Enzymystems wirken, so kann es verstärkt zur Bildung leberschädlicher Metaboliten kommen. Hierzu gehören beispielhaft Carbamazepin, Barbiturate und Alkohol. Die Ausscheidung von Paracetamol wird durch gleichzeitige Einnahme des Gichtmittels Probenecid gehemmt.

Metamizol: Für Pyrazolone wie Metamizol ist bekannt, dass sie mit oralen Antidiabetika, Calciumkanalblockern wie Captopril, Lithium, Methotrexat, Triamteren und Furosemid in Wechselwirkung treten.

Opiode: Die Opiod-Plasmakonzentration kann sich aufgrund von Wirkstoffinteraktionen auf Ebene der Cytochrom-P450-Enzyme (CYP) ändern. Durch CYP3A4-Inhibitoren kann es zu einer langsameren Ausscheidung der Arzneistoffe kommen. Vetreter der CYP3A4-Inhibitoren sind Calciumkanalblocker wie Nifedipin oder Verapamil, Neuroleptika wie Haloperidol oder Risperidon, trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin, SSRI wie Fluoxetin oder Citalopram, Makrolidantibiotika wie Erythromycin oder Clarithromycin, Statine wie Atorvastatin oder Simvastatin sowie Johanniskraut.

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