Sorgen um Landapotheken

„Vor sich hinwurschteln kommt nicht in Frage“

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Berlin -

Immer mehr Apothekeninhaber im ländlichen Raum geben auf oder sind mit ihrer Situation unzufrieden. Ingo Schmonsees, der im niedersächsischen Landkreis Cuxhaven drei Apotheken betreibt, trotzt dem Trend. Statt sich im stillen Kämmerlein über die Rahmenbedingungen zu ärgern, geht er offensiv an die Öffentlichkeit. In einem Bericht der Nordsee-Zeitung betont der Pharmazeut den Wert der Land-Apotheken, ohne dabei ins Jammern und Schwarzmalerei zu verfallen.

Konkurrenz durch Versandapotheken, die Schwierigkeiten gutes Personal zu finden, der Ärzteschwund und die zunehmende Zahl von Notdiensten: Es sind zahlreiche Herausforderungen, denen sich Apotheker im ländlichen Raum wie dem Cuxland derzeit stellen müssen. Ingo Schmonsees, Inhaber der Kondor-Apotheke in Stubben sowie der Kranich- und Amts-Apotheke in Hagen, kennt diese aus eigener Erfahrung nur zu gut. Seine Berufswahl und seine Entscheidung, aufs Land zu gehen, hat er dennoch nie bereut.

„Nach dem Studium habe ich in großen Stadtapotheken in Bremen und Bremerhaven gearbeitet“, erzählt der Pharmazeut. „Das war eine sehr interessante Zeit und eine wichtige Erfahrung, aber mir hat die Nähe zu den Kunden gefehlt.“ 2005 kehrte Schmonsees in seine ländliche Heimat zurück. Er gibt zu, dass die Belastung seitdem deutlich zugenommen hat. Verantwortlich dafür sei unter anderem die sinkenden Zahl von Apotheken. Eine Entwicklung, die auch im Landkreis Cuxhaven zu beobachten ist. Gab es dort 2009 noch 53 Apotheken, waren es Ende vergangenen Jahres nur noch 45. „Als ich angefangen habe, waren wir hier noch zwölf Apotheken, jetzt sind wir acht“, berichtet der Apotheker. Das wirke sich auf die Häufigkeit der Notdienste aus, die Schmonsees inzwischen einmal pro Woche leistet.

Im Dezember erschien ein ausführlicher Bericht in der Nordsee-Zeitung, in dem der Pharmazeut die aktuellen Rahmenbedingungen erläuterte und die Bedeutung der Vor-Ort-Apotheken nochmals deutlich herausstellte. Dass gerade er von der Redakteurin angesprochen wurde, war kein Zufall. Denn Schmonsees war lange Zeit Vorsitzender des örtlichen Gewerbevereins. Dadurch seien Kontakte zur Redaktion entstanden. „Es ist wichtig, solche Kontakte zu pflegen“, ist er überzeugt. „Denn die Berichterstattung in lokalen und regionalen Medien wird nach wie vor von vielen Kunden verfolgt und beeinflusst auch ihre Wahrnehmung der Geschehnisse.“

Mit Journalisten zu sprechen, sei zwar ein gewisses Risiko, weil man nie genau wisse, was sie aus dem Gespräch mitnehmen und was sich im letztendlich im Text wiederfindet. „Vor mich hinzuwurschteln, kommt für mich allerdings nicht in Frage“, betont der Apotheker. Die Gefahr, dass einem das Wort im Mund umgedreht werde, verringere sich durch vertrauensvolle Medienkontakte dramatisch. Allerdings hat er auch durchaus Verständnis für Kollegen, die nicht so gern an die Öffentlichkeit wollen. „Genau genommen ist es auch nicht die Aufgabe der Apotheker“, sagt er. „Dafür haben wir eigentlich eine Standesvertretung.“

Schmonsees hat beim Gespräch mit der Journalistin trotz klarer Worte auf Schwarzmalerei verzichtet. „Ich habe sogar im Vorfeld überlegt, welche Chancen wir doch noch haben, wie wir unsere Standorte stärker machen können“, berichtet er. In seinen Apotheke setze er auf enge Bindung zu seinen Kunden, die durch dörfliche Strukturen gefördert werde. In diesem Punkt fand beim Apotheker in den vergangenen Jahren ein Umdenken statt.

„Früher musste ich mich nicht in diesem Maße um die Kunden kümmern“, gibt Schmonsees unumwunden zu. „Die Leute kamen, einfach so.“ Das sei inzwischen nicht mehr der Fall. Da man auf dem Land nicht die Möglichkeit habe, ständig neue Kunden zu gewinnen, wie beispielsweise in Lauflagen der Innenstädte, müsse man dem vorhandenen Kundenstamm einen echten Mehrwert bieten. Nicht nur eine hochqualitative Beratung, sondern ein Komplettangebot, das auch unterem anderem das Stellen von Anträgen, Abklärungen mit Arztpraxen und Sanitätshäusern etc., beinhaltet. Im Grunde sei man, so der Apotheker, idealerweise der Ansprechpartner für das gesamte Gesundheitsgeschehen.

Andererseits nehme er, sagt Schmonsees, ein zunehmendes Bewusstsein der Menschen für die Bedeutung der Apotheken im kleinen Dorf wahr. „Sie werden nicht mehr als selbstverständlich betrachtet und mehr geschätzt“, betont er. „Die Leute haben eine enge Bindung zu 'ihrer' Apotheke und kommen von Kindesbeinen bis ins Alter hierher. Und sie wissen, dass das für das Bestehen der Apotheke wichtig ist.“ Es sei diese herzliche Rückmeldung, die ihn immer wieder für seinen Beruf motiviere.

Ein Wandel, der sich in der Politik noch nicht durchgesetzt habe, bedauert Schmonsees: „Statt medienwirksam ausländische Apotheken zu besuchen und damit zu werben, dass Versandapotheken künftig den ländlichen Raum versorgen können, würde ich mir mehr Unterstützung von der Politik wünschen.“ Er forderte von der Politik, sich klar zu den Apotheken im ländlichen Raum zu bekennen und auch danach zu handeln. Dann könnte er auch insgesamt positiv in die Zukunft blicken. Denn eines stellt der Apotheker klar: „Ich mache meinen Beruf immer noch gern und habe auch die Entscheidung aufs Land zu gehen, nie bereut“.

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