Apothekenpflicht

Methadon abgegeben – Chefarzt angeklagt

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Berlin -

Seit einem Jahr hat die Staatsanwaltschaft Lübeck gegen Dr. Matthias Heißler wegen Verstoßes gegen Apotheken- und Betäubungsmittelgesetz ermittelt. Nun wurde Anklage gegen den Chefarzt der psychiatrischen Abteilung des Geesthachter Johanniter-Krankenhauses erhoben.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mediziner in 2903 Fällen die unerlaubte Abgabe von Betäubungsmitteln in Tateinheit mit der unerlaubten Abgabe von verschreibungspflichtigen Medikamenten vor. Verantworten muss er sich außerdem für zwölf Fälle gewerbsmäßigen Betruges.

Heißler war 2016 ins Visier geraten. Bei einer Durchsuchung in der Klinik am Runden Berg sollen zahlreiche Unterlagen sichergestellt und anschließend ausgewertet worden sein. „Nach unserer Einschätzung hat der Angeklagte nicht nur, wie es ihm erlaubt und seine Aufgabe war, den Drogenersatzstoff Methadon in vor Ort einzunehmender Tagesdosis an Betroffene abgegeben, sondern ihnen für mehrere Tage vordosiert entsprechende Fläschen mit dem Medikament mitgegeben“, zitiert Bergerdorfer Zeitung eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Das sei einerseits verboten, andererseits dürfe diese Art der Abgabe nur über Apotheken laufen. Außerdem soll Heißler in zwölf Fällen Leistungen für mehr als 29.000 Euro abgerechnet haben, die er gar nicht erbracht hatte, und sich damit dem Vorwurf des gewerbsmäßigen Betrugs ausgesetzt haben.

Die Taten umfassen nach Informationen der Zeitung den Zeitraum von September 2013 bis Juni 2016. Am Johanniter-Krankenhaus gab es in dem Zeitraum eine Methadon-Ambulanz, die seit 2013 von Heißler neben seiner eigentlichen Aufgabe geleitet wurde. Im Sommer 2016 sollen hier 94 Menschen versorgt worden sein. Wegen der Ermittlungen und der rechtlichen Probleme hat die Klinik die Ambulanz Ende 2016 aufgegeben.

In Geesthacht soll es nur eine Apotheke geben, die die Methadon-Ausgabe unter Aufsicht anbietet. Alternativ können Süchtige den Heroinersatz in den Räumen der Alkohol- und Drogenberatung am Markt einnehmen. Ausgegeben wird es von den Betreibern der neuen Geesthachter Drogenambulanz nebenan.

Geesthachts Johanniter-Krankenhaus hält am Chefarzt fest. „Dr. Heißler ist ein bundesweit anerkannter Experte auf dem Gebiet der Psychiatrie und Psychotherapie, der innovative Behandlungsansätze zum Wohle unserer Patienten umsetzt. Die Vorwürfe beziehen sich nach unserem Kenntnisstand allein auf die von Herrn Heißler seinerzeit betriebene Methadon-Ambulanz. Hierbei handelte es sich nicht um eine Einrichtung der Klinik, sondern um eine auf einer persönlichen Ermächtigung beruhenden Einrichtung des Chefarztes“, erklärt eine Sprecherin des Krankenhaus gegenüber der Lokalzeitung. Der Mediziner selbst soll bereits im vergangenen Jahr erklärt haben, dass kein Patient zu Schaden gekommen sei. Damals habe er angekündigt, die Ermittlungen unterstützen zu wollen.

Heißler muss sich voraussichtlich von Anfang 2018 an vor der großen Strafkammer des Lübecker Landgerichts verantworten. Auf den Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz stehen laut Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe oder maximal fünf Jahre Gefängnis, auf Betrug sechs Monate bis zu zehn Jahre Haft.

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