Diabetes

Apotheker kritisieren Freestyle-Direktvertrieb

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Berlin -

Der Hersteller Abbott lässt die Apotheker in der Diabetes-Versorgung bewusst außen vor: Der High-Tech-Sensor FreeStyle Libre wird ausschließlich direkt vertrieben. Offen bleiben Fragen der Notfallversorgung und notwendiger Beratungsleistungen in der Apotheke. Der Apothekerverband Duisburg/Niederrhein wendet sich nun an den Hersteller und fordert eine Klarstellung.

Mit dem Freestyle-System lässt sich der Zuckerwert mit einem Scan am Oberarm messen, ohne Stechen und Teststreifen. Das Setzen eines Sensors erfordert ein Einführen eines Sensorfilaments unter die Haut. Die Messung erfolgt in der Zwischenzellflüssigkeit des Unterhautgewebes. Der Patient kann den Sensor jederzeit mit einem kleinen Lesegerät scannen.

Nachdem das Modell im Herbst von Ärzten getestet wurde, ist es seit November in der Regelversorgung zu haben. Kunden werden an eine Online-Plattform verwiesen, dort sollen sie sich informieren und kaufen; Neukunden müssen sich in eine Warteliste eintragen.

Von zahlreichen Kollegen sei der Apothekerverband Duisburg/Niederrhein auf die neuen Vertriebspraktiken angesprochen worden, schreiben Vorsitzender Peter Vogt und Vorstand Carsten Moser. Auch aus den ABDATA-Einträgen sei zu entnehmen, dass die Apotheken als Vertriebskanal bewusst umgangen würden. Gleichlautende Antworten habe man von der Vertriebshotline und verschiedenen Großhandlungen erhalten.

„Wir finden den Vertrieb sehr eigentümlich und hinterfragen diese Methode ganz genau“, sagt Vogt. „Wir wollen nicht, dass es Schule macht, dass Firmen solche beratungssensiblen Produkte im Direktvertrieb anbieten. Wir haben einen Versorgungsauftrag, dem müssen wir nachkommen können“, so Vogt.

„Es ist wichtig, zu wissen, wie die Apotheken reagieren sollen, wenn Kunden nach Hilfe fragen.“ Bereits mehrfach hätten Patienten bei Kollegen um Beratung zu Anwendungsproblemen gebeten und nach neuen Sensoren gefragt. Allein in Mosers Stern-Apotheke habe bereits eine Handvoll Interessenten erkundigt, gerade jüngere Diabetiker. Unklar sei, wie der Apotheker hier eingebunden werden solle.

Ohnehin könnten Apotheker nur unzureichend helfen, da man selbst auf Nachfrage sehr wenige Informationen von Abbott erhalte: „Bis auf Standardantworten bekommt man nichts. Man wird abgeblockt“, sagt Moser. „Was auf der Internetseite steht, ist bestes Marketing-Deutsch. Es gibt keinerlei Fachinformationen. Das ist sehr unbefriedigend.“ So fehlten etwa Studienlagen zu Verträglichkeiten komplett.

„Wir bitten daher um eine Stellungnahme, ob diese Vertriebspraktiken bestimmten Umständen geschuldet und temporär sind oder dauerhaft eine neue Form des Vertriebes etabliert werden soll“, schreibt der Verband. Man wolle den Verbandsmitgliedern eine entsprechende Information beziehungsweise Handlungsempfehlung geben.

Außerdem bittet der Verband um Informationen, „wie aktuell die Notfallversorgung mit den entsprechenden Geräten und Sensoren im Bereitschaftsdienst und eine Vergütung von eventuell zusätzlich anfallenden Beratungsleistungen durch die Apotheke erfolgen sollen.“ Eine Antwort von Abbott steht bislang noch aus.

Als erste Kasse will die DAK-Gesundheit ihren Versicherten mit schwerem Diabetes künftig das neue Messverfahren anbieten. Ab Mitte des Jahres sollen ausgewählte Patienten den Sensor erhalten.

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