Studie

Colchicin zur Anfallsprophylaxe nötig? Nadine Tröbitscher, 16.10.2023 12:22 Uhr

Placebo oder Colchicin? Was ist überzeugt zur Anfallsprophylaxe? Foto: Corri Seizinger – stock.adobe.com
Berlin - 

Ist eine Anfallsprophylaxe mit Colchicin in den ersten sechs Monaten der Behandlung mit Allopurinol nötig? Die Frage beantwortet eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie.

Allopurinol ist ein Urikostatikum, das den Purin-Abbau zu Harnsäure beeinflusst und zur Linderung der Symptome der Gicht beitragen kann. Allopurinol ist zur Behandlung von Erwachsenen zugelassen bei Serum-Harnsäurewerten im Bereich von 500 μmol/l (8,5 mg/100 ml) und darüber, die diätisch nicht beeinflussbar sind sowie bei sekundärer Hyperurikämie unterschiedlicher Genese. Gerade zu Beginn der Therapie kann es zu gehäuften Gichtanfällen kommen, da im Körper Uratablagerungen aktiviert werden und somit der Harnsäurespiegel ansteigt.

Ein akuter Gichtanfall kann mit Kortison, nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) oder Colchicin behandelt werden. Bei der Dosierung der Herbstzeitlosen dürfen die zugelassenen Maximaldosierungen nicht überschritten werden. Die Nebenwirkungen könnten tödlich sein. Der Wirkstoff wird rasch vom menschlichen Körper resorbiert und hauptsächlich über die Leber oder unverändert über Niere wieder ausgeschieden. Das Alkaloid besitzt eine geringe therapeutische Breite und geht unter anderem mit Inhibitoren des P-Glykoproteins und CYP3A4 Wechselwirkungen ein.

Colchicin ist ein Alkaloid aus dem Samen der Herbstzeitlosen. Der Wirkstoff hat entzündungshemmende und schmerzstillende Eigenschaften. Das Spindelgift hemmt die Zellkernteilung, beeinflusst jedoch nicht die Harnsäurekonzentration im Blut. Das Alkaloid hindert die Makrophagen an der Aufnahme der Harnsäurekristalle und unterbindet somit die Entzündungsreaktion durch Zytokine.

Studie: Placebo vs. Colchicin

Die Studie mit 200 Teilnehmer:innen wurde über einen Zeitraum von zwölf Monaten durchgeführt. Proband:innen sind Erwachsene mit mindestens einem Gichtanfall in den vergangenen sechs Monaten. In den ersten sechs Monaten erhielten die Teilnehmer:innen im Verhältnis 1:1 entweder 0,5 mg Colchicin täglich oder Placebo. Außerdem starteten alle mit der Einnahme von Allopurinol und steigerten die Dosierung monatlich, um den angestrebten Uratwert von < 0,36 mmol/l zu erreichen.

Als primärer Wirksamkeitsendpunkt wurde die mittlere Anzahl von Gichtanfällen pro Monat zwischen 0 und 6 Monaten, mit einer vorab festgelegten Nichtunterlegenheitsmarge von 0,12 Gichtanfällen pro Monat festgelegt. Der primäre Sicherheitsendpunkt waren unerwünschte Ereignisse in den ersten sechs Monaten.

Das Ergebnis: Es gab keinen Unterschied in der durchschnittlichen Anzahl von Gichtanfällen pro Monat zwischen den randomisierten Gruppen über den Gesamtzeitraum von zwölf Monaten. Allerdings zeigt die Studie, dass Placebo in den ersten sechs Monaten Colchicin zur Anfallsprophylaxe unterlegen ist. Auffällig ist aber, dass unter Placebo in den ersten sechs Monaten zwar signifikant häufiger Gichtanfälle auftraten, aber nach den sechs Monaten nicht im Vergleich zur Colchicingruppe, die nach Absetzen häufiger Gichtanfälle dokumentierte.

Die Schlussfolgerung

„Placebo ist Colchicin bei der Vorbeugung von Gichtanfällen in den ersten sechs Monaten nach Beginn der Behandlung mit Allopurinol unter Anwendung der ‚Start-Low-Go-Slow‘-Strategie nicht unterlegen“, schlussfolgern die Studienautoren. Nach dem Absetzen von Colchicin nehmen die Gichtanfälle zu, ohne dass sich die durchschnittliche Anzahl der Gichtanfälle pro Monat zwischen den Gruppen – Verum oder Placebo – über einen Zeitraum von zwölf Monaten unterscheidet.