OTC-Hersteller

Perrigo: Mylan kompromissbereit APOTHEKE ADHOC, 13.08.2015 18:09 Uhr aktualisiert am 14.08.2015 09:43 Uhr

Berlin - 

Am 28. August entscheiden die Mylan-Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung, ob sie ein Angebot für den irischen OTC-Hersteller Perrigo machen wollen. Mehr als 30 Milliarden US-Dollar stehen im Raum, doch bislang lässt die Ankündigung Perrigo kalt. Jetzt sucht das Mylan-Management einen Kompromiss: Statt mit 80 würden sich die Amerikaner mit 50 Prozent der Aktien zufrieden geben.

Ende März hatte Mylan 205 US-Dollar in bar und eigenen Aktien je Perrigo-Anteilsschein in Aussicht gestellt, insgesamt 28,9 Milliarden Dollar. Auf die erste Absage folgte das zweite informelle Angebot: 222,12 Dollar je Aktie, insgesamt 31,2 Milliarden Dollar. Erneute Absage. Zuletzt belief sich das Angebot auf 232,23 Dollar je Aktie, entsprechend 32,7 Milliarden Dollar in der Summe. Perrigo-Aktionäre hätten demnach künftig 39,3 Prozent der Mylan-Aktien.

Doch das Perrigo-Management will davon nichts wissen: Man empfehle den Anteilseignern mit Nachdruck, nicht auf die Offerte einzugehen, hieß es schon Ende April. Das Angebot spiegele den Wert des Unternehmens nicht annähernd wider, zumal die Übernahme von Omega unberücksichtigt geblieben sei.

Seitdem herrscht Funkstille. Doch die Chancen für Mylan stehen schlechter als je zuvor: Der Aktienkurs hat deutlich nachgegeben, seit Teva sein Angebot zurückgezogen und stattdessen die Actavis-Sparte von Allergan gekauft hat. Damit fällt der Kaufpreis in der Summe für die Perrigo-Aktionäre geringer als. Dazu kommt, dass die Iren in der Zwischenzeit weiter zugekauft haben, darunter Yokebe sowie verschiedene Marken wie Pencivir und Niquitin, von denen sich GlaxoSmithKline (GSK) und Novartis trennen mussten.

Dass 80 Prozent der Perrigo-Aktionäre das Angebot annehmen, glaubt man bei Mylan mittlerweile selbst nicht mehr. Daher wurde in Absprache mit den Banken die Schwelle auf 50 Prozent abgesenkt. Dann hätte Mylan zwar bei Perrigo das Sagen, könnten das Unternehmen aber nicht einfach in den Konzern integrieren.

Bei der Hauptversammlung Ende August müssen mindestens ein Drittel der Stimmrechte vertreten sein, die einfache Mehrheit reicht dann, um das formale Angebotsverfahren einzuleiten. Bei den Kartellbehörden hat sich Mylan schon grünes Licht geholt. Auch der Pharmakonzern Abbott, der mit 14,5 Prozent Großaktionär bei Mylan ist, hat Zustimmung signalisiert.

Von Perrigo kam prompt die Absage: Die bisherige Offerte werde durch den neuen Vorschlag noch substanzloser; der Vorstoß sei offensichtlich ein Zeichen der Verzweiflung, so Perrigo-Chef Joseph C. Papa. Eine Übernahme hätte negative Auswirkungen auf das Tagesgeschäft und gefährde die Finanzierung; die versprochenen Synergien seien nach dem irischen Gesetz nicht zu erzielen. „Die Abschreckungstaktik ist nur ein Versuch, die Perrigo-Aktionäre in einen wertvernichtenden Deal zu zwingen“, so Papa. Das Mylan-Management beweise einmal mehr, dass es seine Verpflichtungen gegenüber den eigenen Aktionären ignoriere.