Generikakonzerne

Neuer CEO: Stada holt US-Chef von Sandoz Patrick Hollstein, 01.02.2018 07:03 Uhr

Berlin - 

Stada bekommt nach nur wenigen Monaten schon wieder einen neuen Vorstandschef. Nach Informationen von APOTHEKE ADHOC soll Peter Goldschmidt die Leitung des Konzerns übernehmen. Zur außerordentlichen Hauptversammlung am Freitag, bei der über den Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag mit dem Mehrheitsaktionär Bain/Cinven entschieden werden soll, soll die Personalie bekannt gemacht werden. Eine offizielle Bestätigung gibt es noch nicht, bei Stada war für Nachfragen zunächst niemand zu erreichen.

Goldschmidt hatte in den 1980er Jahren in Münster Politik und Wirtschaftsgeografie studiert und einen Abschluss im Bereich Soziologie gemacht. Seit 1990 war er für Novartis tätig, unter anderem in Marketing, Vertrieb, strategischer Planung und organisatorischer Entwicklung. 1999 ging er für zwei Jahre nach Schweden, ab 2001 war er dann in der deutschen Geschäftsleitung der Pharmasparte, zunächst als Marketing-, dann als Vertriebschef.

Im Juli 2007 übernahm er die Verantwortung für das Geschäft auf den Philippinen, später kamen Singapur und Indonesien dazu. Anfang 2009 übernahm er für die Konzerntochter Sandoz die Position des Head of Central and Eastern Europe, in dieser Funktion war er Mitglied in der globalen Geschäftsleitung. Seit Juli 2013 ist er für das Geschäft in den USA zuständig, womit er 40 Prozent der weltweiten Umsätze von rund 10 Milliarden US-Dollar verantwortete.

Goldschmidts Wechsel nach Bad Vilbel ist sicherlich auch vor dem Hintergrund der Probleme zu sehen, mit denen Sandoz/Novartis in den USA zu kämpfen hat. Nachdem der Mutterkonzern wegen Ärztebestechung und die Generikasparte wegen Preisabsprachen in den Negativschlagzeilen stand, hat sich Novartis entschieden, Geschäftsbereiche von Sandoz im Wert von 2 bis 3 Milliarden Dollar zu veräußern.

Bei Stada ist er der vierte Konzernchef innerhalb eines Jahres. Nach dem Ausscheiden des langjährigen CEO Hartmut Retzlaff im Mai 2016 war zunächst Matthias Wiedenfels nachgerückt. Als der erste Übernahmeversuch durch Bain/Cinven scheiterte, musste er im Streit mit Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker seinen Hut nehmen. Kommissarisch übernahm Engelbert Coster Tjeenk Willink die Leitung.

Anfang Oktober übernahm Dr. Claudio Albrecht die Führung der Stada. Der ehemalige Chef von Ratiopharm und Actavis hatte von Anfang an klar gemacht, dass er nicht dauerhaft CEO bleiben wollte. Als Berater der Finanzinvestoren Bain und Cinven hatte er im vergangenen Frühjahr in Bad Vilbel die Bücher geprüft, dann hatte er eigentlich Aufsichtsratschef werden sollen. Weil sich jedoch auf die Schnelle kein Vorstandschef finden ließ, übernahm der den Posten zunächst selbst. Er trat mit klaren Vorstellungen an.

Mit ihm übernahm sein ehemaliger Vorstandskollege von Actavis, Mark Keatley, die Position des Finanzchefs von Dr. Bernhard Düttmann. Dr. Barthold Piening, seit Frühjahr Vorstand Produktion & Entwicklung von Stada, blieb im Amt. Bain und Cinven war es im zweiten Anlauf geglückt, Stada mehrheitlich zu übernehmen. Sie hatten sich 63,85 Prozent der Aktien gesichert – 63 Prozent waren die Untergrenze. Den Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag, der Bain und Cinven den Durchgriff ermöglichen soll, muss die Hauptversammlung mit 75 Prozent Stimmenmehrheit billigen.