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Welttag der Suizidprävention

Suizidale Patienten: Hilfestellung für Apotheken

Beim Umgang mit suizidgefährdeten Menschen gibt es einiges zu beachten: Einige Verhaltensweisen oder Kommentare können bereits frühe Warnzeichen sein und sollten beachtet werden.Foto: Aquarius Studio/shutterstock.com

Berlin - Der Welttag der Suizidprävention (10. September) stand in diesem Jahr im Zeichen der Auswirkungen von Covid-19 und der Debatte um den assistierten Suizid. Den Apotheken wurde außerdem ein spezieller Gesprächsleitfaden für den Umgang mit suizidalen Patienten zur Verfügung gestellt. Einen Leitfaden zum Download gibt es hier.

Die Zahlen sind alarmierend: Jedes Jahr nehmen sich in Deutschland rund 10.000 Menschen durch Suizid das Leben – das sind mehr Tote als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten und illegale Drogen zusammen. Etwa 70 Prozent der Suizide werden von Männern durchgeführt. Die Zahl für Suizidversuche wird auf rund 100.000 pro Jahr geschätzt, die Dunkelziffer ist womöglich sogar noch höher. Häufig sind Menschen mit psychischen Vorerkrankungen und Senioren betroffen.

Leitfaden für Apotheken entwickelt

Das Nationale Suizidpräventionsprogramm (NaSPro) hat nun zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) und der Abda einen Gesprächsleitfaden zum Umgang mit suizidalen Patienten in der Apotheke veröffentlicht. Denn häufig sind diese eine der ersten Anlaufstellen für Menschen mit seelischen Problemen.

Im Leitfaden finden sich unter anderem Warnzeichen und Bemerkungen, die auf ein mögliches Suizid-Risiko hinweisen können und vom Apothekenpersonal beobachtet werden sollten: Darunter eine deutliche Verhaltensänderung bei bekannten Patienten oder auch die Verordnung von suizidtauglichen Medikamenten von verschiedenen oder wechselnden Ärzten. Außerdem werden weit verbreitete Suizid-Mythen aufgeklärt und Hinweise für die Einladung zu einem persönlichen Gespräch und die allgemeine Gesprächsführung gegeben.(Zum Download)

Assistierter Suizid im Fokus

Ein weiteres Thema in diesem Jahr soll der assistiere Suizid sein: Im Februar hatte das Bundesverfassungsgericht den §217 StGB zur geschäftsmäßigen Förderung der Sterbehilfe für verfassungswidrig und damit für nichtig erklärt. „Durch dieses Urteil besteht die Gefahr, dass die Gesellschaft die Hand loslässt, die uns entgegengestreckt wird“ warnt Professor Reinhard Lindner von der Universität Kassel, ebenfalls Leiter des NaSPro. Eine weitgehende Freigabe des assistierten Suizides würde ein weiteres Suizidmittel für viele Menschen verfügbar machen und gravierende Auswirkungen auf eine wirksame Suizidprävention haben. Eine besondere Gefahr gehe dabei von manipulativer und desinformierender Werbung für den assistierten Suizid aus.

Beeinflusst Corona die Suizidrate?

Die Corona-Pandemie hat in diesem Jahr einen besonderen Einfluss gehabt. Die gesamtgesellschaftlichen Folgen sind weitreichend, die genauen Auswirkungen bislang jedoch noch nicht abzuschätzen. „Wie können wir ‚Hand in Hand‘ durch Krisen gehen, wenn man sich die Hand nicht geben darf?“, fragt Professorin Barbara Schneider von der LVR-Klinik in Köln und Leitung des NaSPro. Vor allem die Versorgungslage für Menschen in seelischen Krisen sei unter der Pandemie beeinträchtigt worden. Dennoch: Auch wenn persönliche Kontakte nicht ersetzt werden konnten, so wurden gute Erfahrungen mit internetbasierter Beratung und Therapie gemacht.

Aus ersten repräsentativen Studien sei zu entnehmen, dass die Belastung der Bevölkerung insgesamt unter den Bedingungen von Covid-19 auch in Deutschland zunimmt. Wie genau sich die Pandemie auf die Suizidalität und die Suizidrate in Deutschland auswirken werde, lasse sich derzeit jedoch nicht sagen. In den vergangenen Jahren konnten die Zahlen drei Jahre in Folge unter der 10.000er-Grenze gehalten werden.

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