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Nach 20 Jahren

Sachsen: Tarifvertrag für Apothekenteams in Sicht

Berlin - Angestellte in sächsischen Apotheken dürfen hoffen, dass demnächst auch für sie ein Tarifvertrag gilt. Mehr als 20 Jahre nach dem Abschied aus der Tarifgemeinschaft plant der Sächsische Apothekerverband (SAV) die Rückkehr. Allerdings wird eine eigenständige Lösung wie im Kammerbezirk Nordrhein angestrebt. Jetzt werden ehrenamtliche Mitglieder für eine Tarifkommission gesucht.

Der SAV war 1997 aus dem Arbeitgeberverband ADA und damit aus der Tarifgemeinschaft ausgetreten – nach eigenem Bekunden wegen der „strukturellen Besonderheiten“ in Sachsen. Diese hätten in einem gemeinsamen Tarifvertrag für das gesamte Bundesgebiet nicht ausreichend berücksichtigt werden können. Ein eigener, davon abweichender Tarifvertrag für Sachsen sei damals nicht verhandelbar gewesen, so der SAV.

Doch jetzt haben sich die Vorzeichen offenbar geändert. Man habe sich entschieden, neue Gespräche mit der Apothekengewerkschaft Adexa über eine Rückkehr in die Tarifgemeinschaft aufzunehmen, heißt es in einem Schreiben an die Apotheken. Dass Adexa zugestimmt habe, eine eigenständige Lösung zu finden, lasse die Aufnahme von Gesprächen mit der Gewerkschaft „zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll erscheinen“, so der SAV.

Als Gründe nennt der SAV unter anderem „die sich immer mehr verändernde Situation auf dem Arbeitsmarkt“ und den „spürbaren Mangel an motiviertem und qualifiziertem Fachpersonal“. Außerdem habe es sowohl auf Seiten der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer der Wunsch nach einer grundlegenden Festlegung verbindlicher Arbeitsbedingungen bestanden.

Zur Bildung einer eigenen Tarifkommission sucht der Verband engagierte Mitglieder, die den neuen Tarifvertrag mitgestalten möchten. Die Kommission soll auf mindestens vier, aber nicht mehr als sieben Mitgliedern bestehen, die dieses Amt ehrenamtlich ausüben sollen. Wer Lust hat, soll sich bis Ende November bei der Geschäftsstelle melden. Alle anderen dürfen ebenfalls Vorstellungen und Ideen schicken.

Die Adexa verhandelt mit dem ADA einen Bundesrahmentarifvertrag und einen Gehaltstarifvertrag für das gesamte Bundesgebiet mit Ausnahme von Sachsen und Nordrhein. Dort gibt es einen Tarifvertrag zwischen der Gewerkschaft und der Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter Nordrhein (TGL Nordrhein).

Bislang hatte der SAV seinen Ausstieg aus dem ADA mit der hohen Quote an Pharmazieingenieuren in Sachsen begründet. Diese wurden zu DDR-Zeiten in Leipzig ausgebildet, dürfen nach heutigem Recht einen Apotheker bis zu vier Wochen im Jahr vertreten – und werden auch besser bezahlt als PTA. Das Gehalt liegt nach dem Tarifvertrag in den späteren Berufsjahren knapp 300 Euro höher. Sachsens Apotheker befürchten daher bislang überdurchschnittlich hohe Personalkosten.

Allerdings handelt es bei den Pharmazieingenieuren um eine „aussterbende“ Berufsgruppe, weil seit der Wende keine neuen mehr ausgebildet wurden. In Sachsen gibt es laut SAV noch ein paar hundert Mitarbeiter mit dieser Ausbildung. Der letzte Pharmazieingenieur geht nach Zahlen des SAV 2033 in Rente.

Die Adexa hatte den Apothekern „Lohn-Dumping“ vorgeworfen und auch politisch den Druck auf den Verband erhöht. In der Debatte um das Leitbild hatte die Gewerkschaft der ABDA ein Sachsen-Problem attestiert: ABDA-Präsident Friedemann Schmidt mache sich unglaubwürdig, wenn in seinem Kammerbezirk Gehälter weit unter dem Durchschnitt gezahlt würden. Schmidt war ab 1994 im Verbandsvorstand und ab 1998 sogar Vize, bevor er 2002 erfolgreich als Kammerpräsident kandidierte.

Seit einigen Jahren ist eine Annäherung zu beobachten. Die ehemalige SAV-Vorsitzende Monika Koch hatte vor ihrem Abschied die Erwartung ausgedrückt, dass der neue Vorstand das Thema wohl wieder aufgreifen werde. Für den Verband bleibt aber ein Risiko, wenn der Tarifbeitritt erzwungen würde. Weil nur Verbandsmitglieder an die Vereinbarungen der Tarifpartner gebunden sind, könnten viele Apotheker dem SAV den Rücken kehren. Derzeit hat der Verband eine Abdeckung von über 90 Prozent.

Mit dem Generationenwechsel an der Spitze des Verbands bekommt die Tarifgemeinschaft jetzt eine neue Chance. An der Spitze des Verbands ist Thomas Dittrich, seit dem Sommer neuer Geschäftsführer ist Enno Bernzen.

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