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Einkommensstatistik

PTA entkommt nur knapp der Armut

Berlin - Seit Juni erhalten die Mitarbeiter in Apotheken 2,5 Prozent mehr Gehalt. Das Tarif-Monatsgehalt einer Vollzeit-PTA steigt damit auf 2017 Euro. Für eine unverheiratete PTA bleiben davon netto nach Abzug von Steuern und Sozialbeiträgen 1400 Euro. Eine Alleinstehende mit einem Kind hat nach 40 Arbeitsstunden in der Wochen 1450 Euro netto im Portemonnaie. Damit kann man zurecht kommen, aber keine großen Sprünge machen. Denn das Nettogehalt liegt nur 200 Euro über der Armutsgrenze.

Die Wirtschaft in Deutschland brummt, die Arbeitslosigkeit sinkt – trotzdem ist die Armut in Deutschland nach Berechnungen des Paritätische Wohlfahrtsverbands auf einem historischen Höchststand. Die Armutsquote liegt bei knapp 16 Prozent – das bedeutet, dass 12,9 Millionen Menschen hierzulande arm sind. Auch wenn eine PTA mit ihrem Monatsgehalt über der Armutsgrenze liegt, gilt das nur für eine Vollzeitbeschäftigung. Bei einer Teilzeitstelle ist der Absturz in die Armut vorprogrammiert. Und bei PTA ist Vollzeit nicht die Regel: Nur 41 Prozent arbeiten laut Adexa 40 Stunden oder mehr.

„Die wirtschaftliche Entwicklung schlägt sich schon lange nicht mehr in einem Sinken der Armut nieder“, kritisierte Verbandsgeschäftsführer Ulrich Schneider. Das Ruhrgebiet und Berlin sind besonders betroffen. In Ostdeutschland sinkt die Armutsgefährdung, in den meisten westdeutschen Bundesländern ist sie dagegen gestiegen.

Aber wer gilt als arm in Deutschland? Der Paritätische Wohlfahrtsverband beruft sich auf den relativen Einkommensarmutsbegriff, den auch offizielle Statistiken verwenden. Demnach sind Menschen arm, wenn sie über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügen. Zugrunde liegt dabei „das gesamte Nettoeinkommen des Haushaltes, inklusive Wohngeld, Kindergeld, Kinderzuschlag, anderen Transferleistungen oder sonstigen Zuwendungen.



Nach dieser Definition sind Singles arm, wenn sie weniger als 917 Euro netto verdienen, bei einer Alleinerziehenden mit einem Kind unter sechs Jahren liegt die Grenze bei knapp 1200 Euro und bei einer vierköpfigen Familie je nach Alter der Kinder zwischen knapp 2000 Euro und 2355 Euro netto.

Laut Armutsbericht sind besonders kinderreiche Familien, Arbeitslose, Alleinerziehende, Migranten und Rentner von Armut bedroht. Dieser Personenkreis macht in Großstädten fast zwei Drittel der Bevölkerung aus, in eher ländlichen Gebieten nur knapp die Hälfte. Bei Rentnern hat sich die Armutsquote besonders drastisch entwickelt: 2014 lag sie mit 15,6 Prozent oder 3,4 Millionen erstmals über dem Durchschnitt – jetzt sind es 15,9 Prozent. Laut Studie hat die Zahl der Rentner unterhalb der Armutsschwelle seit 2005 um 49 Prozent zugenommen.

Besonders kritisch ist die Armutsquote bei Kindern. Sie liegt mit rund 19 Prozent deutlich über dem Durchschnitt der Bevölkerung. Grund dafür ist der Wandel der Familienstrukturen: Die Zahl der Alleinerziehenden steigt, sie haben ein Armutsrisiko von 44 Prozent. Die Hälfte der armen Kinder lebt heute bei einem alleinerziehenden Elternteil. Auch bei Ausländern und Menschen mit niedrigem Qualifikationsniveau stieg das Armutsrisiko auf 34 und 32 Prozent.



Wie immer gibt es auch Kritik am Armutsbericht. Beispielsweise wird bei Rentnern vorhandener Immobilienbesitz nicht berücksichtigt. In der Statistik finden sich auch Studierende und Auszubildende mit in der Regel niedrigen Einkommen. Schneider warnt allerdings vor Verharmlosungen: „Man ist in diesem reichen Deutschland nicht erst dann arm, wenn man unter Brücken schlafen oder Pfandflaschen sammeln muss. Armut beginnt nicht erst dann, wenn Menschen verelenden.“

Bezieht man die Kaufkraft in die Betrachtung ein, dann besteht das höchste Armutsrisiko in westdeutschen Großstädten, so das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW). Ein Einwohner in München erhält zwar ein höheres Einkommen als jemand, der im Nürnberger Land lebt, muss aber auch mehr für seinen Lebensunterhalt zahlen. Damit lasse sich auch nicht mehr pauschal sagen, dass Menschen in Ostdeutschland ein höheres Armutsrisiko tragen.

Signifikantere Unterscheide zeigen sich, wenn man die Entwicklung in den Großstädte im Zeitraum von 2005 bis 2015 vergleicht – vor allem das Ruhrgebiet kommt dabei schlecht weg: So stieg das Risiko der Armutsgefährdung etwa in Dortmund von 18,6 auf 25,7 Prozent, in Duisburg von 17 auf 26,6 Prozent und in Düsseldorf von 13,8 auf 18,3 Prozent. Im Osten ist auch schon mal ein Rückgang zu verzeichnen, wie etwa in Dresden, wo das Risiko von 20,7 auf 20 Prozent sank.

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