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Lobbyarbeit selbst in die Hand nehmen

Nach AvP-Skandal: Crowdfunding für Abda-Alternative

AvP-Insolvenz: Apothekerin Beatrice Guttenberger will die Lobbyarbeit selbst in die Hand nehmen.Foto: Ratsapotheke Ochsenfurt

Berlin - Mit ihrem öffentlich verkündeten Austritt aus der CSU wegen der Untätigkeit der Politik im Zusammenhang mit der AvP-Insolvenz hat Apothekerin Beatrice Guttenberger die Dinge ins Rollen gebracht, viel Zuspruch und viele Unterstützer gefunden. Jetzt will die Apothekerin in die Lobbyarbeit einsteigen und der Abda Konkurrenz machen. Daher ruft sie Gleichgesinnte zu einer Spende für die Gründung einer Internetplattform auf. Dort will sie die vielen, aber nebeneinander arbeitenden Lobby-Aktivitäten bündeln. Den Anstoß dazu gab ihr CDU-Gesundheitspolitiker Michael Hennrich.

Sie habe ausführlich mit Hennrich über die Folgen der AvP-Insolvenz telefoniert, berichtet Guttenberger: „Herr Hennrich hat mich angerufen, von der Abda, meiner Kammer und meinem Verband habe ich immer noch nichts gehört.“ Der Arzneimittelexperte der Union habe ihr geraten, politisch aktiv zu blieben: „Die Lobbyarbeit der Apothekerschaft muss besser werden“, habe er ihr gesagt und auch die Öffentlichkeitsarbeit der Abda kritisiert. „Wir müssen jetzt schauen, was man aus den vielen Bewegungen in der Apothekerschaft gemeinsam machen kann“, so Guttenberger. In einem ersten Schritt will sie eine Internetplattform gründen und von einem Mitarbeiter betreuen lassen. 190.000 Euro Startkapital will die Apothekerin dafür sammeln. Später will sie der Abda in der Lobbyarbeit Konkurrenz machen.

„Viele von Ihnen haben von der Notlage gehört, in der sich tausende von uns derzeit befinden. Mit der AvP-Insolvenz ist ein Super-Gau in unserer Berufswelt passiert, mit dem niemand rechnen konnte. Was ausgeblieben ist, ist der laute Aufschrei unseres Berufsstandes“, heißt es in ihrem Spendenaufruf. Dabei sei völlig klar, dass eben nicht nur die 3500 AvP-Kunden betroffen seien, „sondern ausnahmslos alle einer latenten Gefahr ausgesetzt sind“.

Jeder Apotheker habe Verträge mit Abrechnungszentren, „die uns nicht davor geschützt hätten, dass die von uns abgerechneten Gelder Teil einer Insolvenzmasse werden“. Den Staat und seine Aufsichtsorgane scheine der Skandal, dass Abrechnungsgelder der gesetzlichen Krankenversicherungen einfach so den Leistungserbringern vorenthalten werden könnten, ebenfalls kaum zu kümmern. Guttenberger: „Ebenso wenig wie unsere Kammern und Verbände.“

Niemand, wirklich niemand kämpfe für die örtliche Apotheke. „Ich habe in den vergangenen Tagen mit einigen Politikern gesprochen und mir ist sehr deutlich geworden, dass man uns vollkommen abgeschrieben hat. Die Zukunft der Arzneimittelversorgung soll nicht mehr in unseren Händen liegen, deswegen sind 3500 unverschuldet in die Insolvenz getriebene ApothekerInnen schlicht egal“, so die Apothekerin weiter: „Wenn wir unseren Beruf retten wollen, wenn wir unsere Existenz verteidigen wollen, bleiben uns nur noch Monate.“ Weil alles Rufen Einzelner ungehört bleibe, wolle sie „unsere gesamte Kraft bündeln und mich für drei Dinge einsetzen“:

  • einen Rettungsschirm für die betroffenen AvV-Apotheken
  • ein Verbot des Rx-Versandhandels, bis die Wettbewerbsbedingungen zwischen öffentlicher deutscher Offizin- und ausländischer Versandapotheke ausgeglichen seien
  • eine leistungsbezogene Vergütung, die auch das kaufmännische Risiko widerspiegele

Um diese Forderungen öffentlichkeitswirksam durchzusetzen, „benötigen wir echte Lobbyarbeit mit echten Profis, eine Plattform über die wir direkt und demokratisch abstimmen können, und mithin finanzielles und persönliches Engagement.“ Damit sie diese Dinge wirkungsvoll in Schwung bringen könne, brauche sie die Zustimmung und Unterstützung von jedem Apotheker: „Um mein Konzept umsetzen zu können, brauche ich die schriftliche Rückmeldung von mindestens 1900 Kollegen, die sich mit mindestens 100 Euro an den Startkosten beteiligen! Wir brauchen eine andere Form der berufsständischen Vertretung! Wir müssen gemeinsam die Stimme erheben!“

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