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50.000 Unterstützer gesucht

#MitUnsNicht: Studenten kämpfen für Rx-Versandverbot

Berlin - Benedikt Bühler legt nach: Der Student, der kürzlich mit einem offenen Brief an die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer bei den Kollegen für Furore sorgte, hat jetzt die Kampagne #MitUnsNicht gestartet. Das Ziel: Die Umsetzung des Rx-Versandverbotes. Gesucht werden 50.000 Unterstützer, die die Petition unterschreiben, die auch gleich die Frage stellt, ob der Gesundheitsminister noch tragbar ist.

„Wird das Verbot nicht umgesetzt, gefährdet das die Zukunft von Apothekerinnen und Apothekern und damit auch die wohnortnahe Versorgung der Patienten und ihre Sicherheit“, sagt Pharmaziestudent Benedikt Bühler, der Sprecher der Kampagne ist. Seine Mitstreiter sind rund 40 Studenten der Semmelweis-Universität in Budapest, wo Bühler derzeit Pharmazie studiert.

Er sagt: „Seit der Europäische Gerichtshof im Oktober 2016 die deutsche Arzneimittelpreisbindung für ausländische Versender aufgehoben hat, rutschen örtliche Apothekerinnen und Apotheker in eine wirtschaftliche Schieflage, denn ausländische Apotheken wie DocMorris locken ihre Kunden mit Rabatten, die deutsche Apotheken nicht geben dürfen. Das führt dazu, dass überlebenswichtige Rezepte aus dem deutschen Apothekensystem abgezogen werden.“

Bühler: „Die Kampagne und die Petition sollen möglichst viele Menschen erreichen. Aus diesem Grund haben wir schon im Vorfeld Unterstützer gesucht.“ Mit an Bord sind die Apothekengewerkschaft Adexa, die Freie Apothekerschaft und Sylvia Gabelmann, Sprecherin für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte der Linken im Bundestag. Der Gegenvorschlag zum Rx-Versandverbot von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stößt bei den Linken auf scharfe Kritik, Gabelmann bezeichnete den Kompromiss als einen „Schlag ins Gesicht der Patienten und Apotheker“. Zudem wirft die Apothekerin Spahn einen Bruch des Koalitionsvertrages vor.

Die Kampagne der Budapester Studenten ist engagiert: „Wir hoffen, dass wir mindestens 50.000 Unterschriften erzielen können“, sagt Bühler. Zusätzlich zu den bestehenden Mitstreitern will er auch die Noweda und selbst die ABDA für die Kampagne gewinnen. Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden (BPhD) hat abgewunken. „Leider möchte der BPhD nicht darauf aufmerksam machen“, bedauert Böhler. „Wir können es nicht nachvollziehen, gerade weil der BPhD in der Vergangenheit auf eine Petition der Medizinstudenten aufmerksam gemacht hat. Allerdings hat er intern via Mail an alle Mitglieder über unser Vorhaben informiert.“

Warum der 19-jährige Pharmaziestudent sich politisch engagiert, ist leicht erklärt. Er sorgt sich um die Zukunft seiner Kommilitonen und seine eigene. „Der deutschsprachige Studiengang der Semmelweis-Universität ist auf öffentliche Apotheken spezialisiert. Über 95 Prozent der Absolventen arbeiten später in öffentlichen Apotheken und gerade die sind in ihrer Existenz bedroht, wenn nichts geschieht.“

Seine Warnung: „Kommt das Rx-Versandverbot nicht, hat das für die Patienten gravierende Folgen. Schon jetzt gibt es in Deutschland weniger Vor-Ort-Apotheken als im EU-Durchschnitt. Alle 38 Stunden schließt in Deutschland eine Apotheke. Apotheken vor Ort versorgen 20.000 Patienten in jedem Nacht- und Notdienst, sie fertigen sieben Millionen Rezepturen pro Jahr und gewährleisten eine flächendeckende Versorgung von Arzneimitteln. Der unfaire Wettbewerb europäischer Arzneimittelversender bedroht nicht nur die Apotheken vor Ort in ihrer Existenz, sondern gefährdet auch die Patientenversorgung.“ Drei Monate haben Unterstützer nun Gelegenheit, die Petition hier zu unterzeichnen.

In Sachen Rx-Versandverbots-Petition hat bereits ein anderer Apotheker sein Glück versucht und ist damit gescheitert. Nachdem das Thema Rx-Versandverbot es zwar in den Koalitionsvertrag schaffte, dann jedoch schnell von einem Mantel des Schweigens umhüllt wurde, wollte Christian Redmann, Inhaber der Stadt-Apotheke Ebermannstadt, etwas unternehmen.

Unermüdlich trommelte er für sein Anliegen, versuchte, Kollegen zu überzeugen, zu unterschreiben. Er sammelte auf derselben Plattform, die derzeit auch Bühler nutzt, seine Petition und sammelte schließlich mehr als 56.650 Unterschriften. Diese übergab er im vergangenen Oktober an den Petitionsausschuss des Bundestages. Darauf folgte eine große Enttäuschung, der Petitionsausschuss ließ ihn abblitzen.

In der Branche sorgte seine Aktion für viel Aufmerksamkeit, zu seinen Unterstützern gehörten unter anderem der Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), Dr. Andreas Kiefer, der Präsident der Apothekerkammer Bayern, Thomas Benkert, die Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, Gabriele Overwiening, und Rainer Bienfait, Vorsitzender des Berliner Apothekervereins. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt weigerte sich, zu unterschreiben. Er begründete dies damit, dass das Unterzeichnen von Petitionen nicht zur politischen Verbandsarbeit gehöre.

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