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Eklat in Brandenburg

Apotheker erzürnt über Porsche-Spruch aus Ministerium

Keine Hilfe für Porsche-Fahrer? Der Apothekeverband Brandenburg berichtet über eine Begegnung der besonderen Art im Wirtschaftsministerium.Foto: Shutterstock_USJ

Berlin - In der Bewältigung der AvP-Krise suchen die Apothekerkammern- und verbände bundesweit das Gespräch mit der Politik. Ernüchtert und verärgert sind die Vertreter des Apothekerverbands Brandenburg (AVBB) nach einem Gespräch mit dem Gesandten des Wirtschaftsministeriums des Landes. Der soll sich nämlich ziemlich abfällig über die Not der Apotheker geäußert haben.

AVBB-Geschäftsführer Thomas Baumgart hatte zusammen mit einem Vertreter der Apobank das Gespräch mit Torsten Fritz, im brandenburgischen Wirtschaftsministerium Abteilungsleiter für Wirtschaftsförderung und Digitalisierung, geführt. Man habe bei dem Gespräch am 8. Oktober versucht, „deutlich zu machen, welche enormen finanziellen Belastungen sich für die einzelnen Apotheken ergeben und eine Gefährdung der flächendeckenden Arzneimittelversorgung im Land gesehen wird, sollten einzelne Apotheke infolge der AvP-Insolvenz ebenfalls insolvent gehen“. Dem Ministerium seien zudem konkrete Unterstützungsmöglichkeiten vorgestellt worden.

Doch über Fritz‘ Reaktion zeigt sich Baumgart empört und gibt seine Eindrücke an die Mitglieder weiter: „Mit Vorurteilen und polemischen Aussagen zu Apotheken wie beispielsweise, dass Apotheker ihren Porsche auch ein halbes Jahr später bestellen könnten, versuchte der Abteilungsleiter deutlich zu machen, dass es aus dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie des Landes Brandenburg keine Unterstützung für die unverschuldet in Not geratenen Unternehmen geben werde.“

Wie sich Fritz im Wortlaut geäußert hat und in welchem Kontext, wissen natürlich nur die am Gespräch Beteiligten. Das Ministerium wurde um Stellungnahme gebeten. Baumgart muss sich aber sehr sicher sein, wenn er die Aussage in einem Mitgliederschreiben verbreitet, da auch ein Vertreter der Apobank als dritter Gesprächspartner zugegen war.

Im Rundschreiben des Verbands heißt es weiter, man habe die Aussagen des Abteilungsleiters „mit völligem Unverständnis“ zur Kenntnis genommen, „dass ihm die Existenz einzelner Apotheken im Land Brandenburg absolut egal sei“. Man hoffe, dass es sich um eine Einzelmeinung und nicht die Haltung des Wirtschaftsministeriums handele. Der Verband hat Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) angeschrieben und um Prüfung des Sachverhalts gebeten.

Denn Fritz soll dem Verband auch noch gedroht haben. Im Rundschreiben heißt es dazu: „Hinweis und Missbilligung der inakzeptablen Äußerungen des Abteilungsleiters im Wirtschaftsministerium und Zurückweisung dessen Drohung, dass, sollte der Verband über die Abwehrhaltung des Ministeriums öffentlich berichten, es keine weitere Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium geben würde“.

Minister Steinbach wird gebeten, diesen Fall intensiv prüfen und sich andererseits für schnelle Hilfen zur Unterstützung der betroffenen Apotheken stark zu machen, damit Apotheken den Liquiditätsengpass in den kommenden Wochen und Monaten überbrücken können.

Bislang hat der Verband keine Reaktion aus dem Ministerium erhalten. „Das beunruhigt uns und es erzürnt uns auch“, so der Vorsitzende Olaf Behrendt gegenüber APOTHEKE ADHOC. Denn die zitierte Aussage sei nur eine in einer ganzen Reihe zynischer Bemerkungen gewesen. „Ein solcher Abteilungsleiter im Ministerium ist nicht tragbar“, so Behrendt. Der Verband erwarte ein Machtwort des Wirtschaftsministers, besser noch des Ministerpräsidenten.

So habe Fritz auch die Systemrelevanz der Apotheken angezweifelt, berichtet Behrendt, der allerdings an dem Gespräch auf Arbeitsebene nicht persönlich teilgenommen hat und daher auf den Bericht der Geschäftsstelle angewiesen ist. „Die Apotheker haben in der Coronakrise Unmögliches geleistet und dann kommt ein Abteilungsleiter, dem alles egal ist“, empört sich der Verbandsvorsitzende. Während großen Konzernen in Brandenburg „der rote Teppich ausgerollt“ werde, was er ausdrücklich begrüße, lasse man „heimische Kleinbetriebe den Bach runtergehen“, so Behrendt.

Trotzdem hofft er noch auf ein Umdenken: Mit dem Gesundheitsministerium habe man schließlich sehr konstruktive Gespräche geführt und halte die Vertreter ständig auf dem Laufenden. Allein in Brandenburg seien 123 Apotheken von der AvP-Insolvenz betroffen, 20 Prozent der Betriebe des Landes. Zur Stunde gibt es ein weiteres Gespräch mit dem Gesundheitsministerium.

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