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Klinikinfektionen

Zinplava: Antikörper gegen Clostridium

Clostridium difficile zählt zu den häufigsten Krankenhauskeimen und kann die Darmwand schädigen.Foto: CDC/Jennifer Oosthuizen

Berlin - Die erste in der EU zugelassene nicht-antibiotische Rezidivprophylaxe von Clostridium-difficile-Infektionen (CDI): Zinplava (Bezlotoxomab, MSD) hatte im Januar 2016 die EU-Zulassung erhalten. Nach dem Launch in Großbritannien soll das Präparat in wenigen Monaten auch in Deutschland auf den Markt kommen.

Clostridium difficile zählt zu den häufigsten Krankenhauskeimen und kann die Darmwand schädigen. Die Folge können Durchfälle, Entzündungen, Fieber und abdominale Schmerzen sein. Das grampositive anaerobe Stäbchenbakterium bildet Sporen und ist gegen Wärme und Austrocknung stabil. Das Bakterium produziert die pathogenen Toxine Enterotoxin A und Cytotoxin B. Das Risiko, während eines stationären Aufenthalts unter einer Antibiose an einer CDI zu erkranken, liegt bei etwa 1:100.

Das Risiko steigt durch die Gabe von Antibiotika wie Cephalosporinen, Clindamycin und Ampicillin. Aber auch jede andere Antibiose kann Ursache einer Infektion sein. Ein erhöhtes Risiko haben zudem Patienten, die mit Protonenpumpenhemmern (PPI) behandelt werden. Denn eine verminderte H+-Ionenkonzentration im Magen begünstigt die CDI. Gefährdet sind ebenfalls immungeschwächte und ältere Personen ab einem Alter von 65 Jahren.

Etwa jeder vierte CDI-Patient erleidet innerhalb von zwei Monaten nach der ersten Erkrankung ein Rezidiv – mehr als 40 Prozent erkranken ein weiteres Mal. Wiederkehrende Infektionen konnten bislang mit einer antimikrobiellen Intervalltherapie und der Gabe von Probiotika behandelt werden.

Zinplava stellt in Großbritannien nun eine weitere Therapieoption dar. „Die Einführung in Deutschland ist für das zweite Quartal 2018 geplant“, teilt eine Sprecherin mit. Bezlotoxumab ist die erste Behandlungsoption zur Prävention von wiederkehrenden CDI für Erwachsene mit erhöhtem Risiko. Der Wirkstoff sorgt für eine erhöhte passive Immunität gegen das Toxin B.

Der selektive und vollständig humane monoklonale Antikörper bindet mit hoher Affinität an das Toxin B von Clostridium difficile und neutralisiert es. Der Wirkstoff selbst hat keinerlei antibiotische Wirkung und dient daher nicht zur Behandlung einer akuten Infektion. Das Antitoxin wird als einmalige einstündige intravenöse Infusion in Kombination mit einem Standardantibiotikum wie Metronidazol, Vancomycin oder Fidaxomicin verabreicht. Bezlotoxumab besitzt eine Halbwertszeit von etwa 19 Tagen.

Die häufigsten Nebenwirkungen können Übelkeit, Schwindel oder Fieber sein. Der Wirkstoff wird als Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung zu 25 mg/ml im Handel sein. Klinische Phase-III-Studien bestätigten eine signifikante Minderung der Rückfallrate. In den USA wurde Zinplava bereits im Oktober 2016 zugelassen.

Das Bakterium ist ohnehin im menschlichen Darm zu finden. Der Darm von Kindern ist zu etwa 80 Prozent mit Clostridium difficile besiedelt, bei Erwachsenen liegt der Anteil nur noch bei 5 Prozent.

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