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„Wichtiger als der Name ist das Miteinander“

Multikulti in Weißhaars Mohren-Apotheke

Berlin - Seit 1887 trägt die Mohren-Apotheke in Karlstadt bei Würzburg bereits ihren Namen. Und das soll auch so bleiben, betont Inhaber Christoph Weißhaar. Schließlich sei der Name keine Diskriminierung, sondern eine Hommage an die Geschichte des Drogen- und Gewürzhandels sowie an den Heiligen Mauritius. Anders als Apotheker in Frankfurt und Aschaffenburg sah sich Weißhaar noch keinen Anfeindungen ausgesetzt.

Dass einige Apotheken hierzulande den Mohr im Namen tragen, rührt daher, dass früher viele der verkauften Drogen und Gewürze aus Afrika kamen. Auch auf die Dreikönigsverehrung und den heiligen Mauritius geht die Bezeichnung zurück. „Daher heißen vor allem alte Betriebe Mohren-Apotheke“, erklärt Weißhaar. So ist es bei auch seiner Apotheke, die bereits seit 1638 besteht und zu den ältesten in Unterfranken zählt.

Überlegungen, den Namen der Apotheke zu ändern, gab es nie. „Wir haben auch nie negative Rückmeldungen deswegen bekommen. Viele unserer Kunden bitten uns sogar, den Namen auf jeden Fall zu behalten“, so Weißhaar. Vor einem Jahr entbrannte in Frankfurt am Main eine Diskussion um die Mohren-Apotheken. Eine Mitarbeiterin der Kommunalen Ausländervertretung bezeichnete den Begriff als rassistisch und als nicht zu einer weltoffenen Stadt passend.

Die gebürtige Afrikanerin stellte den Antrag, dass die Mohren-Apotheken ihren Namen ändern müssen. Zur Namensänderung kam es nicht. Die Inhaber hoben vielmehr das lange Zeit positive Image des Begriffes Mohr hervor. Seitdem haben Mohren-Apotheken in Frankfurt, Aschaffenburg, Mainz und anderen Städten jedoch mit Anfeindungen und Widerständen zu kämpfen. Die Standfestigkeit der Inhaber brachte zudem bisweilen unerwünschte Sympathiebekundungen aus dem politisch rechten Spektrum mit sich.

So weit ist es in Karlstadt noch nicht. Die Diskussionen um den Namen seien ohnehin übertrieben, findet Weißhaar: „Wichtiger als eine politisch korrekte Bezeichnung ist doch, wie man mit den Leuten umgeht. Wir pflegen hier ein offenes Miteinander.“ Im Ort gebe es viele Menschen mit Migrationshintergrund, das Zusammenleben funktioniere aber sehr gut. Mitarbeiterinnen, die Kopftuch tragen, gehören mittlerweile genauso zum Erscheinungsbild der Apotheke wie der Mohr auf den Fensterscheiben.

Von den Bürgern mit ausländischen Wurzeln störte sich noch niemand am Namen der Mohren-Apotheke. Vor einiger Zeit schauten zwei dunkelhäutige Gäste aus Frankreich in seiner Apotheke vorbei, erzählt Weißhaar. Diese habe er aktiv angesprochen und gefragt, ob sie sich durch den Begriff beleidigt fühlen. „Sie haben nur gelacht und sich gewundert, dass wir in Deutschland keine anderen Probleme haben“, so der Apotheker.

Auch wenn es schwer zu bestimmen sei, wann ein Begriff rassistisch ist und wann nicht, setzt Weißhaar Grenzen. „Das Wort Neger beispielsweise ist ganz klar ein Schimpfwort, früheren Bedeutungen zum Trotz“, distanziert sich der Apotheker deutlich von rassistischen Begrifflichkeiten. Der Name seiner Apotheke sei dagegen eine Hommage an medizinische Traditionen und kein Rassismus. Deswegen stehen Weißhaar, sein Team und auch die Karlstädter weiter felsenfest hinter ihrer Mohren-Apotheke.

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