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Versandhandel

Amazon sucht Prime-Apotheken

Berlin - Amazon als Apotheke: Das Szenario, vor dem sich viele Pharmazeuten fürchten, könnte demnächst Realität werden. Dem Vernehmen nach arbeitet der US-Konzern mit Hochdruck daran, einen Lieferdienst für Arzneimittel auf die Beine zu stellen. Dabei helfen sollen als Exklusivpartner ausgerechnet Apotheken vor Ort.

Nach Informationen aus der Branche spricht Amazon derzeit sowohl mit Versandapotheken als auch mit Apotheken vor Ort. Ziel ist offenbar, die Möglichkeiten einer exklusiven Partnerschaft auszuloten. Für den Bereich wurde ein zweiköpfiges Team auf die Beine gestellt, das parallel die Stimmung bei den Herstellern sondiert. Noch 2017 könnten Nägel mit Köpfen gemacht werden, mutmaßen Insider.

Im Kern soll es darum gehen, den Premiumdienst „Amazon Prime“ um die Kategorie Gesundheitsprodukte und Arzneimittel zu erweitern. In 20 ausgewählten Städten und Metropolregionen liefert der Konzern bereits heute rund eine Million Artikel noch am selben Tag an seine Kunden aus. Möglich machen dies die mittlerweile neun Niederlassungen in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld mit zwei Standorten, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Koblenz und Brieselang. Demnächst sollen Vertriebszentren in Winsen bei Hamburg, Frankenthal und Dortmund hinzukommen.

Voraussetzung für die Same-day-Lieferung sind ein Mindestbestellwert von 20 Euro und die Mitgliedschaft im Vorteilsprogramm „Prime“, die derzeit 69 Euro im Jahr kostet. Spediteure fahren am Vormittag bestellte Ware zwischen 18 und 21 Uhr aus. Bei „Prime Now“ können Kunden in Berlin und München sogar eine Auswahl von mehreren tausend Produkten via App innerhalb von einer oder zwei Stunden zustellen lassen.



Strategie des Konzerns soll es sein, in jeder Stadt der betroffenen Regionen eine Apotheke unter Vertrag zu nehmen. Diese soll die bestellte Ware dann zum Umschlagplatz liefern, wo sie von den von Amazon beauftragten Logistikern in Empfang genommen wird. In München soll bereits ein Vertrag unterzeichnet sein, in Berlin wird angeblich noch gesucht.

Der Konzern wollte die Informationen weder bestätigen noch dementieren und auch zu seinen Plänen keine Stellungnahme abgeben: „Amazon hat dazu keine Ankündigung gemacht“, lautete die knapp Antwort eines Sprechers auf eine längere Liste mit Fragen zu Pilotprojekten, Regionen, Konditionen und Erwartungen.

Kritiker haben Zweifel, dass das Konzept des Expressdienstes aufgeht. Aponeo habe in Berlin die Erfahrung gemacht, dass der Service von den Kunden gut angenommen werde, sagt ein Branchenkenner: 80 Prozent der Bestellungen in der Hauptstadt würden heute am selben Tag ausgeliefert. Nur finanziell lohne sich der Aufwand nicht: Die Versandapotheke von Konstantin Primbas denke bereits über die Einführung einer Servicegebühr nach.



Auch aus operativer Sicht seien die Pläne von Amazon eine Herausforderung: Der Konzern müsse sein Bestellwesen so programmieren, dass Aufträge automatisch an die Partnerapotheke weitergeleitet würden. Das sei nicht nur rechtlich, sondern auch technisch schwierig.

Die Apotheke wiederum müsste über eine professionelle Logistik verfügen, um die zu erwartenden Kundenströme bewältigen zu können. Selbst wenn die Aufträge – was ebenfalls rechtlich zweifelhaft sei – direkt von einem Großhändler vorkonfektioniert würden, müsse man mit einer Bearbeitungszeit von einer Dreiviertelstunde rechnen. Inklusive Abholung und Übergabe sei eine Lieferung unter drei Stunden nicht drin.

Fabian Kaske, Geschäftsführer der Pharma-Marketingagentur Dr. Kaske, geht davon aus, dass „Prime Now“ zunächst vor allem als Imagemaßnahme gedacht sei: Dass über das Konzept schnell große Umsätze gefahren werden, glaubt er nicht. Für den Konzern gehe es darum, als Plattform für Apothekenprodukte wahrgenommen zu werden. „Der Kunde, der bei Amazon kauft, ist ein Amazon-Kunde – egal, welcher Händler dahinter steht.“



Der US-Konzern sei soweit, „mit voller Wucht“ in den Versandhandel einzusteigen. „Amazon steht für exzellenten Kundenservice. Wenn die Verbraucher merken, dass sie dort auch Arzneimittel bekommen, können sich die Dinge schnell entwickeln.“

Seiner Ansicht nach würde der Konzern wohl am liebsten nur noch mit Exklusivpartnern zusammenarbeiten. Dass Amazon mit DocMorris spreche, sei ein starker Hinweis, dass man am liebsten einen Verbündeten an seiner Seite hätte. „Da müssen sich Einige warm anziehen“, sagt Kaske mit Blick auf jene Versender, die heute einen größeren Teil ihres Geschäfts über die Plattform abwickeln.

Summiere man diese von Versandapotheken über Amazon generierten Umsätze, liege der Internetriese schon heute irgendwo zwischen Rang 5 und 10 – ohne in Werbung für dieses Sortiment zu investieren. „Investiert Amazon in diesen strategischen Bereich, ist Rang 3 locker drin.“

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