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Digitalkonferenz VISION.A

„Über DocMorris würde ich mir gar keine Gedanken machen“

Berlin - Die Digitalisierung hat im Handel nicht nur neue Stars hervorgebracht, sondern auch viele Verlierer. Während einstige Branchengrößen wie Neckermann die Umstellung auf die neue Zeit nicht überlebten, kann sich das Versandmodehaus Walbusch weiterhin hervorragend behaupten. Denn das Familienunternehmen ist in einer Branche im Umbruch erfolgreich mit der Zeit gegangen. Wie es das geschafft hat – und was Apotheker davon lernen können – wird Geschäftsführer Christian Busch auf der VISION.A, der Digitalkonferenz von APOTHEKE ADHOC und Apotheken Umschau, erklären. Wer daran teilnehmen möchte, sollte sich noch schnell Tickets sichern.

Walbusch ist ein deutsches Familienunternehmen im besten Sinne: 1934 begann Walter Busch damit, Rasierklingen aus Solingen zu versenden. Daraus wuchs über die Jahrzehnte ein angesehenes Versandhaus, das sich auf Herrenmode im gehobenen Segment spezialisiert hat. Während sich andere Häuser in den letzten zehn Jahren oft ratlos von der Onlinekonkurrenz das Wasser abgraben ließen, ging es für Walbusch bergauf. Denn Christian Busch, Geschäftsführender Gesellschafter in der dritten Generation, sieht den Blick nach vorn als Familientradition: „Schon mein Großvater und mein Vater haben sich stets den Kunden- und Marktentwicklungen angepasst.“ Und mehr noch: Entgegen dem vermeintlichen Trend fährt das Unternehmen gut damit, neben dem reinen Versand ein zweites Standbein aufzubauen, indem es mit eigenen Filialen in den stationären Handel drängt.

Wie passt das mit zunehmender Digitalisierung und Online-Handel zusammen? „Man muss dort präsent sein, wo die Kunden sind“, so Busch. „Bei allem Online-Wachstum wird der Großteil des Textil-Umsatzes immer noch stationär gemacht.“ Doch eine Möglichkeit, den digitalen Wandel ruhiger angehen zu lassen, ergibt sich daraus keineswegs – im Gegenteil: „Man muss heute ganz klar für sich selbst definieren, wen man erreichen will, und die Kunden dann an sich binden.“

Darin sieht der 45-Jährige eines der Erfolgsgeheimnisse. Sich dabei gegen die Branchenriesen zu behaupten, werde aber nicht gelingen, indem man sie kopiert. Stattdessen muss man als moderner Unternehmer auf seine Stärken setzten: „Wenn wir versuchen würden wie Amazon oder Zalando zu sein, würden wir krachend scheitern. Was wir neben einem überzeugenden Produkt bieten müssen, sind persönliche Bindungen.“

Und darin ist das Familienunternehmen – genau wie die Apotheke um die Ecke – stärker als ein anonymer Riese. Der Schlüssel seien individualisierte Angebote. „Ich muss überlegen, wie ich Kommunikation durch gestalterische und schöne Elemente personalisieren kann und dabei auch neue Kommunikationskanäle nutzen“, sagt Busch.

Und hier fällt ihm gleich eine Apotheke als Beispiel ein. Er kenne Apotheken, da sende er einfach ein Foto seines Rezeptes per Whatsapp und bekomme innerhalb von Minuten eine persönliche Antwort, inklusive der Information, wann er das Medikament abholen kann. Das vereine die persönliche Nähe des lokalen Apothekers mit der Geschwindigkeit und Bequemlichkeit digitaler Kommunikation. „Und die individuelle Patientenansprache sowie das Vertrauensverhältnis sind schließlich die größten Pfunde des Apothekers.“

Dass es unter den Apothekern angesichts des Versandhandels Angst um das eigene Geschäftsmodell gibt, könne er nachvollziehen. Aber: „Die Apotheker müssen auch die Offenheit haben, den Zeitgeist zu erkennen! Man kann versuchen, seine Modelle zu schützen, aber am Ende entscheidet der Wunsch des Kunden.“

Sich nur auf Schützenhilfe aus der Politik zu verlassen, werde mittelfristig nicht viel bringen. „Das Internet geht nicht wieder weg!“ Dass Amazon Medikamente versenden wird, sei keine Frage des Ob, sondern des Wann. „Und dann muss ich mich als Apotheker fragen, wie ich den Kunden mit einem lokalen Bezug für mich gewinnen kann“, prophezeit er. Vermeintlich rationale Einsprüche wie Apothekensterben und gefährdete Notversorgung werden dabei nicht helfen, denn „Moral ist für den Kunden kein Argument.“

Stattdessen müsse man die eigenen Stärken hervorheben. „Wir sollten als Händler gewisse Grundnormen nicht vergessen, beispielsweise das Sortiments-Know-How.“ Außerdem solle man nicht vergessen, dass sich Digitalisierung nicht nur in der Kommunikation mit dem Kunden abspielt.

„Über DocMorris würde ich mir als Apotheker gar keine Gedanken machen, sondern über die Grosshändler! Die haben doch die viel bessere technische Infrastruktur, um die lokale Apotheke zu umgehen.“ Es gebe noch viel mehr Möglichkeiten, von der Technik zu profitieren, die ungenutzt blieben. Wer hören will, welche Perspektiven Busch dazu aufzeigen kann, der sollte sich ein Ticket für VISION.A 2018 bestellen.

Neben Busch werden sich bei VISION.A noch weitere Top-Speaker im Radialsystem V die Klinke in die Hand geben. Mit dem ehemaligen Bild-Herausgeber und -Chefredakteur Kai Diekmann, Christoph Keese, dem geschäftsführender Gesellschafter von Axel Springer hy, und dem Spiegel-Korrespondenten Thomas Schulz berichten gleich drei publizistische Experten von ihren Erfahrungen im Silicon Valley. Autorin und Grimme-Preistägerin Thea Dorn steht ebenso auf der Speaker-Liste. Sie beschäftigt sich mit „Künstlicher Intelligenz und echter Vernunft“.

Professor Dr. Klemens Skibicki spricht über „Digitale Transformation – mehr Kopfsache als Technik“. Blogger und SPON-Kolumnist Sascha Lobo darf bei der dritten VISION.A ebenso nicht fehlen. Natürlich werden auch wieder die begehrten VISION.A Awards verliehen. Vor kurzem hat die Jury entschieden, welche der 60 Bewerber auf dem Siegertreppchen stehen.

Vor der Verleihung sorgt Kabarettist Timo Wopp für Stimmung. Am zweiten Veranstaltungstag stehen Smartlabs und Workshops auf dem Programm. Beim Agency Slam wird über die Zukunft der Pharma- und Apothekenkommunikation diskutiert. Dr. Hajo Schumacher hält als Moderator den roten Faden in der Hand. Informationen und Tickets zur Veranstaltung gibt es hier.

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