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VISION.A 2019

Schmidhubers Geschenk an die Menschheit

Seine 1997 erstmals als wissenschaftliche Arbeit publizierte LSTM sei „ein Geschenk an die Menschheit“, so Schmidhuber.Foto: Peter van Heesen

Berlin - Es ist nichts geringeres als „das größte Thema unserer Zeit“, sagt Professor Dr. Jürgen Schmidhuber: Künstliche Intelligenz. Während schon die Funktionsweise heutiger KI-Anwendungen für die meisten Durchschnittsverbraucher ein Buch mit sieben Siegeln ist, prophezeit Schmidhuber bei der Digitalkonferenz VISION.A von APOTHEKE ADHOC bereits völlig neue Dimensionen technologischer Entwicklung.

„Als wir damals mit den rekurrenten Netzwerken angefangen haben, hat sich niemand dafür interessiert, nicht mal die Experten“, erinnert sich Schmidhuber an die Anfänge seiner Arbeit. Heute sind seine Entwicklungen Teil des Alltags für so gut wie jeden Menschen auf der Welt. Denn einige der wichtigsten Schlüsseltechnologien überhaupt gehen auf Erfindungen des gebürtigen Münchners zurück: tiefe Neuronale Netzwerke, Deep Learning, Long Short-Term Memory (LSTM) – oder für Laien: moderne Künstliche Intelligenz (KI). Von Google Maps über Siri bis Google Translate finden Schmidhubers Entwicklungen überall Anwendungen.

Allein der Übersetzungsbutton bei Facebook wird weltweit 50.000 mal pro Sekunde benutzt. Schmidhuber verdient daran: nichts. Seine 1997 erstmals als wissenschaftliche Arbeit publizierte LSTM sei „ein Geschenk an die Menschheit“ sagt er. „Jeder kann sich das herunterladen und frei verwenden.“ Man solle sich nicht der falschen Vorstellung hingeben, dass KI nur aus den USA oder China komme – die wichtigsten Entwicklungen in dem Bereich kommen aus dem deutschsprachigen Raum, bis heute lägen beispielsweise die meisten Patente, die für autonomes Fahren notwendig sind, in Deutschland.

Aber Schmidhuber denkt bereits viel weiter als „nur“ bis zu selbstständig fahrenden Autos, er denkt schon an die nächste Stufe von KI und deren Auswirkungen auf unsere Welt: Bisher besteht KI vor allem aus passiver Mustererkennung. Mit Daten gefütterte Algorithmen können anhand der schieren Masse Muster erkennen und so selbstständig lernen, Aufgaben zu erledigen. Allein das hat schon weltweit Wertschöpfungsketten revolutioniert. „Die größten Profite durch KI werden heute in Marketing und Werbung generiert“, erklärt er. „Dieser Bereich macht nur ein Prozent der Weltwirtschaft aus – das reicht aber schon, um diese Firmen zu den wertvollsten der Welt zu machen: Facebook, Tencent, Alibaba.“

Das sei aber nur ein Vorgeschmack dessen, was auf die Menschheit zukomme. „Die nächste Welle der KI wird viel größer und mächtiger werden“, prophezeit Schmidhuber. Denn diese werde nicht mehr nur auf passiver Mustererkennung basieren, sondern zu aktiver Entscheidungsfindung fähig sein. „Das werden nicht mehr nur Systeme sein, die sklavisch imitieren, sondern lernende, neugierige Systeme, die lernen, Fragen zu stellen und wie Kinder lernen, selbst Experimente zu erfinden, die dazu führen, dass sie Muster entdecken, die sie vorher noch nicht kannten“, erklärt er. Die Entwicklung im Hardwaresektor werde das schon in naher Zukunft möglich machen: Bis heute wird Rechenleistung alle fünf Jahre zehnmal billiger. „Dieses Gesetz gilt noch und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich das ändert.“

Das Resultat werde eine „übermenschlich gute Performanz“ dieser KI-Systeme sein. Und das nicht metaphorisch, sondern im wortwörtlichen Sinne. Der erste Schritt werde noch Intelligenz auf dem kognitiven Niveau kleiner Säugetiere sein. „Aber wenn das einmal geschafft ist, ist der nächste Schritt zur menschenähnlichen Intelligenz nicht mehr weit. Das wird sehr, sehr krass werden“, sagt er. Denn die technologische Evolution sei rein mathematisch eine Million mal schneller als die biologische. „Wir werden denen etwas zeigen und die werden nach ein paar gescheiterten Versuchen schnell lernen, es besser zu machen als wir.“

Das sei nicht nur zeitlich in greifbarer Nähe, sondern auch geographisch. „Mehr und mehr deutsche Firmen sind aufgewacht und haben großes Interesse an den Möglichkeiten entwickelt, die Künstliche Intelligenz bietet“, erklärt Schmidhuber. Und es gebe da hierzulande viel zu gewinnen: Kein Ort sei mehr dafür prädestiniert, eine internationale Führungsrolle einzunehmen, als Deutschland. Hier gebe es sowohl die akademische Landschaft, die Talente als auch die industriellen Produzenten. Schmidhuber jedenfalls ist sich sicher: „Das wird die deutsche Wirtschaft revolutionieren.“

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