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Lobbyarbeit

Noweda irritiert Apothekerverbände

Berlin - In diesem Jahr dürfte die Generalversammlung der Noweda noch etwas festlicher ausfallen als sonst. Wilfried Hollmann feiert als Chef der Genossenschaft seinen Abschied. Noch einmal kann er sich feiern lassen – für den Ebert+Jacobi-Coup und erneut gute Zahlen. Doch die Tagesordnung hält auch ein Pulverfass bereit, das Hollmann tunlichst vor Beginn noch aus dem Saal rollen sollte.

Im Vorfeld der Generalversammlung wurden die Mitglieder auch über eine vorgesehene Satzungsänderung informiert. Unter anderem soll der Zweck der Genossenschaft dahingehend angepasst werden, dass die Noweda die „wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder und ihrer Betriebe gegenüber der Politik, der Öffentlichkeit und sonstigen Dritten“ vertreten möchte.

Das klingt zunächst nach dem, wofür die Noweda nach eigenem Verständnis ohnehin seit Jahren steht – dem Bekenntnis zur und Einsatz für die Apothekerschaft. Auch politisch ist die Genossenschaft seit jeher aktiv, hatte unter anderem den damaligen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) in ihre Zentrale eingeladen und sich bei der Gelegenheit für die eigenen Belange und die der Kunden stark gemacht.

Doch ein Vertretungsanspruch als Zweck in der Satzung verankert? Das ging hochrangigen Vertretern der Apothekerschaft entschieden zu weit. „Wir waren mindestens irritiert“, heißt es aus dem Vorstand des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg (LAV). Das ist jene Formulierung, mit der sich unlängst Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gegen den Vorwurf seines türkischen Amtskollegen verwahrte, Deutschland sei ein Zufluchtsort für PKK-Terroristen.

Steinmeier hatte sich am Ende noch für ein „nicht ganz einfaches Gespräch“ bedankt. Ein solches haben womöglich auch LAV-Chef Fritz Becker und Hollmann geführt. Denn der LAV hat wegen der Satzungsänderung in Essen nachgefragt. „Wir haben das Gespräch gesucht“, heißt es aus Stuttgart.



Beim Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) wurde die geplante Satzungsänderung ebenfalls im Vorstand besprochen. Immerhin hat die Noweda ihren Hauptsitz im Einzugsgebiet des Verbandes. Entsprechend musste sich der Großhändler auch aus dieser Ecke kritische Nachfragen gefallen lassen.

Die Apothekerverbände beanspruchen für sich das Recht exklusiv, die Apotheker in wirtschaftlichen Belangen gegenüber der Politik zu vertreten. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) ist Vertrags- und Verhandlungspartner der Krankenkassen in allen wichtigen Angelegenheiten. Was die Noweda meint, wenn sie auch gegenüber „sonstigen Dritten“ für die Apotheker eintreten will, war deren Verbandsvertretern daher auch nicht ganz klar.

Es gab also Klärungsbedarf. Denn der DAV und seine Landesverbände müssen sich schon in den eigenen Reihen gegen vermeintliche Mandatsträger positionieren: Kooperationen wie der MVDA oder der Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) streben ebenfalls nach Höherem und politischer Verantwortung.



Dem Vernehmen nach war man bei der Noweda von den Reaktionen der Apothekerverbände dennoch überrascht – natürlich trete man nicht in deren Garten. Was mit der geplanten Satzungsänderung dann gemeint ist, war bislang nicht zu erfahren. Bei der Noweda war für Rückfragen niemand zu erreichen.

Hollmann dürfte wenig Interesse an einer entsprechenden Debatte auf seiner letzten Generalversammlung als Noweda-Chef haben. Immerhin soll er für seine Verdienste die Ehrennadel der Deutschen Apotheker verliehen bekommen. Da soll eine womöglich hitzige Kompetenzdiskussion nicht die Feststimmung trüben.

Wahrscheinlicher ist daher, dass die Satzungskommission die umstrittene Passage doch noch streicht. Die Noweda kann sich als Genossenschaft dann trotzdem weiter für die Apotheker einsetzen und den politischen Anspruch darauf den Verbänden überlassen. Falls es doch anders kommt, haben hoffentlich alle bei Steinmeier zugehört, wie das mit Diplomatie geht.

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