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„Ein Sputnik-Moment“

Russland: Covid-19-Impfstoff schon ab 10. August

Überraschung für die Amerikaner: Kirill Dmitriev, Vorsitzender des Russischen Investitionsfonds, der die Entwicklung eines Covid19-Impfstoffs finanziert, hat eine Zulassung im August angekündigt.Foto: Kreml

Berlin - Russland will als erster Staat der Welt einen Impfstoff gegen Covid-19 zulassen – und zwar sehr bald: Schon am 10. August will die russische Zulassungsbehörde einem Impfstoff des Moskauer Gamaleya-Forschungszentrums für Epidemiologie und Mikrobiologie grünes Licht geben. Doch die Bedenken sind groß. Der Impfstoff befindet sich erst vor Abschluss der Phase-II-Studie. Außerdem gibt es kuriose Vorwürfe gegen Russland bezüglich der Entstehung des international bisher kaum wahrgenommenen Impfstoffprojekts.

Frühestens 2021, hieß es bis vor kurzem. Mittlerweile ist die Rede davon, dass schon Ende Oktober der erste Impfstoff gegen Covid19 auf den Markt kommen könnte. Doch nun will der Kreml dem Westen offensichtlich die Schau stehlen. „Es ist ein Sputnik-Moment“, zitiert CNN Kirill Dmitriev, den Vorsitzenden des Russischen Investitionsfonds, einer vom Kreml gegründeten Stiftung, die unter anderem die russische Impfstoffforschung finanziert. So wie der Satellit Sputnik damals im Rennen um den Weltraum den Westen schockierte, werde es auch bei der globalen Covid-19-Pandemie der Fall sein. „Die Amerikaner waren überrascht, als sie Sputniks Piepen hörten. Mit diesem Impfstoff ist es genauso. Russland wird ihn als erstes haben“, so Dmitriev.

Kritiker befürchten, dass das auf Kosten der Sicherheit gehen könnte. Denn der Impfstoff befindet sich erst in einer Phase-II-Studie. Die soll am 3. August abgeschlossen sein. Mit ihren Daten soll bereits eine Zulassung erfolgen und Phase III dann parallel zum Einsatz durchgeführt werden. Zuerst soll nämlich hauptsächlich medizinisches Personal geimpft werden. Dass der Impfstoff in Europa und Nordamerika also schon zum Einsatz kommt, kann als ausgeschlossen gelten: Die europäischen und US-amerikanischen Arzneimittelbehörden EMA und FDA haben bereits klargestellt, dass eine abgeschlossene Phase-III-Studie trotz beschleunigter Zulassungsverfahren Mindestvoraussetzung für eine Freigabe ist.

Erst nach dem geplanten Abschluss der Phase-II-Studie am 3. August sollen auch die ersten klinischen Daten zum Impfstoff veröffentlicht werden und so einer internationalen Peer Review zur Verfügung stehen. Für die enorme Geschwindigkeit der Entwicklung liefert Russland zwei Erklärungen – aus Sicht der USA, Großbritanniens und Kanadas könnten aber andere Gründe dahinterstecken.

Russische Wissenschaftler begründen die kurze Entwicklungsdauer damit, dass der Wirkstoff bereits zuvor für den Einsatz gegen andere Coronaviren entwickelt worden war. Tatsächlich arbeiten auch andere Projekte mit diesem Ansatz, unter anderem das US-Biotech-Unternehmen Moderna, das seinen Covid-19-Impfstoff auf Grundlage einer Vakzine entwickelt, die einst gegen das Coronavirus MERS-CoV helfen sollte. Der Moderna-Impfstoff befindet sich seit Montag in einer Phase-III-Studie. Bei dem Gamelaya-Projekt handelt es sich um einen Vektor-Impfstoff auf Basis eines Adenovirus. Anders als Konkurrenzprojekte arbeitet er aber mit zwei Vektoren, Patienten erhalten demnach eine zweite Impfung, um die Wirkung zu erhöhen.

Auch bei der Rekrutierung von Probanden für die Impfstofferprobung ist Russland einen anderen Weg gegangen als seine Konkurrenten: Wie das russische Verteidigungsministerium bestätigte, wurde die Vakzine an Soldaten getestet. Bedenken hinsichtlich der Sicherheit wollen die Beteiligten dennoch nicht aufkommen lassen. CNN zufolge hat Gamelaya-Geschäftsführer Alexander Ginzburg in vertraulichen Gesprächen davon berichtet, dass er sich selbst schon mit dem Stoff geimpft habe. Das russische Gesundheitsministerium hat die Aussagen von Dmietrev zur Zulassung im August noch nicht bestätigt. Gesundheitsminister Michail Muraschko hatte aber bereits Ende Mai angekündigt, schon Ende Juli einen Impfstoff zulassen zu wollen.

In den USA, Großbritannien und Kanada wiederum sind andere Erklärungen für die angeblich schnelle Impfstoffentwicklung in Russland zu hören: Vorvergangene Woche hatten Sicherheitsbehörden der drei Länder davor gewarnt, dass die russische Hackergruppe APT29 in den zurückliegenden Wochen mehrere Cyberangriffe gegen Forschungseinrichtungen und Pharmaunternehmen durchgeführt habe, die an der Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs arbeiten, um dabei sensible wissenschaftliche Daten zu entwenden. APT29 ist auch unter den Namen „the Dukes“ und „Cozy Bear“ bekannt und spielte bereits eine wichtige Rolle bei der mutmaßlichen russischen Einflussnahme auf die US-Präsidentschaftswahlen 2016. Der Kreml wies die Anschuldigungen zurück. „Die Vorwürfe gegen Russland bezüglich dieser Hackerangriffe gegen westliche Pharmaunternehmen sind nur ein Versuch, die russische Covid-19-Impfstoffforschung zu beflecken“, sagte derzeit auch Dmitriev.

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