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Zweite Corona-Studie ohne Erfolg

Hydroxychloroquin: Nicht nützlich, sogar schädlich

Chloroquin: In einer amerikanischen Studie konnte der Wirkstoff nicht überzeugen. In Brasilien wurde eine Studie mit dem Malariamittel sogar vorzeitig abgebrochen.Foto: Bernard Chantal/ Shutterstock.com

Berlin - US-Wissenschfatler des Dorn Research Institute in Columbia, South Carolina, haben die Ergebnisse einer Studie mit Hydrpxychloroquin als Mono- und als Kombinationstherapie mit Azithromycin vorgestellt. Die Einnahme des Malariamittels, auch in Kombination mit dem Antibiotikum, konnte die Wahrscheinlichkeit für eine künstliche Beatmung nicht senken. Bei Patienten, die nur Hydroxychloroquin erhielten, lag eine deutlich höhere Sterberate vor, als bei denen, die unbehandelt blieben.

In der Studie wurde die Wirksamkeit von Chloroquin alleine oder in Kombination mit Azithromycin überprüft. Die Wissenschaftler führten bis zum 11. April eine retrospektive Analyse von Daten von Patienten durch, die mit einer bestätigten Sars-CoV-2-Infektion in einen der medizinischen Zentren der US-amerikanischen „Veterans Health Administration“ behandelt wurden. Die Patienten wurden anhand ihrer Medikation in Gruppen eingeteilt. Ein Teil der Patienten erhielt nur Hydroxychloroquin, die andere Gruppe erhielt das Malariamedikament in Kombination mit Azithromycin. Als primäre Endpunkte wurden der Tod und die Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung festgelegt.

Sterberisiko unter Hydroxychloroquin erhöht

Insgesamt wurden 368 Patienten untersucht. Davon erhielten 97 Personen nur Hydroxychloroquin, 113 Personen erhielten die Kombinationstherapie und 158 Personen erhielten keinen der beiden Wirkstoffe. Aus einem für die Wissenschaftler noch unklaren Grund war das Sterberisiko in der Gruppe die Hydroxychloroquin erhielt höher als in der unbehandelten Gruppe. In der Gruppe, die die Kombinationstherapie erhielt, war das Risiko zu sterben, nicht erhöht.

In die Studie mit eingeschlossen wurden Patienten, die mit bestätigter Sars-CoV-2-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert wurden und entweder verstarben oder bsi zum 11. April entlassen wurden. Zu bedenken geben die Wissenschaftler, dass die Geschlechterverteilung nicht ausgewogen war – lediglich 17 Patienten waren weiblich. Die Forscher betrachteten in dieser Studie folglich nur die verbleibenden 368 männlichen Patienten. Alle Patienten erhielten ein standardmäßiges unterstützendes Management. Es gab 27 Todesfälle (27,8 Prozent) in der Hydroxychloroquin-Gruppe, 25 Todesfälle (22,1 Prozent) in der Kombinationsgruppe und 18 Todesfälle (11,4 Prozent) in der Gruppe ohne Hydroxychloroquin. Eine mechanische Beatmung musste bei 13,3 Prozent der Hydroxychloroquin-Gruppe, bei 6,9 Prozent der Kombinationsgruppe und bei 14,1 Prozent der Gruppe ohne Wirkstoff vorgenommen werden.

„In dieser Studie fanden wir keine Hinweise darauf, dass die Verwendung von Hydroxychloroquin mit oder ohne Azithromycin das Risiko einer mechanischen Beatmung bei Patienten mit Covid-19 im Krankenhaus verringerte“, so das Fazit der Wissenschaftler. Bei Patienten, die nur mit Hydroxychloroquin behandelt wurden, stellten sie sogar eine erhöhte Gesamtmortalität fest. „Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, die Ergebnisse laufender prospektiver, randomisierter, kontrollierter Studien abzuwarten, bevor diese Medikamente in großem Umfang eingesetzt werden“, mahnen die Forscher.

Auch brasilianische Studie abgebrochen

Bei einer kürzlich abgebrochenen Studie aus dem brasilianischen Manaus erhielten die Patienten hoch dosiertes Chloroquin. Ursprünglich sollten 440 Patienten in die Studie miteingeschlossen werden – letztendlich waren es 81 hospitalisierte Personen. Im Rahmen der Phase-2-Studie „CloroCovid-19“ erhielt die Hälfte der Patienten eine hohe Dosierung des Wirkstoffs: Es wurden 600 mg zweimal täglich über zehn Tage verabreicht. Die andere Hälfte erhielt eine niedrigere Dosierung von initial zweimal täglich 450 mg und an den darauf folgenden Tagen eine einmal tägliche Dosis von 450 mg, sodass über den Zeitraum von fünf Tagen eine Gesamtmenge von 2,7 Gramm gegeben wurde. Eine Placebogruppe gab es nicht.

Das höhere Dosierungsschema von 12 g Chloroquin über einen Zeitraum von zehn Tagen wurde von den Wissenschaftlern als unsicher eingestuft. Die Fortsetzung dieses Studienarms sei nicht weiter zu rechtfertigen. „Wir empfehlen daher dringend, diese Dosierung nirgendwo mehr zur Behandlung von schweren Covid-19 Verläufen zu verwenden“, so das Fazit der Forscher. Diese Empfehlung würden sie insbesondere deshalb aussprechen, da weltweit zumeist ältere Patienten aufgrund einer Sars-CoV-2-Infektion stationär behandelt werden würden und diese zumeist kardiovaskuläre Vorerkrankungen aufweisen würden. Bisher konnten die Wissenschaftler keinen offensichtlichen Nutzen von Chloroquin in Bezug auf die Letalität bei den Patienten feststellen.

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